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Bis 1954 war der Schienenverkehr in der Domstadt noch aktiv

"Opa, erzähl' uns von den Straßenbahnen in Münster!"

Kennen Sie eine deutsche Großstadt, in der keine Straßenbahnen fahren? Richtig. Dieses Unikat ist der Stadt Münster vorbehalten. Dabei gab's bis vor 64 Jahren noch Schienen in der Domstadt. Doch wieso eigentlich nicht mehr?

Von Sohrab Dabir

Die Fahrt der letzten Straßenbahn in Münster am 25. November 1954 war ein echtes Ereignis. Foto: Stadtarchiv Münster

Münster - An der Haltestelle an Münsters Hauptbahnhof stehen die Menschen und warten darauf, abgeholt zu werden. Manche wollen zur Halle Münsterland, andere hingegen in die Innenstadt. Um die Ecke kommt bereits die Straßenbahn, um die Wartenden abzuholen. Moment..Straßenbahn? Richtig, bis noch vor 64 Jahren gab es tatsächlich innerstädtischen Schienenverkehr. Dort, wo heute hauptsächlich Busse, Autos und Fahrradfahrer verkehren.

Die erste Straßenbahn in Münster fuhr im Jahre 1901. Zwischen 1913 und 1930 gab es in der Domstadt vier Linien – die rote (sie fuhr von der Halle Münsterland über den Bahnhof bis zur Grevener Straße), gelbe (von der Warendorfer bis zur Hammer Straße) und blaue (Start: Wolbecker Straße, Enstadion: Nordplatz). Mit der neuen grünen Linie umfasste das Straßenbahn-Netz zwölf Kilometer.

Nostalgiker bekommen jetzt sicher Tränen in den Augen beim Anblick dieser Straßenbahn auf dem Prinzipalmarkt im Jahr 1930.

Nostalgiker bekommen jetzt sicher Tränen in den Augen beim Anblick dieser Straßenbahn auf dem Prinzipalmarkt im Jahr 1930. Foto: Stadtarchiv Münster

Dann kam der Zweite Weltkrieg. Münster lag in Schutt und Asche. Am 12. November 1944 wurde das Elektrizitätswerk der Stadt zerstört. Das bedeutete das vorübergehende Aus für die Straßenbahnen. Nach dem Krieg wurden nur noch zwei Linien reaktiviert. Doch der Bahnverkehr hielt sich nicht lange.

Letzte Fahrt wurde zum Event

An der Warendorfer Straße sorgten Unterhöhlungen dafür, dass die Trams (so wurden sie damals genannt) während der Fahrt absanken. Die Stadt stellte daher den Schienenverkehr ein. Am 25. November 1954 fuhr die letzte Straßenbahn durch Münster. Dieses Ereignis wurde in der Domstadt feierlich begannen und der Wagen festlich geschmückt. Ganz verschwunden sind diese Artefakte aus der Studentenstadt jedoch nicht. Wagen 65 steht seit 2013 im Stadthaus 3 an der Albersloher Straße.

So sah der Verkehrsplan der Straßenbahnen in Münster aus. Foto: Stadtarchiv Münster

Ob es irgendwann wieder ein Revival der Straßenbahnen geben wird? 2017 brachte der damalige NRW-Verkehrsminister Michael Groschek das Thema erneut ins Rollen, an der auch Oberbürgermeister Markus Lewe Gefallen fand. Knapp 100 Millionen Euro würde der Ausbau des Schienennetzes in Münster kosten. Doch Groscheks Idee ist nicht weiter verfolgt worden.

"Es gibt derzeit keine Pläne, ein Straßenbahnsystem einzuführen", bestätigt Dietmar König, Fachstellenleiter für Verkehsplanung der Stadt Münster, auf msl24-Anfrage. 2001 habe es die Überlegung gegeben, eine Art stadttaugliche Regionalbahn in der Domstadt einzuführen, also eine Bahn, die aus dem Umland auch ins Stadtinnere einfahren kann. "Auch das ist nicht weiter verfolgt worden", so König.

Straßenbahnen in Münster? Unwahrscheinlich

Anfang kommenden Jahres soll ein neuer Masterplan für den Verkehr in Münster erstellt werden. Darin soll auch die Frage erörtert werden, ob die Westfalenmetropole für ein Straßenbahnsystem überhaupt geeignet ist. "Das Verhältnis von Nutzen und Kosten muss abgewägt werden. Man muss bedenken, dass Münster keinerlei Infrastruktur für innerstädtischen Schienenverkehr besitzt. Es wäre also also mit einem extremen Aufwand verbunden", gibt König, der sich "sehr skeptisch" zeigt, ob jemals Straßenbahnen durch Münster fahren werden.

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