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Spätere RAF-Terroristin sprach sich auf dem Schlossplatz gegen Atomrüstung aus

Vor 60 Jahren: Ulrike Meinhof hat ihren ersten öffentlichen Auftritt – und zwar in Münster

Es war ihr erster öffentlicher Auftritt: Am 20. Mai 1958 hielt Ulrike Meinhof bei einer Kundgebung von Atomwaffengegnern auf dem Schlossplatz eine kurze Rede. Es war der Beginn einer fragwürdigen Karriere.

Von Lisa Fraszewski

Ulrike Meinhof wurde später als RAF-Terroristin bekannt. Foto: dpa

Münster – Schon zum Wintersemester 1957 war Meinhof an die Westfälische Wilhelms-Universität gewechselt. Zuvor hatte sie in Marburg studiert. Seit April 1955 erst Psychologie, Pädagogik und Germanistik. Ab Oktober dann Pädagogik, Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaft.

Im Sommer des kommenden Jahres begann ihre politische Entwicklung. Sie fing an, die Publikationen von Atomwaffen-Gegnern wie Robert Jungk und Karl Bechert zu lesen. Auch die Werke christlicher Pazifisten und antifaschistischer Theologen schmückten ihr Bücherregal.

Prekärer Vergleich mit der Nazi-Zeit

Im April 1957 veröffentlichen die Göttinger Achtzehn einen Appell gegen die angestrebte Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Diese Schrift fand in Marburg aber kaum Anklang. Da Meinhof sich in ihren Ideen immer mehr radikalisierte, verließ sie die Stadt und zog nach Münster.

Hier begann auch ihre journalistische Tätigkeit: Sie schrieb Artikel für zwei christliche Studentenblätter. Darin sprach sie sich gegen Atomwaffen aus und begründete dies mit dem Neuen Testament. Außerdem bildete sie im April 1958 einen „Studentischen Arbeitskreis für ein atomwaffenfreies Deutschland“.

Doch sie wollte noch mehr in das Bewusstsein der Menschen dringen: Mit einem Flugblatt forderte sie die Münsteraner zum Widerstand gegen die Atomrüstung auf – und griff zu einem prekären Vergleich mit der Nazi-Zeit: „Wir wollen uns nicht noch einmal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gott und den Menschen schuldig bekennen müssen.“

Der erste Auftritt

Am 20. Mai 1958 kam ihr bis dahin größter Auftritt: Auf dem Schlossplatz hatten sich Atomwaffengegner zu einer Kundgebung versammelt. Mit Bannern wie "Für ein kernwaffenfreies Deutschland" und "Hiroshima: 14 % Missgeburten" wollten sie auf sich aufmerksam machen. Auch Ulrike Meinhof trug ihren Teil dazu bei: Sie stellte sich ans Rednerpult und sagte auf dem Schlossplatz: "Entweder wir schweigen, wir geben zu, dass wir nicht mehr demokratisch regiert werden, oder aber wir sprechen und treten für das, was an Verantwortung auf uns liegt, ein."

Ulrike Meinhof sprach sich am 20. Mai 1958 auf dem Schlossplatz gegen Atomkraft aus. Foto: YouTube

Danach ging es für sie intensiv weiter: Sie bereitete einen Anti-Atom-Kongress in Westberlin vor, gründete die Studentenzeitschrift "Das Argument" und trat in den SDS Münster ein. Auch wurde sie Mitglied im AStA der Uni Münster, allerdings nur für kurzen Zeitraum: Nach zwei Monaten wurde sie rausgeworfen, da sie einen Artikel über Neofaschismus veröffentlichte – im Namen des ganzen Ausschusses. Kurz darauf trat sie auch aus dem SDS wieder auf, brach ihre akademische Karriere ab und verließ Münster – um sich ganz ihren politischen Ansichten zu widmen.

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