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Über 20 Mal missbraucht

Missbrauchsprozess startet erst nach vier Jahren: Tortur für das Kind endet im Urteil

Münster

Vier Jahre musste eine Mutter warten, bis der Prozess in Münster starten konnte. Ihr Ex-Freund soll ihren Sohn über 20 Mal schwer missbraucht haben. Für das Kind liegen vier quälende Jahre zurück.

Von Sohrab Dabir

Ein 31-Jähriger aus Münster wurde verurteilt, weil er einen Fünfjährigen über 20 Mal missbraucht hatte. (Symbolbild). Foto: dpa

Es war eine lange Tortur für die Familie aus dem Kreis Steinfurt. Vor vier Jahren zeigte eine Mutter den Missbrauch ihres Kindes an. Beschuldigt war der Ex-Partner der Frau. Er soll ihren damals fünfjährigen Sohn mehr als 20 Mal schwer missbraucht haben. Doch bis der Prozess starten konnte, verging viel Zeit.

Ganze vier Jahre mussten die Mutter und ihr Kind warten, bis der Prozess am Landgericht Münster aufgenommen wurde. Nicht nur die Tatsache, dass der Tatverdächtige in dieser Zeit auf freiem Fuß war und nicht in U-Haft saß, wog für die Familie schwer. Das Landgericht hatte der Frau zudem geraten, wie der WDR berichtet, ihren Sohn nicht in Therapie zu schicken, damit dieser unbefangen in den Prozess gehe und die Zeugenaussage nicht belastet werde. Für das Opfer sollte sich dies als verheerend auswirken.

Prozess in Münster: Kind in schlechtem Zustand – Angeklagter gibt Taten nicht zu

Dem Jungen gehe es mittlerweile sehr schlecht, sagte die Mutter vor dem Prozessbeginn vor wenigen Tagen. Auch das lange Warten auf den Prozess habe an den Kräften und Nerven gezerrt. Da der verdächtige Münsteraner nicht in Untersuchungshaft gesessen hatte, wurden andere Prozesse vorgezogen. Die Jugendschutzkammer sei zur damaligen Zeit mit einer Vielzahl derartiger Fälle befasst gewesen, begründete Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus die lange Verzögerung. Nun, nachdem die Mutter die schlimmen Ereignisse halbwegs verdrängen konnte, kam zum Prozessauftakt vier Jahre später alles wieder hoch, wie sie dem WDR berichtete.

Als sei der Missbrauch durch den Beschuldigten, die ausbleibende Therapie sowie das lange Warten auf den Prozess nicht schon genug für das Kind gewesen, musste es vor dem Landgericht Münster auch noch als Zeuge aussagen. Denn der Angeklagte hatte die Taten abgestritten und das Gericht somit gezwungen, den Jungen aussagen zu lassen. Überführt werden konnte der Münsteraner damals, nachdem US-Behörden einen Verdacht beim Bundeskriminalamt gemeldet hatten. Daraufhin wurden bei dem 31-Jährigen mehrere kinderpornografische Bilder gefunden. Wie sich anschließend herausstellte, hatte er wohl auch den Sohn seiner Ex-Partnerin schwer missbraucht.

Missbrauch am fünfjährigen Kind: Münsteraner zu Freiheitsstrafe verurteilt

Wie die WN berichten, hatte sich das Opfer vor der Anklage vor vier Jahren schon einmal seiner Mutter anvertraut. Aus Angst habe er es später als Lüge darstellen lassen. Nachdem bei ihrem Ex-Freund die kinderpornografischen Bilder gefunden wurden, kam der Fall ins Rollen, bis es 2017 zur Anklage kam. Am Donnerstag (10. Juni) wurde der Mann aus Münster schließlich verurteilt. Der 31-Jährige muss für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Aufgrund der langen Wartezeit bis zum Prozess, die er in Freiheit verbracht hatte, gelten drei Monate bereits als vollstreckt.

Ein anderer Fall wurde im Vergleich weitaus schneller vorangetrieben. Ein Wuppertaler soll in den Missbrauchskomplex Münster verstrickt sein und den Ziehsohn von Adrian V. ebenfalls schwer missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen den Mann erhoben.

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