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Kommentar

Vainstream Rockfest: Starke Bands und ausbaufähige Orga

Münster

Das erste von zwei Vainstream-Wochenenden ist vorbei. Trotz starker Acts bleiben ein paar Wermutstropfen. Ein Kommentar.

Von Sven Haverkamp

Vainstream Rockfest in Münster. Foto: Sohrab Dabir/hallo24.de

Das war es also, das erste Vainstream-Wochenende in Münster. Lange haben Musikfans gewartet und bei traditionell hohen Temperaturen ging es dann am Samstag (25. Juni) gegen 9 Uhr auch endlich los.

Mit Sum 41 und The Offspring hatten die Organisatoren zum 15-jährigen Jubiläum zwei besonders hochkarätige und massenkompatible Bands verpflichtet – dementsprechend groß war dann auch der Andrang. Knapp 18.000 Menschen kamen an den Hawerkamp gepilgert. Eine Menschenmasse, für die sich das Gelände, auf dem das Vainstream Rockfest seit jeher stattfindet, nicht wirklich eignet.

Vainstream Rockfest 2022: Zu viele Karten verkauft

Vorweg: Dass die Organisation, Planung und Durchführung eines Festivals eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten ist und nie immer alles perfekt ablaufen wird, ist völlig klar. Doch einige Kritikpunkte müssen sich die Veranstalter trotzdem gefallen lassen, zumal diese nicht schwer umzusetzen sind.

Da wäre zunächst einmal die Menge der Besucher. 18.000 Menschen sind zu viel. Abgesehen von langen Schlangen vor nahezu jedem Stand führte die Menge auch dazu, dass das Gelände im vorderen Bereich bei den Auftritten von Bands wie Sum 41 schlichtweg nicht mehr passierbar war. Nicht nur, dass viele fast keine Chance hatten, die Bühne zu sehen, auch sicherheitstechnisch war das nicht unproblematisch.

Zu wenig Wasser und Schatten: Affenhitze auf dem Vainstream

Das Wetter war, gelinde gesagt, gut. Bei etwa 28 Grad und praller Sonne, kann es in einer Menschenmenge schonmal recht heiß werden. Zwar nicht ganz so heiß wie 2019, aber immerhin. An sich kein Problem und auch kein Grund zur Beschwerde, aber in Verbindung mit der Überfüllung doch sehr unangenehm. Zudem gab es mit lediglich zwei Wasserstellen auf dem Gelände zu wenig Möglichkeiten, seine Flaschen aufzufüllen. Ein Sonnensegel wäre zudem sowohl für die Wasserleitungen als auch für die in langen Schlangen wartenden Menschen gut gewesen.

Schattenplätze waren sowieso DAS Problem auf dem Vainstream. Davon gab es viel zu wenige. Jeder noch so kleine Schattenfleck wurde in Beschlag genommen und nicht mehr hergegeben. Zumindest auf der Fressmeile und über den Trinkwasserstellen wären Sonnensegel ein wahrer Segen gewesen. Auch in den sozialen Medien machten Besucher ihrem Ärger bereits Luft:

Instagram

Auch während des laufenden Festivals machten einige User ihrem Ärger Luft. Unter einem Instagram-Post der Veranstalter schrieb ein Besucher lediglich: "WIR BRAUCHEN MEHR PLATZ UND WASSER MAN!"

Vainstream 2022: die ständige Suche nach Schatten. Foto: Sohrab Dabir/hallo24.de

Inklusion auf dem Vainstream nicht zu Ende gedacht

Das Vainstream schreibt sich seit jeher auf die Fahnen, ein Festival für ALLE zu sein ("Wir möchten allen Besuchern ein unbeschwertes Festival bieten."). Deshalb gibt es barrierefreie Toiletten und Zugänge für Menschen im Rollstuhl oder mit anderen Einschränkungen in der Mobilität. Das ist zwar richtig und wichtig, sollte mittlerweile jedoch Standard sein.

Weniger inkludiert wurden aber Menschen, die etwa kein Gluten vertragen, kein Bier trinken können (oder wollen) oder keine zuckerhaltigen Getränke trinken können (oder wollen). Da wurde es mit der Auswahl nämlich ziemlich mau. Auf dem Gelände gab es keine zuckerfreien Getränke außer Wasser. Alternativen zu Bier waren entweder extrem teuer oder gar nicht erst erhältlich. Hier besteht noch ganz viel Luft nach oben, damit auch wirklich alle das Festival unbeschwert genießen können, wie es das erklärte Ziel der Veranstalter ist.

Vainstream 2022: Ausbaufähige Kommunikation

Ob die Kritik die Veranstalter erreicht, bleibt abzuwarten. Die Kommunikation über soziale Medien läuft nämlich sehr schleppend. Besonders sauer stieß vielen Fans auf, dass es noch gar keine Infos zum zweiten Vainstream-Wochenende gibt. Vermutlich werden die Infos dazu bald kommen, nachdem Weekend One vorbei ist, viele Fans sind jedoch berechtigterweise enttäuscht:

Instagram

Auch andere Vorabfragen wie etwa nach glutenfreiem Essen, den Bierpreisen oder ob, bzw. wo man mit EC-Karte bezahlen kann, blieben unbeantwortet. Doch bei all der Kritik gab es auch Positives: So haben die Veranstalter etwa eine extra WhatsApp-Nummer eingerichtet, über die man Dinge wie rassistische Äußerungen, sexuelle Übergriffe oder ähnliches direkt an das Vainstream-Team melden kann.

Das Vainstream Rockfest 2022: Fazit

Zum Abschluss noch ein paar versöhnliche Töne: Auch, wenn die hier beschriebenen Kritikpunkte zu überwiegen scheinen, muss man fair bleiben. Im Großen und Ganzen ist das Vainstream Rockfest in Münster innerhalb kürzester Zeit zu einer Institution in der Festival-Landschaft geworden und besteht mittlerweile nicht umsonst bereits seit 15 Jahren. Den Veranstaltern von Kingstar ist es gelungen, ein Rock-Festival trotz großer Konkurrenz quasi aus dem Nichts zu erschaffen und von Beginn an mit hochkarätigen Acts zu überzeugen.

Auch ist das Team immer bemüht, für einen möglichst reibungslosen Ablauf zu sorgen und sich stetig zu verbessern. Die genannten Kritikpunkte sind jedoch verhältnismäßig leicht umzusetzen und sollten nach 15 Jahren eigentlich keine Probleme mehr darstellen. Der zweite Teil des Vainstream 2022, auf dem sich unter anderem die Broilers die Ehre geben werden, findet am kommenden Samstag (2. Juli) statt.

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