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Tagesthemen

Corona-Ausblick: Wann sind Feiern wieder möglich? Christian Drosten wagt Prognose

Virologe Christian Drosten sprach in den ARD-„Tagesthemen“ über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Er gab dabei eine Prognose für Ostern und den Sommer 2022 ab und warnte vor frühzeitigen Lockerungen.

Von Dario Teschner

Berlin – Der Lockdown in Deutschland scheint endlich seine erhoffte Wirkung zu erzielen. Die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren ist rückläufig. Am Freitag (29. Januar) meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 14.022 Neuinfektionen. Allerdings ist die Zahl der Toten, die an, beziehungsweise mit, dem Virus SARS-CoV-2 verstorben sind mit 839 nach wie vor hoch. In Nordrhein-Westfalen weist Münster seit über einer Woche einen Inzidenzwert unter 50 auf und auch in anderen Städten ist ein positiver Trend erkennbar.

Virologen warnen aktuell dennoch vor zu schnellen Lockerungen. Christian Drosten (48) befürchtet, dass die Corona-Mutationen für Turbulenzen nach Ostern sorgen könnten. Besonders die Virus-Variante B.1.1.7, die derzeit in Großbritannien grassiert, könnte Probleme bereiten. In der Ausgabe der ARD-“Tagesthemen“ vom 26. Januar wagte er eine Prognose, die bis zum Sommer 2022 reicht.

Virologe: Christian Heinrich Maria Drosten
Geboren: 12. Juni 1972 (Alter 48 Jahre), Lingen (Ems)
Arbeitgeber: Charité – Universitätsmedizin Berlin
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000)
Auszeichnungen: Deutscher Radiopreis - Sonderpreis des Beirats

Christian Drosten äußert sich zu Corona-Reisebeschränkungen in Deutschland

Nicht nur Virologen fürchten die Gefahr der Corona-Mutation. Medienberichten zufolge denkt die Bundesregierung in Deutschland derzeit über eine Einschränkung des Reiseverkehrs nach. „Dazu gehören deutlich schärfere Grenzkontrollen, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten“, betonte Innenminister Horst Seehofer (CSU) gegenüber Bild. So wolle man erreichen, das sich die unterschiedlichen Varianten des Coronavirus nicht so schnell ausbreiten.

Nach Angaben von Christian Drosten sei eine solche Maßnahme durchaus hilfreich. „Wenn wir sehr viel Infektionstätigkeit im Land haben, dann macht das Bisschen, was von außen kommt, nichts mehr aus. Aber wenn wir schon ein großes Stück des Weges gegangen sind, dann müssen wir auch darauf achten, was von außen kommt“, erklärte der Virologe der Berliner Charité in den ARD-„Tagesthemen“. Er betonte jedoch auch, dass die rein wissenschaftliche Sichtweise deutlich einfacher sei, als die politische. Im Marienhospital in Steinfurt haben sich möglicherweise drei Patienten mit einer Corona-Mutation infiziert und das Krankenhaus steht seitdem unter besonderer Beobachtung.

Corona-Lockdown in Deutschland: Christian Drosten warnt in der ARD vor zu schnellen Lockerungen

Im Hinblick auf die Ausbreitung der Corona-Mutationen warnte Christian Drosten auch vor zu schnellen Lockerungen bei den Corona-Regeln. Dazu zählt auch die Sperrstunde und das Alkoholverbot in NRW. Die aktuell von der Bundesregierung in Deutschland ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie bezeichnete er als sehr hilfreich und wirksam, da sich auch gegen die neuen Virus-Varianten wirken würden.

Weniger begeistert äußerte sich der Virologe zum Thema Coronavirus-Impfung, an der es zuletzt starke Kritik gab. Laut Christian Drosten sei zwar irgendwann der Zeitpunkt erreicht, an dem genügend Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft seien, um ein exponentielles Wachstum auszuschließen, dennoch stellte er in den ARD-Tagesthemen folgende Frage zur Diskussion: „Wie lange dauert das?“ In naher Zukunft scheint der 48-Jährige nicht damit zu rechnen.

+++ Derzeit sorgt eine Studie für Aufsehen: Ein Wissenschaftler der Uni Hamburg sieht den Ursprung des Coronavirus in einer Labor-Panne in Wuhan. Doch an den Ergebnissen gab es nun massive Kritik. +++

Coronavirus-Ausblick: Wann sind Feiern möglich? Christian Drosten nennt Zeitraum

Im ARD-Interview mit „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga gab Christian Drosten eine Einschätzung zu dem weiteren Coronavirus-Infektionsgeschehen in Deutschland ab. „Wenn wir uns mal die Zeit nach Ostern vorstellen – da werden wir wahrscheinlich noch nicht genügend Menschen geimpft haben“, so der Virologe. Würde man nun auf einmal alle Corona-Maßnahmen über Bord werfen, könne es seiner Auffassung nach erneut zu einer raschen Ausbreitung des Virus kommen. Vor dem Corona-Impfgipfel dämpfte auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die hohen Erwartungen der Menschen und gab einen ersten Ausblick auf das Treffen mit der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten der Länder, das am Montag (1. Februar) stattfinden soll. Der Impfgipfel ist für den 1. Februar angesetzt.

Zu guter Letzt gab Christian Drosten noch eine Prognose zum Sommer 2022 ab, nachdem er von „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga gefragt wurde, wie er sich seinen 50. Geburtstag vorstelle. „Im Sommer in eineinhalb Jahren, denke ich, dass man wieder ganz normal feiern kann“, gab sich der Virologe zuversichtlich. Dennoch könne man die Pandemie in Deutschland nicht einfach für beendet erklären. Stattdessen sei es wichtig die Maßnahmen in der Zukunft schrittweise zurücknehmen. „Dieses Virus ist nicht harmlos“, mahnte Drosten.

Christian Drosten gibt Corona-Ausblick: Was bedeutet seine Prognose für die Stadt Münster?

In NRW gibt es aktuell nur zwei Orte, in denen die Inzidenz unter 50 erreicht werden konnte. Neben dem Kreis Coesfeld (44,4) steht die Stadt Münster im Augenblick am besten da. In der Domstadt gibt es am Freitag (29. Februar) „nur“ zwölf Corona-Neuinfektionen. Die Zahl der positiven Fälle liegt aktuell bei 421 und die 7-Tage-Inzidenz ist bereits auf 31,7 gesunken.

Trotz des niedrigen Inzidenzwert in Münster plant Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) erst mal keine Lockerungen und damit schließt er sich der Meinung des Virologen Christian Drosten an. „Die größten Risiken, die wir haben, sind Leichtsinn und das mutierte Virus“, sagte der CDU-Politiker kürzlich in einem Interview mit Antenne Münster. Damit ist klar, auch in der Domstadt wird es vorest keine Lockerungen geben, auch wenn es das aktuelle Infektionsgeschehen rein formal ermöglichen würde.

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