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Prozess-Ende

"Kinderseelen sind ermordet worden": Reaktionen zum Urteil gegen Adrian V.

Münster

Das Urteil gegen Adrian V. und drei weitere Kinderschänder ist gefallen. Nach dem letzten Prozesstag in Münster gab es Reaktionen aus der Politik.

Von Sohrab Dabir

Wie schon in den 52 Verhandlungstagen zuvor, versteckte Adrian V. sein Gesicht vor einer Mappe. Der anwesenden Medienschar wollte der am Dienstag (6. Juli) verurteilte Mann nicht zeigen. Wenige Minuten, nachdem er sowie drei weitere Anageklagte und die Mutter des 28-Jährigen aus Münster den Saal 23 betreten hatten, wurde das Urteil gegen sie gesprochen.

14 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung – so lautet die Strafe für den 29-fachen Missbrauch an Kindern, insbesondere dem heute elfjährigen Ziehsohn von Adrian V. Das Urteil im Hauptprozess in Münster hat viele Reaktionen hervorgerufen. Auch aus der Politik. 

Münster: OB Markus Lewe dankt Ermittlern nach Urteilsspruch

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe dankte in einer Stellungnahme zunächst den Behörden, die seit über einem Jahr die Ermittlungen in einem der größten Missbrauchs-Skandale in der Geschichte Deutschlands übernommen haben. Er betonte dabei auch, dass "unsere Stadtgesellschaft zutiefst erschüttert" worden sei durch die Taten, die Adrian V. und andere Männer unter anderem in einer Gartenlaube in Kinderhaus über Monate hinweg verübt hatten.

"Kinderseelen sind ermordet worden. Viel bleibt für uns alle zu tun, um Menschen und besonders Kinder vor sexueller Gewalt zu bewahren und damit ein Übel aus dem menschlichen Zusammenleben wegzusperren“, betonte Markus Lewe weiter. Die am Dienstag gefällten Urteile bedeuten laute Lewe "die juristische Aufarbeitung einer erschreckend brutalen, ekelhaften Verbrechenskette".

Zudem richtete der OB seinen Dank an Polizeibeamte, Gutachter, Richter und Staatsanwälte, die in dem Missbrauchs-Fall involviert waren. In Münster sei bereits ein Runder Tisch gegen sexualisierte Gewalt eröffnet worden, bei dem sich verschiedene Einrichtungen und Organisationen zum Thema Kinderschutz beraten sollen. 

Urteil in Münster: Reul fordert Einsatz von Technologie im Kampf gegen Kindesmissbrauch

Reaktionen gab es auch aus der Landespolitik. Nach dem Urteilsspruch am Vormittag meldete sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ebenfalls zu Wort. "Wer Kinder missbraucht, ist in meinen Augen ein Verbrecher. Und ich bin erleichtert, dass das Gericht das heute auch so gesehen hat", sagte er in Düsseldorf. Das Leid der Opfer sei niemals wieder gutzumachen, betonte der CDU-Poltiker und zeigte sich auch erfreut über die Härte der Strafe. "Es ist eben Schluss damit, dass Missbrauch von Kindern behandelt wird wie Ladendiebstahl."

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch wolle der Innenminister jedoch nicht nachlassen. Viel habe sich in den vergangenen Jahren getan. NRW-Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte vergangenes Jahr härtere Strafen für Kinderschänder wie Adrian V. aus Münster durchgesetzt. Missbrauch sei "kein Nischenthema und bleibt einer unserer polizeilichen Schwerpunkte", so Reul weiter.

Mit Blick auf den Kampf gegen Kindesmissbrauch forderte der Innenminister auch einen stärkeren Einsatz moderner Technologie zur Verfolgung von Menschen wie Adrian V. "Es ist die Frage: Wie gehen wir klug mit Datenschutz um? Wie können wir sicherstellen, dass wir an die Typen wirklich drankommen und zwar schneller, weil da ist ja jede Stunde eine Stunde zu spät." Lesen Sie auch unseren Kommentar zum Urteilsspruch aus Münster.

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