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Großfahndung beendet

Verurteilter Mörder und Lebensgefährtin in Enschede gefasst

Münster

Die Polizei hat den 56-jährigen Ralf H. aus Münster und seine Lebensgefährtin in Enschede festgenommen. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier.

Von Dario Teschner und Sohrab Dabir

Der geflohene Mörder aus Münster konnte in Enschede festgenommen werden (Symbolbild). Foto: David Inderlied/dpa

Update: 24. Dezember, 9.06 Uhr. Ralf H. aus Münster ist in Haft. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitagmorgen (24. Dezember) in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Der gesuchte Mann und seine Lebensgefährtin, die ihm höchstwahrscheinlich bei der Flucht geholfen hat, konnten von den Beamten in einer Wohnung in den Niederlanden verhaftet werden.

"Im Zuge der Ermittlungen verdichteten sich die Hinweise darauf, dass sich der Gesuchte in einer Wohnung in Enschede aufhalten könnte", berichteten die Behörden. "Dieser Verdacht erhärtete sich durch die Auswertung der Standortdaten, die durch die "elektronische Fußfessel" erlangt werden konnten", so die Polizei weiter.

Nur wenige Meter von der ermittelten Anschrift entfernt, wurde schließlich der Wagen der Verlobten des 56-Jährigen entdeckt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (24. Dezember) gegen 0.15 Uhr kam es dann schließlich zu der Festnahme. Die Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mörder von Nicole Denise Schalla wurde zurückgenommen und das Foto von Ralf H. aus dem Artikel entfernt. Die Ermittlungen gegen die Frau dauern an.

Verurteilter Mörder bleibt verschwunden – neue Details zu der Flucht sickern durch

Update: 24. Dezember, 6.44 Uhr. "Wo befindet sich Ralf H.?" Diese Frage können Polizei und Staatsanwaltschaft auch am dritten Tag nach dem Verschwinden des 56-Jährigen noch nicht beantworten. Während die Fahndung nach dem gesuchten Mörder weiterläuft, sickerten immer mehr Details zu den Hintergründen seiner Flucht durch.

Zu seinem Anwalt Udo Vetter aus Düsseldorf soll der Münsteraner schon seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr gehabt haben, berichteten die Westfälischen Nachrichten am Donnerstagabend (23. Dezember). Doch wie war es überhaupt möglich, dass der verurteilte Mörder mit einer Fußfessel, die er bekanntermaßen ablegen konnte, frei herumlaufen durfte?

Diese Frage stellen sich derzeit auch viele Leserinnen und Leser. Der Grund ist folgender: Das Urteil gegen Ralf H. war zunächst nicht rechtskräftig und gemeinsam mit seinem Verteidiger hatte er Revision gegen den Schuldspruch eingelegt. Zwei Jahre saß der 56-Jährige in Untersuchungshaft und wurde dann zunächst auf freien Fuß gesetzt. Ein Vorgang, der hierzulande üblich ist. Das zuständige Oberlandesgericht (OLG) in Hamm schloss Fluchtgefahr aus.

Am 14. Dezember hat der Bundesgerichtshof schließlich dem Anwalt von Ralf H. mitgeteilt, dass die Revision zurückgewiesen wurde. Es wird vermutet, dass diese Information auch den 56-Jährigen und seine Verlobte erreicht hat. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde schließlich am Dienstag (21. Dezember) ein Brief auf den Weg gebracht, in dem der Münsteraner aufgefordert wurde, seine Haftstrafe anzutreten. Doch dazu kam es bekanntlich nicht.

Am Dienstagabend gelang es Ralf H., die Fußfessel zu lösen. Ein Alarm ging bei der Polizei Münster ein, doch die Beamten konnten den 56-Jährigen und seine Verlobte, die ihm mutmaßlich bei seiner Flucht geholfen hat, nicht mehr antreffen. Seit Mittwoch (22. Dezember) liegt ein Vollstreckungshaftbefehl gegen die beiden Gesuchten vor. Sollte der wegen Mordes verurteilte Mann gefasst werden, muss er eine lebenslange Haftstrafe verbüßen.

Update: 23. Dezember, 14.38 Uhr. Wie die Polizei mitteilt, hat eine Richterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft Münster am Donnerstag Haftbefehl gegen die Verlobte von Ralf H. veranlasst. Sie steht im Verdacht, dem Mörder bei seiner Flucht geholfen zu haben. Der 56-Jährige hatte am Dienstag (21. Dezember) seine elektronische Fußfessel gewaltsam entfernt, nachdem das Urteil wegen Mordes rechtskräftig geworden war. Es wird vermutet, dass der Mann gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin auf der Flucht ist.

Flüchtiger Mörder aus Münster wohl im Mercedes unterwegs 

Update: 23. Dezember, 13.55 Uhr. Der verurteilte Mörder Ralf H. aus Münster ist noch immer auf der Flucht. Die Fahndung nach dem Mann, der im Dezember wegen Mordes an einer 16-Jährigen im Jahr 1993 rechtskräftig verurteilt worden war, läuft weiter auf Hochtouren. Bisherige Ermittlungen ergeben, dass der 56-Jährige mit dem Auto seiner Lebensgefährtin unterwegs sein könnte. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen blauen Mercedes-Benz der C-Klasse. Hinweise nimmt die Polizei weiterhin unter der Nummer 0251/27 54 600 entgegen.

Update: 23. Dezember, 11.04 Uhr. Am Donnerstag geht die Suche nach Ralf H. weiter. Nach Angaben der Polizei Münster seien bereits einige Hinweise zu dem Mann eingegangen, die derzeit geprüft werden. Möglicherweise wird der 56-Jährige, der sich von seiner Fußfessel befreien konnte, von seiner Lebensgefährtin begleitet. Es wird verstärkt nach dem Fluchtwagen gesucht, bisher jedoch ohne Erfolg. Die Fahndung nach dem verurteilten Mörder von Denise Schalla (16) aus Dortmund wurde ausgeweitet.

Münster: Großfahndung nach Ralf H.

Erstmeldung: 22. Dezember. Ein verurteilter Mörder ist auf der Flucht: Bei der Suche nach Ralf H. sind die Behörden dringend auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Nach Polizeiangaben hat sich der 56-Jährige am Dienstagabend (21. Dezember) seiner elektronischen Fußfessel entledigt. Der Mann konnte fliehen und befindet sich aktuell an einem unbekannten Ort. 

Im Januar wurde der Gesuchte am Landgericht Dortmund wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil war seit dem 14. Dezember 2021 rechtskräftig, wie Polizei und Staatsanwaltschaft Münster am Mittwochabend (22. Dezember) in einer gemeinsamen Pressemitteilung berichten. Inzwischen wurde gegen den Verurteilten ein Vollstreckungshaftbefehl erlassen und Fahndungsmaßnahmen eingeleitet. Um den gesuchten Mörder schnell zu finden, haben die Ermittler eine Personenbeschreibung sowie ein Fahndungsplakat veröffentlicht. Ralf H. wird von den ermittelnden Beamten wie folgt beschrieben: 

  • Männlich
  • 1,80 Meter groß
  • wiegt etwa 80 Kilogramm
  • schlanke Figur
  • lange braune, schüttere Haare
  • blau-graue Augen

Zeugen, die Angaben zum Aufenthaltsort des Münsteraners machen können, werden gebeten sich umgehend bei der Polizei Münster unter der Rufnummer 0251/275 22 22 zu melden. Hinweise zu Ralf Hörstemeier nimmt auch jede andere Polizeidienststelle entgegen. 

Verurteilter Mörder aus Münster auf der Flucht: Eltern sprechen von "Katastrophe"

Im Herbst 1993 hatte Ralf H. die damals erst 16-jährige Nicole Denise Schalla aus Dortmund umgebracht. Nachdem er sie zunächst vergewaltigt hatte, erwürgte der heute 56-Jährige sein Opfer und legte sie in einem Gebüsch nahe einer Grundschule ab. 25 Jahre lang tappten die Ermittler bezüglich des Mörders im Dunkeln – bis sie schließlich DNA-Spuren an der Leiche identifizieren konnten.

Die Spur führte schließlich zu Ralf H., der in der Vergangenheit bereits wegen anderer Sexualdelikte polizeibekannt gewesen war. Im August 2020 wurde dem Mörder der 16-Jährigen der Prozess gemacht – im Januar dieses Jahres wurde er wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Da das Oberlandesgericht in Hamm die Untersuchungshaft, in der sich der 56-Jährige befunden hatte, als nicht verhältnismäßig ansah, kam er auf freien Fuß – auch nach der Urteilsverkündung.

Ein Umstand, der für die Eltern der ermordeten Nicole Schalla damals schon unverständlich war. Dass der Mörder nun geflüchtet ist, ist für die Anwältin der Eltern keine Überraschung. "Es war klar, dass der Mann sich seiner Haftstrafe nicht stellen würde", sagte Arabella Pooth gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa). Sie hatte während des Prozesses Nicoles Eltern als Nebenkläger vor Gericht vertreten. Für die Hinterbliebenen sei die Flucht eine "Katastrophe" und nicht zu begreifen, betonte sie weiter. Dass Ralf H. nach dem Urteil auf freiem Fuß bleiben durfte, sei ein Fehler gewesen.

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