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Klima-Kolumne (8)

E-Scooter, eine Katastrophe auf zwei Rädern: Schluss mit den billigen Tricks!

Auf dem E-Scooter zum CO2-Ziel rollen? Schön wär's! Doch in Wirklichkeit gibt es nur einen Grund, warum die angebliche Alternative zum Verkehr genutzt wird: Bequemlichkeit. Denn für die Umwelt sind die Roller eine Katastrophe.

Von Lisa Fraszewski

Hatten wir wirklich geglaubt, dass der E-Scooter die Verkehrswende bringt? Foto: picture alliance/Christoph Soeder/dpa

Dem Stau entkommen und CO2 reduzieren? Mit solchen Werbeversprechen locken die Anbieter von E-Scootern, die seit ihrer Zulassung die freien Flächen und Fußwege in deutschen Innenstädte zustellen. Was zunächst nach einem Traum für Pendler und Ökoherzen klingt, der den tiefen Graben zwischen marktgesteuerten Managern und schulschwänzenden Freitagsaktivisten überbrücken kann, ist nicht mehr als das: eine Wunschvorstellung.

Denn die elektrischen Tretroller haben einen Haken: Sie beheben nicht das Problem, deren Lösung sie zumindest aus Werbezwecken sein wollen – sie verschlimmern es. Zwar präsentieren sich die modernen E-Scooter als eierlegende Wollmilchsau im Kampf gegen den Klimawandel: Sie entspannen den Verkehr, weil Autofahrer ihre Karre nun stehen lassen können. Damit schonen sie natürlich auch die Umwelt, weil sie kein CO2 ausstoßen. Doch das Problem ist: Es stimmt beides nicht.

E-Scooter gegen den Klimawandel? Nur wenn Fußgänger CO2 verbrauchen

Weil die E-Scooter in Deutschland erst vor drei Monaten – am 15. Juni – zugelassen wurden, gibt es kaum Zahlen und Statistiken zu diesem Thema. Eine Studie aus Paris zeigt aber, dass die elektrischen Roller zu "einer weiteren Maschinisierung und Individualisierung des Großstadtverkehrs führen", wie es die taz formuliert. Denn in einer Umfrage haben nur acht Prozent der 4382 Befragten angegeben, dass sie ansonsten mit dem Auto fahren. Alle anderen Nutzer wären zu Fuß gegangen oder hätten den ÖPNV genutzt.

Auch das deutsche Unternehmen "civity" kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: "Die von uns ermittelten Distanzen stehen in direkter Konkurrenz zum Fahrrad sowie dem Fußverkehr und finden zugleich primär in durch den ÖPNV gut erschlossenen Innenstädten statt", heißt es in ihrer Datenauswertung.

Sie haben auch herausgefunden, dass die Nutzung von E-Scootern ihren Höhepunkt am Wochenende hat. Denn scheinbar krallen sich die Deutschen nicht nur krampfhaft am Individualverkehr, der im Kampf gegen den Klimawandel möglichst als erstes abgeschafft werden sollte, fest. Sondern sie brauchen nun wohl auch bei ihrem Sonntagsspaziergang eine elektrischer Unterstützung.

Kampf gegen Klimawandel durch E-Scooter erschwert

Von einer Entlastung des Pendlerverkehrs oder einem Effekt auf den Klimawandel kann also keine Rede sein: Die E-Scooter werden überwiegend von Menschen genutzt, die ohnehin relativ CO2-sparend unterwegs gewesen wären. Diese Bilanz ruinieren sie allerdings, wenn sie auf die elektrischen Roller zugreifen.

Wie aus einer Studie der University of North Carolina (USA) hervorgeht, ist die Umweltbilanz der modernen Transportmittel eine Katastrophe – besonders im Vergleich zu den Alternativen, die im Kampf gegen Klimawandel wesentlich effektiver wären.

VerkehrsmittelC02 pro KM
Fahrrad5 Gramm
Pedelec25 Gramm
Diesel-Bus51 Gramm
E-Scooter126 Gramm 
Mittelklassewagen257 Gramm 

In ihren Untersuchungen haben die Wissenschaftler alle Emissionen des Produktions- und Betriebsprozesses eingerechnet: vom Abbau der Rohstoffe über die Herstellung und den Transport bis zur Wartung und der erwarteten Lebensdauer. Denn nur weil die E-Scooter keinen Auspuff haben und die Nutzer keine schwarzen Abgase sehen können, sind die Tretroller weder "emissionsfrei" und "ökofreundlich".

Die modernen E-Scooter müssen nämlich nicht nur mit wertvollen Rohstoffen im Ausland hergestellt, sondern auch täglich von den Betreibern eingesammelt und anschließend mit Strom aufgeladen werden. Noch dazu wird die erwartete Lebensdauer von nur zwei Jahren in den seltensten Fällen erreicht, oft wegen Vandalismus. Eine Studie in den USA kam zu dem Schluss, dass die neuen Verkehrsmittel durchschnittlich nur rund 29 Tage überleben.

Fazit: Kleine Tricks helfen nicht gegen den Klimawandel

Diese Erkenntnis bringt eine herbe Enttäuschung mit sich: Der Klimawandel lässt sich nicht mit kleinen Tricks bekämpfen. Überraschung – damit war nicht zu rechnen. Das mag so manchen Deutschen noch schockieren, doch so langsam sickert die Erkenntnis durch: Die Folgen von mehr als 200 Jahren Industrialisierung lassen sich nicht durch den Abklatsch eines Hover-Boards wettmachen. Schade auch. Das heißt, wir müssen jetzt alle mit anpacken und endlich den Verstand einschalten – sonst wird das mit dieser Erde nichts mehr.

Lisa Fraszewski

Alle Artikel der "Klima-Kolumne" finden Sie in dieser Übersicht. Das Format wurde erst vor Kurzem ins Leben gerufen, weil die Autorin sich nicht weiter mit dem Klimawandel abfinden wollte. Zuletzt hat sie sich mit dem Blick auf die Zukunft beschäftigt, die durch den Klimawandel zur Katastrophe wird – wenn die Menschheit nicht bald handelt.

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