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  5. Demo gegen die AfD und die Lesung von Karlheinz Weißmann vor der Stadtbücherei in Münster am 25. April 2018

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500 Menschen protestieren gegen rechte Lesung

"Ganz Münster hasst die AfD!"– Demo mit klaren Ansagen

Wenn die AfD Münster Aktionen ankündigt, folgen die Reaktionen der Domstädter auf dem Fuße. Auch am 25. April machten sie wieder deutlich: Fremdenfeindlichkeit hat hier keinen Platz.

Von Lisa Fraszewski

AfD-Gegendemo am 25. April vor der Stadtbücherei Münster Foto: Lisa Fraszewski

Münster – Wenn man es einfach ausdrücken will, ist an diesem Abend Folgendes passiert: Ein Mann will in der Stadtbücherei aus seinem Buch vorlesen. Rund 90 Zuhörer haben sich zu dem Event angemeldet – mehrere Hundert hingegen zum Protest. Was war da los?

AfD läd Vertreter der Neuen Rechten ein

Bei dem Mann handelt es sich um den Historiker und Buchautoren Karlheinz Weißmann (59). Er ist als Hauptvertreter der Neuen Rechten bekannt. Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte ihn zu einem Vortrag eingeladen. Dabei ging es um Weißmanns aktuelles Buch "Kulturbruch '68: Die linke Revolte und ihre Folgen". Sein Vorwurf: Der deutsche Staat leide noch immer Fam Erbe, an der Rücksichtslosigkeit der 68er-Bewegung.

Weißmann ist Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik (IfS). Diese private Einrichtung, eine "Denkfabrik", diene unter anderem der Vernetzung rechter Gruppierungen, so die Bundeszentrale für politische Bildung.

Münsteraner rufen zur Gegendemo auf

Das konnten viele Münsteraner so nicht akzeptieren. Das münsterische Bündnis "Keinen Meter den Nazis", das kürzlich erst auf die Drohungen in Münster gegen Politiker aufmerksam machte, rief zur Demo auf. Rund 500 AfD-Gegner versammelten sich ab 19 Uhr vor der Stadtbücherei. Und sie kamen bewaffnet: mit Fahnen, Plakaten und Bannern.

Bündnis "Keinen Meter den Nazis" bei AfD-Gegendemo vor der Stadtbücherei Münster Foto: Lisa Fraszewski

Auch der Redner der Antifaschistischen Linken Münster fand klare Worte zu Weißmann und der AfD: "Wir alle müssen uns der AfD und ihren Freunden gemeinsam entgegenstellen. Egal wo und in welcher Couleur sie auftauchen. Rigoros, entschlossen und solidarisch. Wir werden weder schweigen noch zustimmen!", so die letzten Worte seiner Rede. Das Publikum jubelte. Dabei wurde er zuvor wiederholt von Parolen unterbrochen: "Ganz Münster hasst die AfD!" und "Niemand hat ein Recht auf Nazipropaganda!" schallte es bis zum Prinzipalmarkt.

Pfiffe und Buhrufe für Vortragsgäste

Gegen 19.30 Uhr ließ die Polizei die Treppe und den Eingang zur Stadtbücherei dann räumen, damit die Besucher der Lesung ungestört Zutritt hatten. Eine Aufforderung, der die Demonstranten auch ohne großes Murren nachkamen. Stillschweigend ging der Einzug der überwiegend älteren Vortragsgäste aber nicht vonstatten. Diese bekamen die klaren Positionen der Protestler deutlich zu spüren: Pfiffe und Buhrufe begleiteten sie auf ihrem Weg in der Stadtbücherei.

Demonstranten vor der Stadtbücherei Foto: Lisa Fraszewski

Aus der Stadtbücherei gezerrt: Zwischenfall sorgte nach der Demo für Gesprächsstoff

In der Stadtbücherei kam es noch während Demo zu Handgreiflichkeiten: Ein Demonstrant gelang in das Gebäude und weigerte sich angeblich, dieses wieder zu verlassen. AfD-Ratsherr Martin Schiller und andere setzten dann das Hausrecht kurzerhand selbst durch: Sie packten den Mann bei den Armen und schleppten ihn zur Tür heraus.

Laut Bündnis "Keinen Meter den Nazis" habe der besagte Demonstrant gegen Schiller Anzeige erstattet.

"Keine Bühne der AfD"

Mit der sogenannten konservativen Revolution stünden Weißmann und die AfD in der Tradition nationalsozialistischen Denkens, so der Redner der Antifaschistischen Linken. Für die demonstrierenden Münsteraner völlig inakzeptabel. Doch mit den Rechten zu sprechen, bringe nichts und sei sogar der falsche Weg, hieß es weiter: "Maßgabe für einen Umgang mit der AfD kann deshalb nur sein, sich nicht auf einen falschen Dialog mit ihr einzulassen. Ihr keine Räume zu überlassen, sondern ihnen diese konsequent streitig zu machen. Auch, wenn ihr diese offiziell zugestanden werden." Was solle man also tun? Die Antwort ist klar: Der AfD keine Bühne geben.

Hier ein Statement zur Demo von Carsten Peters vom Bündnis "Keinen Meter den Nazis":

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