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Kindesmissbrauch

Kommentar zum Missbrauchsurteil: Keine Gerechtigkeit und viele offene Fragen

Münster

Es sind lange Haftstrafen, die der Kinderschänder Adrian V. aus Münster und die drei anderen Männer am Dienstag erhalten haben. Dennoch: Gerechtigkeit gibt es nicht und es bleiben viele Fragen offen.

Von Sohrab Dabir

Adrian V. (Mitte) wird hoffentlich nie wieder seine Zelle verlassen. Foto: dpa/Guido Kirchner

14 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. So lautet das Urteil, das am Dienstag (6. Juli) am Landgericht Münster gegen Adrian V., den Drahtzieher des Kinderschänder-Netzwerks, gesprochen wurde. Es ist weder ein hartes, noch ein gerechtes Urteil. Man kann es als angemessenes Urteil im Rahmen der deutschen Rechtsprechung bezeichnen. Gerechtigkeit kann es in solch einem abscheulichen Fall nicht geben.

Über Monate hinweg hatte der 28-Jährige den Sohn seiner Lebensgefährtin sowie ein anderes Kind eines Mitangeklagten, der am Dienstag ebenfalls verurteilt wurde, betäubt, vergewaltigt und die Taten gefilmt. Im Juni 2020 kamen die scheußlichen Abgründe ans Tageslicht. Dass es überhaupt soweit kommen konnte, war leider auch menschlichem Versagen zu verdanken.

Das Jugendamt in Münster hat versagt

Adrian V. wurde 2016 und 2017 bereits wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften verurteilt. Die verantwortlichen Mitarbeiter des Jugendamtes in Münster sahen, obwohl sie von der Vergangenheit des Mannes wussten, trotzdem keinen Grund dazu, den Jungen aus der Obhut der Familie zu holen. Die Folgen waren verheerend: Von zahlreichen Männern aus ganz Deutschland wurde der heute Elfjährige nach dieser fatalen Einschätzung brutal vergewaltigt. Auch die Mutter des Kindes wusste wohl von den Taten. Die Frage bleibt: Wie konnte das Jugendamt in diesem Fall derart versagen? Ein eigens einbestellter Experte der Stadt Münster hatte den Behörden eine "sorgfältige Arbeit" attestiert. Diese Einschätzung ist nur schwer ernstzunehmen.

Monatelang konnte Adrian V. seine schändlichen Taten in einer Gartenlaube in Kinderhaus ausüben. Hier müssen sich die anderen Kleingartenbesitzer "Am Bergbusch" die Frage stellen lassen: Wie konnten sie nicht sehen, was dort geschehen ist? Dass dort regelmäßig Kinder und fremde Männer ein und ausgehen? Zu häufig wird in solchen Fällen noch weggesehen. Sei es von den Behörden oder von den Mitmenschen.  

Was bleibt nach dem Urteil in Münster?

Zudem bleibt noch eine letzte Frage offen: Was muss mit Menschen passieren, dass sie keine Skrupel haben, Kindern solch ein Leid anzutun? Es ist eine Frage, die natürlich nicht so leicht beantwortet werden kann. Pädophilie gab es schon immer und es wird – so schlimm es ist – immer wieder Menschen wie Adrian V. geben. Politik, Behörden und die Bürger sind gefragt, ihre Sinne zu schärfen, um solches Grauen in Zukunft schon früher zu verhindern.  

Adrian V. wird, so kann man nur hoffen, den Rest seines Lebens hinter Gitter verbringen. Genauso wie die drei anderen Männer, die am Dienstag in Münster verurteilt wurden. Die Gesellschaft und vor allem die Kinder müssen vor solchen Personen geschützt werden. Dem heute elfjährigen Opfer kann man nur wünschen, irgendwann ein halbwegs normales Leben führen zu können. Nur der Glaube daran fällt schwer.

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