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Nach der Katastrophe am Aasee

"Unglaubwürdige Augenwischerei": Politik streitet über Schuld am Fischsterben

Die Katastrophe vom Aasee: Die 20 Tonnen tote Fische haben die Menschen in Münster berührt und schockiert. Nun diskutiert die lokale Politik – und schiebt sich dabei teilweise gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

Von Sohrab Dabir

Mit Hochdruck wurde daran gearbeitet, die toten Fische aus dem Gewässer zu kriegen. Foto: Presseamt Münster

Münster – Das Drama am Aasee hat die Münsteraner zutiefst bewegt. 20 Tonnen toter Fisch – dieses Ausmaß lässt kaum jemanden kalt. Die Schuldfrage wird seitdem häufig gestellt. Die Stadtverwaltung betonte jedoch, dass das Sterben nicht hätte verhindert werden können. In 2020 droht eine erneute Hitzeperiode: Wie sich das Wetter auf den Aasee in Münster auswirkt, bleibt abzuwarten.

Noch am Tag vor dem Fischsterben ergaben Messungen des Umweltamtes Sauerstoffwerte von 12 bis 14 Milligramm pro Liter Wasser. Das änderte sich in der Nacht drauf schlagartig, so die Stadt Münster. Auch die lokale Politik hat das Fischsterben auf den Plan gerufen. Vor allem zwischen FDP und Bündnis 90/Die Grüne wird heftig über Ursachen und Lösungen des Problems gestritten.

Fischsterben am Aasee – FDP und Grüne in Münster streiten über Ursachen und Maßnahmen

"Das ökologische Desaster in Münsters Aasee in dieser Woche zeigt leider eindrucksvoll, dass das Wahrzeichen unserer Stadt labiler ist, als man sich vorstellen konnte. Das darf kein zweites Mal passieren", betonte Manuel Lascasas, Vorsitzender der Freien Demokraten Münster. Er forderte, mit der Prämie für den Nachhaltigkeitspreis von 30.000 Euro, den die Stadt Münster erst kürzlich erhielt, den Aasee in Zukunft "enkeltauglich" zu machen. Der Konter folgte schon bald.

"Es ist gut, dass die Liberalen das Ausmaß dieser Katastrophe erkennt. Aber: Ist es glaubwürdig punktuell zu fordern alles dafür zu tun, den Aasee als stabiles Ökosystem zu schützen, gleichzeitig aber immer wieder langfristige ökologische Politik – ob nun in der Kommune, im Land oder auf Bundesebene – zu unterwandern?“, kontert Stephan Orth von den Grünen. Den Glauben, man könne den Aasee mit einem Preisgeld von 30.000 Euro retten, bezeichnet der Vorstandssprecher der Partei als "unglaubwürdige Augenwischerei".

Deren Lösungsansatz: "Wir sollten über eine größere Wassertiefe des Aasees wieder neu nachdenken, aber auch, wie die Einträge aus der Landwirtschaft endlich zurückgefahren werden können. Denn die sind mitverantwortlich dafür, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser zu gering wurde."

Lesen Sie hier alles zum großen Fischsterben am Aasee, das sich 2018 ereignet hatte: Tausende Fische verendeten im Gewässer in Münster. Doch 2019 begann die Stadt mit einer umfassenden Sanierungsstrategie und Experten prüften am Aasee in Münster den aktuellen Fischbestand.

CDU Münster lenkt ein: "Bringt nichts, nach Schuldigen zu suchen"

Der Konter der Liberalen ließ nicht lange auf sich warten: "Im Gegensatz zu den Grünen suchen wir nach konstruktiven Lösungsvorschlägen für ein sehr lokales Problem, das mit globalen Klimazielen kurzfristig kaum in den Griff zu bekommen ist“, so Lascasas. Und weiter: "Sich auf Plattitüden und FDP-Bashing zu konzentrieren, ist nicht zielführend im Sinne einer von den Grünen geforderten konstruktiven Auseinandersetzung.“

Heinz Georg Buddenbäumer, Landwirt und umweltpolitischer Sprecher der CDU in Münster, rief hingegen dazu auf, sich nicht die Schuld gegenseitig in die Schuhe zu schieben. "Es bringt jetzt nichts, nach Schuldigen zu suchen. Das ist nicht zielführend", betonte er gegenüber msl24.de. Die Katastrophe am Aasee in Münster sei eine Verkettung von Witterungslagen gewesen, die für das Gewässer nur schwer zu stemmen gewesen seien. Der Vorschag der FDP, das Geld aus dem Nachhaltigkeitspreis für die Rettung des Aasees zu nutzen, sei für Buddenbäumer "ein kleiner Baustein".

20 Tonnen tote Fische – das traurige Ergebnis der Aasee-Katastrophe. Foto: Presseamt Münster

Nach Fischsterben: CDU lobt Engagement der Münsteraner

Es sei in der Vergangenheit schon immer in den Münsters bekanntestes Gewässer investiert worden. "Mit dem Preisgeld alleine kommen wir nicht aus. Wir müssen nun gemeinsam in Ruhe über Lösungen nachdenken – und nicht im Hauruckverfahren." Er lobte indes die Arbeit des Krisenstabs sowie das Engagement der Bürger in Münster im Rahmen der Aasee-Katastrophe. "Das war eine große Genugtuung", so der CDU-Politiker.

Fakt ist: Eine sinnvolle Lösung, wie solch eine Katastrophe in Zukunft verhindert werden kann, gibt es derzeit nicht – und es wird noch einige Zeit brauchen, bis eine Idee dafür gefunden wird. Fakt ist aber auch: Alle - Politiker wie Bürger - müssen eine Lehre aus dem Fischsterben ziehen. Damit der vom Menschen verursachte Klimawandel nicht noch mehr tonnenweise unschuldiges Leben tötet.

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