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Zum Besten in NRW gekürt

Freibad Hiltrup erhält Ehrung vom WDR – aber Kritik in den sozialen Netzwerken

Das Magazin "Markt" hat fünf Freibäder in NRW unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Das Freibad in Hiltrup landete auf Platz eins. In den sozialen Netzwerken kam jedoch deutliche Kritik an der Hygiene in der Badeanstalt auf.

Von Lea Sarah Wolfram

Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser

Münster – Der Sommer hat Deutschland erobert, passend zu den Ferien in Nordrhein-Westfalen gibt es Hitzerekorde und Spitzentemperaturen von 37 Grad. Es ist das perfekte Wetter, um sich im kühlen Nass ein wenig zu erfrischen.

Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin "Markt" des WDR hat sich fünf zufällig ausgewählte Badeanstalten in NRW genauer angesehen und sich gefragt: Welches ist das beste Freibad? Der Sieger: Die Anstalt in Hiltrup.

Besucheransturm nach Kür zum besten Freibad

Nach dem positiven Bericht des WDR wollten sich wohl viele Münsterländer ein eigenes Bild vom "besten Freibad in NRW" machen. In den vergangenen Tagen war die Badeanstalt in Hiltrup nämlich an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Man kann vom einem regelrechten Besucheransturm sprechen – sogar ein Einlassstopp wurde zeitweise verhängt.

Selbsttest: Münsteranerin mehr als enttäuscht

Kurz nach der Ehrung als bestes Freibad stattete auch eine Münsteranerin der Badeanstalt am vergangenen Freitag (27. Juli) einen Besuch ab – das erste Mal nach 18 Jahren. Doch sie war alles andere als begeistert. Ihre Eindrücke schilderte sie bei Facebook. Zunächst sei es brechend voll gewesen: "Menschensuppe, kaum Wasser zu sehen vor lauter Köpfen. Kein Wunder bei der Hitze. Im Nichtschwimmerbecken dasselbe Bild."

Sie äußert sich auch über die Hygiene im und vor dem Imbissstand. So sei der Platz "vor der Imbissbude eine Rutschbahn aus zermatschten Fritten" gewesen. Und den Pommeskauf beschreibt die Münsteranerin so: "Der Verkäufer reibt sich mit der Hand den Schweiß von der Stirn, um unmittelbar danach mit derselben Hand einmal quer über die gefüllte Pommesschale zu fassen." Inzwischen durfte das Freibad Stapelskotten in Münster trotz des Coronavirus wieder öffnen.

Ekel-Attacke: Kind kotzt ins Planschbecken

Als sie dann im Kinderbecken war, hätte ein Kleinkind beim Planschen ins Becken gebrochen. Der Vater habe sich nicht gekümmert oder jemandem Bescheid gesagt, deshalb habe sie sich an den Bademeister gewandt.

Spaß im Planschbecken: In Hiltrup wurde der Übereifer eines Kindes zum Anstoß der Badegäste. Foto: dpa

Doch mit dessen Reaktionen hatte sie nicht gerechnet: "Da müsste ich jetzt eigentlich alle Badegäste aus dem Wasser holen. Aber Sie sehen ja, wie viele das sind! Das verflüchtigt sich im Wasser, ich stelle von hier oben einfach die Chlorzufuhr etwas höher", habe der Mitarbeiter zu ihr gesagt. Damit war der Badespaß dann endgültig vorbei für die Münsteranerin: "Ich war das letzte Mal im Freibad Hiltrup."

Die Stadt Münster nimmt zu der Kritik Stellung

Die Redaktion von msl24.de fragte aufgrund dieser Kritik bei der Stadt Münster nach: Was sagen die Betreiber der beliebten Badeanstalt zu den Vorwürfen?

Dass es an diesem Freitag so voll gewesen sei, ist für Sigrid Howest vom Presseamt der Stadt Münster bei diesen Temperaturen und nach der guten Kritik durch den WDR keine große Überraschung: "In einem Sommer wie diesem kann es auch in einem großen Freibad wie Hiltrup schon einmal eng werden, besonders nach der guten Presse die dieses Freibad der Stadt Münster bekommen hat."

Den Betreiber des Kiosk wolle man außerdem auf die Hygieneregeln hinweisen. Doch angesichts des außergewöhnlich heißen Wetters und der vielen Besucher wird um Nachsicht gebeten: "In einem so gut gefüllten Bad, es war am vergangenen Freitag an seine Kapazitätsgrenzen gelangt, kann auch der Verkäufer im Imbiss ins Schwitzen kommen wegen der entsprechend zahlreichen Wünsche nach Fritten, Getränken und Eis. So kann es auch einen Moment dauern bis der Boden vor dem Kiosk wieder 'clean' ist", erklärt Sigird Howes.

Das Erbrochene des Kleinkindes sei mit einem Spezialsauger aus dem Wasser entfernt worden. Danach erhöhte der Schwimmmeister die Chlorzufuhr. Das Wasser wurde anschließend vor den badenden Gästen getestet: Die Wasserqualität sei wieder in Ordnung gewesen.

"Es ist auch schade, dass der Schwimmmeister die Besucherin des Freibades Hiltrup nicht so angesprochen hat, wie sie es erwartet hat. Er muss bei Gesprächen mit Besuchern des Bades dennoch die Badegäste im Blick behalten. Hier gilt: Sicherheit geht vor – vor allen anderen Tätigkeiten, die die Schwimmmeister zu erledigen haben. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn der Vater des Kindes selbst aktiv geworden wäre", sagte Sigrig Howest abschließend.

Erstmeldung: "Trotz mangelhafter Hygiene – Freibad Hiltrup zum besten in NRW gekürt"

Die WDR-Sendung hat Freibäder in Essen, Witten, Münster, Paderborn und Köln auf folgende Kriterien hin getestet: Spaß, Sicherheit, Platzangebot, Essen und Sauberkeit. Neben einer "Testfamilie", die alle Bäder besuchte, wurden auch 80 Besucher vor Ort gefragt. In den jeweiligen Kategorien konnten jeweils maximal 240 Punkte erreicht werden. Das Freibad in Hiltrup schnitt dabei hervorragend ab – und erreichte im Vergleich fast immer die höchste Punktzahl.

Größe: 66.600 Quadratmeter Fläche im Freibad HiltrupBesucherzahl: 49.500 Badegäste im Jahr 2017Eintrittspreis: 4 Euro regulär für Erwachsene

Der Spaß-Faktor und Platzangebot im Freibad Hiltrup überzeugen

Das Freibad Hiltrup überzeugt beim Fun-Faktor: Mit seinem Sprungturm, der 80 Meter langen Wasserrutsche, Strömungskanal und Sprudelliegen bietet es jede Menge Unterhaltung. Die münsterische Badeanstalt erreicht 222 Punkte und liegt damit direkt hinter Witten (224 Punkte).

Strandkörbe, Holz-Liegedeck-Pyramide, Palmen und Sonnensegel: Mit seinem Platzangebot landet das Hiltruper Freibad in der gleichnamigen Kategorie mit 230 Punkten ganz vorne. Mit 180 Punkten schneidet das Grugabad in Essen am schlechtesten ab.

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Sauberkeit überzeugt, Keimbelastung ist jedoch hoch

Auch in dieser Kategorie "Sauberkeit" schnitt das Hiltruper Freibad am besten ab: 225 Punkte vergaben die Tester für die Sauberkeit. Doch bei der Analyse der Keimbelastung zeigt sich ein ganz anderes Bild: Hier rutsch Münsters Badeanstalt auf den letzten Platz.

Winfried Reher, Leiter der Bäderabteilung erläutert dazu in einer Pressemitteilung: "Auch wenn im Freibad mehrfach am Tag gereinigt und desinfiziert wird, besteht bei hohen Besucherzahlen die Möglichkeit erhöhter Keim- und Bakterienbelastung. So kann kurz vor der nächsten Reinigung die Belastung erhöht sein".

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Die Mitarbeiter in Münsters Schwimmbädern arbeiteten intensiv daran, besonders die Umkleide- und Sanitärbereiche sauber zu halten. Doch Wingfried Reher nimmt auch die Badegäste in die Pflicht: "Aber auch die Besucher eines Bades können dabei helfen, eine übermäßige Keimbildung zu begrenzen: Wenn sich die Besucher an die gesellschaftlich üblichen Regeln halten – besonders im Sanitärbereich – ist schon viel geholfen."

Leckeres Essen im Hiltruper Freibad

"Knusprig" sind die Pommes im Freibad Hiltrup – so die Bewertung der Testfamilie. Und auch die anderen Befragten sind überzeugt von den Fritten: Mit 173 Punkten teilt sich Münster den ersten Platz mit dem Freibad Annen in Witten.

Das beste in ganz NRW – so reagieren die Betreiber des Freibads Hiltrup

Auch die Betreiber und Angestellten im Freibad Hiltrup freuen sich über die Ehrung: "In diesem heißen Sommer haben wir nun nicht mehr nur Besucherrekorde zu verzeichnen. Offensichtlich hat das Bäderkonzept der Stadt Münster ins Schwarze getroffen", freut sich der Leiter des städtischen Sportamtes Michael Willnath. "Die Mitarbeiter im ’Strandbad Hiltrup‘ nehmen den ersten Platz als klare Bestätigung für ihre Arbeit."

Insgesamt konnten 960 Punkte erreicht werden. Das Ranking-Ergebnis: Hiltrup landet mit 850 Punkten auf Platz 1, danach folgen Witten (mit 803 Punkten auf Platz 2), Köln (mit 705 Punkten auf Platz 3), Paderborn (mit 698 Punkten auf Platz 4) und Essen (mit 664 Punkten auf Platz 5).

Wo? Zum Hiltruper See 171. Wann? Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 7 bis 20 Uhr / Dienstag, 12 bis 20 Uhr / Samstag, Sonntag und an Feiertagen, 9 bis 20 Uhr. Homepage: Freibad Hiltrup.

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