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Petition gegen "Corona-Spaziergänge" wächst

Bielefelder Ratsmitglied mit Himmler verglichen – Großdemo abgesagt

Bielefeld

Die Großdemo der Corona-Kritiker, die für Freitag geplant war, ist abgesagt. Gleichzeitig erhält die Petition gegen die "Spaziergänge" in Bielefeld immer mehr Zuspruch.

Von Dario Teschner

Für eine Anti-Corona-Demo hat sich ein Mann eine besondere Maske gebastelt: ein Virus-Kopf mit Wutbürger-Ausdruck. Foto: Christophe Gateau/dpa

Mehrere tausend Teilnehmer wollten am Freitag (7. Januar) durch die Bielefelder Innenstadt ziehen, um gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen in Deutschland zu demonstrieren. Doch die Großdemo, die von der Gruppe "Bielefeld steht auf!" auf die Beine gestellt worden war, wurde nun kurzfristig abgesagt. Man könne die geltenden Auflagen wie 3G (geimpft, genesen, getestet) oder Maskenpflicht weder den Ordnern noch den Teilnehmern zumuten, begründeten die Veranstalter ihre Entscheidung in einer Stellungnahme, die beim Messengerdienst Telegram über mehrere Kanäle verbreitet worden war.

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung des Landes NRW sieht für Veranstaltungen im Freien mit mehr als 750 Teilnehmern 3G und Maskenpflicht vor. "Wir werden nicht die Arbeit von diesem zunehmend totalitären Staat übernehmen", heißt es wörtlich in dem Schreiben. Die Polizei Bielefeld hat die Absage der Großdemo unter dem Motto "Wir sind die rote Linie" inzwischen bestätigt und zur Kenntnis genommen. 

Absage von Corona-Demo in Bielefeld – Gegenaktionen finden dennoch statt

Die Initiative "Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts", die für Freitag Gegendemonstrationen angekündigt hatte, möchte trotz der Absage der Groß-Demo an ihrem Vorhaben festhalten. An zentralen Orten in der Stadt werden die Protestaktionen gegen die Corona-Kritiker wie geplant über die Bühne gehen, berichtete die Polizei Bielefeld.

Insgesamt seien drei Gegen-Demos mit jeweils rund 250 Teilnehmern angemeldet, heißt es. Die Gruppe "Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts" hat in den vergangenen Tagen durch eine Online-Petition, die sich gegen die Corona-Leugner richtet, immer mehr Zuspruch erhalten.

Bielefeld: Auf Vergleich mit NS-Kriegsverbrecher folgt Strafanzeige

Einer der wichtigsten Köpfe des Bündnisses gegen Rechts war zuletzt bei Telegram scharf angegangen worden. Klaus Rees (63), Ratsmitglied der Bielefelder Grünen, wurden von einem Unbekannten mit NS-Kriegsverbrecher Heinrich Himmler verglichen. Die Person, die auch der Impfgegner-Gruppe "Bielefeld steht auf!" angehören soll, blieb anonym. Der Absender des Vergleichs verberge auf dem Messengerdienst seine Identität, so Rees.

"Das lässt mich sprachlos zurück, dass man mich mit Himmler vergleicht", sagte der 63-Jährige, der auch Initiator einer Online-Petition ist, die sich gegen die "Spaziergänge" der Corona-Kritiker in Bielefeld richtet. Inzwischen hat er Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt und hofft, dass die verantwortliche Person zur Rechenschaft gezogen werden kann. 

Bielefeld: Zahl der Unterzeichner der Petition wächst rasant

Während die Suche nach dem Unbekannten läuft, wächst der Zuspruch für die Online-Petition des Bielefelder Bündnisses gegen Rechts gegen die "Corona-Spaziergänge", an denen neben Impfgegnern und Corona-Leugnern auch immer mehr rechte Gruppierungen teilnehmen. Am Neujahrstag wurde die Petition ins Leben gerufen und am Dienstag (4. Januar) sind bereits über 7000 Unterschriften zusammengekommen. 

Bielefeld: Im Minutentakt steigt der Zuspruch für die Online-Petition. Foto: Bielefelder Bündnis gegen Rechts (Screenshot)

Unter dem Motto "BielefelderInnen für ein solidarisches Miteinander in der Pandemie" richtet sich die Petition an alle Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt, die hiesigen Landes- und Bundespolitiker und an die NRW-Landesregierung. "Mit Sorge beobachten wir die zunehmenden Versammlungen und Spaziergänge, die dicht gedrängt und ohne Masken abgehalten werden. Die Organisatoren der Corona-Proteste nutzen die Pandemie und die damit verbundene Verunsicherung und Frustration, um Unruhe zu stiften, ihre demokratiegefährdenden Ansichten zu verbreiten und die Gesellschaft zu spalten. Impfgegner und Corona-Leugner befinden sich hier offen im Schulterschluss mit der rechtsextremen Szene", erklärten die Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts ihr Vorgehen. 

Impfquote in Bielefeld liegt bei etwa 85 Prozent

In der Online-Petition heißt es weiter: "Wir möchten, dass in Bielefeld wieder die vernünftigen, solidarischen und sachlichen Stimmen Gehör finden. Denn wir repräsentieren die übergroße Mehrheit in unserer Stadt! Die Freiheit der Einzelnen endet dort, wo sie die Freiheit der anderen begrenzt. Jene, die jetzt in vielen Orten und auch in Bielefeld auf die Straße gehen, verwechseln Freiheit mit Egoismus. Freiheit und Solidarität gehören für uns aber zusammen. Denn Freiheit muss alle Menschen im Blick behalten."

Nach Auffassung von Klaus Rees würde sich eine klare Mehrheit der Menschen in Bielefeld vernünftig, solidarisch und empathisch verhalten. Der Grünen-Politiker wies in diesem Zusammenhang auch auf die aktuellen Zahlen hin. Etwa 280.000 Einwohner der kreisfreien Stadt seien bereits geimpft. Damit läge die Impfquote inzwischen bei rund 85 Prozent. Auch die Zahl der Auffrischungsimpfungen nehme täglich zu. Mehr als 60 Prozent seien bereits geboostert. 

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