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Fest im Sattel

Fahrradstadt Bielefeld?!

Wie? Bielefeld soll Fahrradstadt sein? Ganz recht. Klar, heutzutage kann man die Stadt am Teutoburger Wald nicht unbedingt als fahrradfreundlich bezeichnen (das soll sich bald ändern). Stadt und Drahtesel haben jedoch eine große gemeinsame Geschichte, die mittlerweile schon über 120 Jahre andauert. Und auch heute noch gibt es hier glühende Fans der Zweiräder.

Von Sven Haverkamp

In Bielefeld war das Fahrrad lange Zeit so beliebt wie der Pudding. Foto: pixabay.com

Bielefeld – Wenn man das Wort „Fahrradstadt“ liest, denkt man zunächst an diese eine bestimmte, leezenverliebte Domstadt mit Promenade und Prinzipalmarkt. Was jedoch die Wenigsten wissen: Bielefeld spielt eine große Rolle in der Geschichte der Zweiradindustrie und des Radsports.

Die Anfänge

1882 gründete eine kleine Gruppe Radsportbegeisterter den Bielefelder Velociped Club. Die Szene wuchs und bereits 1885 wurde die erste Radrennbahn eröffnet. Dies veranlasste den Maschinenfabrikanten Nikolaus Dürkopp dazu, im selben Jahr mit der Herstellung von Fahrrädern zu beginnen.

Die Kapazitäten dafür waren in Bielefeld zur Genüge vorhanden. Viele Produktionsstätten für Nähmaschinen und andere technische Gerätschaften waren bereits am Standort ansässig.

Zeitgleich erschien die erste Ausgabe der Fachzeitschrift "RadMarkt" – diese gibt es heute noch, was sie zur ältesten Zweirad-Fachzeitschrift Europas macht.

Die Blütezeit

Im Zuge des Radsport-Hypes entschieden sich weitere Hersteller von Nähmaschinen dazu, ebenfalls in die Produktion von Fahrrädern einzusteigen. Zusätzlich etablierten sich neue, reine Fahrradmarken.

Auf der Radrennbahn sah man zu der Zeit Räder von Miele, Dürkopp, Anker, Planet, Adler, Göricke’s Westfalen-Rad oder Concordia. Durch die erzielten Siege festigte sich ein landesweiter guter Ruf von Rädern aus Bielefeld.

In den 1920er und 30er Jahren wurde das Fahrrad zum günstigen Massenfortbewegungsmittel. Jeder fuhr Fahrrad. Jährlich wurden in Deutschland knapp drei Millionen Räder produziert. Jedes fünfte davon in Bielefeld.

Auch beim Zubehör, war Bielefeld Spitzenreiter. In den 1930er Jahren stammten 80 bis 90 Prozent der weltweit verkauften Sättel aus der Lederindustrie im Schatten der Sparrenburg.

Der Radsport

Im Jahre 1953 wollte Bielefeld seinem Ruf als Radsport-Mekka die Krone aufsetzen. Eine neue Radrennbahn für Bielefeld musste her.

Der Münsteraner (!) Architekt und ehemalige Radrennfahrer Clemens Schürmann bescherte der Stadt an der Heeper Straße ein bautechnisches Meisterwerk. Die Bahn ist 333,33 Meter lang und besteht aus fugenlos gegossenem Spannbeton.

Die besonders hohen Steilkurven machen sie bis heute zu einer der schnellsten Bahnen Europas.

Der Niedergang

Das Problem war nicht die Bahn an sich, sondern das sinkende Interesse der Bevölkerung am Radsport. Nicht nur die Radindustrie ging rapide zurück – man fuhr mittlerweile lieber mit dem Auto – auch die Rennen wurden kaum noch besucht.

Die sinkenden Zuschauerzahlen führten dazu, dass die enormen Baukosten von insgesamt 600.000 Mark nicht wieder hereingeholt werden konnten. Die Bahn hat also in ihrer über 60-jährigen Geschichte nie schwarze Zahlen geschrieben.

Die Rettung

Obwohl die Radrennbahn von Anfang an unter keinem guten Stern stand, hielten ihr lokale Radsportvereine wie der RC Zugvogel e.V. durchgehend die Treue.

Mit Hilfe von Spenden und Sponsoren wird der Rundkurs bis heute aktiv genutzt. Zusätzlich steht die Radrennbahn Bielefeld seit 2012 unter Denkmalschutz, was ihren Erhalt zusätzlich absichert.

Die Gründe für den Beschluss in der Denkmaleintragung lauten:

- Die Bahn steht als Symbol für die Zeit, als Bielefeld die Fahrradhochburg in Deutschland war

- Die Bahn gilt wegen ihrer fugenlosen Spannbetontechnik als technische Besonderheit

- Die Bahn ist das Meisterwerk der Architekten Clemens und Herbert Schürmann aus Münster

Wir lernen also: Auch, wenn es heute still geworden ist um die Bielefelder Fahrradindustrie, sie war einmal die größte ihrer Zeit. Und was den Radsport betrifft, er lockt zwar nicht mehr die ganze Stadt zur Bahn, aber es gibt ihn noch! Die Szene ist aktiv und der Nachwuchs steht bereit:

Für alle, die nun auf den Geschmack gekommen sind:

Die aktuelle Sommerbahn-Meisterschaft ist gerade gestartet. Alle Infos gibt es HIER.

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