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ZDF-Talk

Virologin aus Münster bei Markus Lanz: "Wahl zwischen infiziert oder geimpft" 

Hamburg

Bei Markus Lanz ging es einmal mehr um das Coronavirus. Virologin Jana Schroeder aus Münster plädierte unter anderem für ein baldiges Impfangebot für Kinder.

Von Sohrab Dabir

Mit 60.000 Menschen gefüllte Stadien in London – trotz grassierender Delta-Variante? Viele Politiker und Virologen reagieren auf die Szenen auf den Rängen, die sich bei der EM derzeit abspielen, mit Unverständnis. "Die Uefa hat Menschenleben auf dem Gewissen", drückte es SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach drastisch aus. Über dieses Thema wurde am Dienstag (6. Juli) auch bei Markus Lanz im ZDF geredet.

Zu Gast war unter anderem Virologin Jana Schroeder aus Münster, Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital in Rheine. Dass es nach dem Spiel der Schotten im Londoner Wembley-Stadion Corona-Ausbrüche gegeben hatte, sei für die 40-Jährige "nicht besonders überraschend" gewesen. Derzeit sei die Impfquote schlichtweg noch zu gering, um einen Gesellschaftsschutz daraus ableiten zu können.

Jana Schroeder aus Münster bei Markus Lanz (ZDF): Kindern Impfangebot machen

Auf die Frage von Gastgeber Markus Lanz, ob die Pandemie politisch nicht beendet sei, wenn sich alle Menschen impfen lassen könnten, kritisierte die Virologin aus Münster, dass Kinder in dieser Debatte außen vor gelassen würden. "Das irriert mich sehr", gab Jana Schroeder offen zu und fügte an: "Niemand ist sicher, bis nicht alle sicher sind. Ohne Immunität wird es keine Normalität geben". Daher müsse auch bald den Kindern ein Impfangebot gemacht werden. Erst kürzlich hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) bekanntgegeben, dass nach jetzigem Stand eine Impfquote von 85 Prozent bei den 12- bis 59-Jährigen in Deutschland für eine Herdenimmunität notwendig sei. 

Kurz- bis mittelfristig, betonte Jana Schroeder aus Münster bei Markus Lanz weiter, gebe es nur die "Wahl zwischen infiziert oder geimpft". Zudem wunderte sich die Virologin über den "großen Vertrauensvorschuss" in das Coronavirus. Bei vielen Menschen sei offenbar die Angst vor Nebenwirkungen bei der Impfung größer als vor den Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung.

Markus Lanz (ZDF): Virologin aus Münster warnt vor Covid-Spätfolgen

"In der Geschichte der Impfung gibt es keine Nebenwirkung, die später als zwei Monate auftretreten ist. Bei Viren ist das anders – sie haben Langzeitfolgen", stellte die Medizinerin klar. Vor allem "Long Covid", womit die gesundheitlichen Spätfolgen nach einer Corona-Infektion gemeint sind, sei noch eine große Unbekannte. Zudem beträfen sie Erwachsene und Kinder gleichermaßen.

Den Hinweis von Markus Lanz auf derzeit wenige Krankenhausaufenthalte und weniger Covid-Tote ließ Jana Schroeder aus Münster nur halb gelten. Dies liege vor allem an der hohen Impfquote bei älteren Menschen und an der Tatsache, dass es bei Jüngeren "eine gewisse Zeit" dauert. Längere Behandlungen bei jungen Patienten an der künstlichen Lunge (ECMO) seien normal. "Weil sie jung sind, sind sie zäh", so Jana Schroeder. Die Virologin aus Münster war bereits vor einigen Wochen bei Markus Lanz zu Gast und hatte dort vor zu weitreichenden Lockerungen gewarnt.

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