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Aldi: Vom Tante-Emma-Laden zum größten Discounter der Welt

Essen

Einer der größten Discounter der Welt kommt aus Deutschland. Alle Infos zu Geschichte, Filialen, Angeboten und dem Geschäftsmodell von Aldi. 

Von Sven Haverkamp

  • Aldi wurde 1913 als kleiner Laden in Essen gegründet.
  • Die Discounter-Kette zählt mit 11.235 Filialen zu den größten der Welt.
  • Aldi Nord beschäftigt etwa 77.661 Menschen in 4725 Filialen in 9 Ländern,
    Aldi Süd beschäftigt etwa 156.899 Menschen in 6510 Filialen in 11 Ländern.
  • "Aldi" steht für "Albrecht Diskont", benannt nach der Familie Albrecht

Aldi: Die Geschichte des Discount-Riesen

Der Gründer des Aldi-Imperiums, Karl Albrecht (1886 - 1943) gab seinen elernten Beruf des Bäckers aufgrund des sogenannten Bäckerasthmas auf und wurde selbstständiger Brotverkäufer. 1913 eröffnete seine Frau Anna einen Tante-Emma-Laden in Essen-Schonnebeck in der Huesstraße 87. 1919 kaufte die Familie das Haus direkt nebenan, Huesstraße 89.

Hier entstand mit dem "Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht" die erste Aldi-Filiale, die noch bis zum 28. November 2020 bestehen bleiben sollte. Der erste reine Discounter unter dem Namen "Aldi" eröffnete 1962 in Dortmund. In der Huesstraße 89 wurden auch die beiden späteren Erben des Imperiums und lange Zeit reichsten Männer Deutschlands geboren: Theo (1922 - 2010) und Karl (1920 - 2014) Albrecht. Die beiden Brüder sollten den Betrieb 1945 zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters von der Mutter übernehmen und einige Jahre später erstmals in Aldi Nord und Aldi Süd zu unterteilen.

Das Motto der Aldi-Brüder: Lebensmittel für wenig Geld

Nach der Übernahme des Familienunternehmens von ihrer Mutter, begannen Karl und Theo Albrecht das Prinzip für die Läden umzugestalten. Ziel war die Lebensmittelgrundversorgung mit einem kleinen Sortiment zu niedrigen Preisen.

Bereits 1955, zehn Jahre nach der Übernahme der Brüder, hatte die Albrecht KG über 100 Standorte in NRW und die Geschwister wurden bereits damals zu Millionären. Das Stammgeschäft in der Huesstraße 89 in Essen wird im Zuge der Umstrukturierung zum ersten Selbstbedienungsladen.

Die Aufteilung in Aldi Nord und Süd

Die Aufteilung der Albrecht KG in Aldi Nord un Süd erfolgte 1961. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Kette bereits über mehr als 300 Filialen in West-Deutschland und machte einen Jahresumsatz von 90 Millionen Mark.

Die Verwaltung lief bereits getrennt und als sich Anna Albrecht als Gesellschafterin zurückzog, wurden Aldi Nord (Theo) und Aldi Süd (Karl) gegründet. Der Grund ist bis heute nicht eindeutig belegt, Insider vermuten die unterschiedlichen Führungsformen der Brüder.

Aldi auf dem Weg zum Riesen-Discounter

Das Prinzip der kleinen Bedien-Läden, auch Stubenläden genannt, war Anfang der 1960er überholt. Der "Supermarkt" war, auch durch die Konkurrenten REWE und Edeka auf dem Vormarsch. Die Aldi-Brüder wählten also ebenfalls diesen Weg. Einige Filialen sollten als Testobjekte mit einer Verkaufsfläche von 150 bis 200 Quadratmeter dienen. Das Angebot umfasste damals Trockenwaren, Frischwaren wie Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Wurstwaren und Frischfleisch.

Doch der Konkurrenz konnten die Albrecht-Läden in Sachen Größe und Sortiment nicht standhalten. Also entschieden sich die Brüder für einen radikaleren Weg und erfanden dabei den Lebensmittel-Discounter (Aldi = Albrecht-Diskont). Auch das alte, rote "Albrecht"-Logo wurde abgelegt. Das angestrebte Discount-Prinzip stand unter dem eindeutigen Motto vom früheren Aldi-Nord-Geschäftsführer Dieter Brandes:

"Discount ist die Kunst des Weglassens"

Dementsprechend verzichtete Aldi auf alles, was unnötige Kosten verursachte und konnte so günstige Produkte anbieten. Kosten konnte man unter anderem sparen, indem man den Kunden weniger Komfort beim Einkaufen bot, als andere Supermarkt-Ketten: 

  • Kein breites, tiefgestaffeltes Sortiment, nur schnell verkläufliche Grundnahrungsmittel, keine doppelten Produkte von unterschiedlichen Marken.
  • Keine leicht verderblichen Frischwaren, bedeutete keine kostenintensive Warenpflege, keine Bedienung, keine teuren Kühlmöbel, geringer Energieverbrauch.
  • Kein Preisetikett auf jedem Artikel, Waren wurden zu Preisgruppen zusammengefasst, die von den Kassiererinnen auswendig gelernt werden mussten. Später kamen die Produktcodes. 
  • Kein Auspacken der Ware, sie wird direkt aus dem Lieferkarton verkauft. 
  • Das wenige Personal ist für alle Aufgaben geschult.
  • Keine Dekoration
  • Keine Werbung
  • Keine teuren Regale
  • Kein Kreditverkauf (nur Bargeld)
  • Keine Rabattmarken

Die Einsparung all dieser Kosten lohnte sich auch für den Kunden. Aldi schaffte es, trotz hoher Gewinne niedrigste Preise bieten zu können. Nach und nach wurden im Eiltempo alle Albrecht-Filialen zu Aldi-Discountern umgebaut. Der damalige Aldi-Bezirksleiter im westlichen Ruhrgebiet/Niederrhein, Walter Vieth, sagte 2018 über das Aldi-Prinzip: 

Walter Vieth

Kunden begeistert vom Aldi-Prinzip

Das Konzept schlug ein wie eine Bombe. Und es machte sich bezahlt: Pro Mitarbeiter wurde in den Discountern zehnmal so viel Umsatz generiert als noch in den Albrecht-Läden. Die konsequenterweise folgende Expansion heraus aus der Region finanzierte sich durch die Läden selbst. Die Aldi-Brüder benötigten keinen Bankkredit.

In Eichenau wurde eine Aldi-Zentrale gegründet. Hier befindet sich auch das Hauptlager und der Sitz der Familienstiftung der Albrechts. Das Discounter-Prinzip, dass die Brüder erfanden, kann rückblickend als die größte Innovation des Einzelhandels im 20. Jahrhundert betrachtet werden. 

Aldi investiert in die Zukunft

Zwar gilt das Credo "Discount ist die Kunst des Weglassens" noch immer im Hause Aldi. Jedoch kommt auch ein Traditionsunternehmen dieser Größe nicht drumherum, mit der Zeit zu gehen. Dementsprechend wurden einige Zugeständnisse an den Komfort gemacht, um die Kunden zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben. 2016/17 wurden sämtliche Aldi-Filialen umgebaut und modernisiert.

Kay Rüschoff, geschäftsführer Aldi-Marketing, 2017

Supermarktketten wie REWE und Edeka boten mittlerweile ebenso günstige Artikel an wie die Discounter, ergänzten diese jedoch um Markenartikel und Feinkost. Es wurde also Zeit für Aldi, aufzuholen. Nach einer zweijährigen Testphase wurde mit dem größten Investitionsprogramm der Firmengeschichte begonnen: Die Läden wurden neu gestaltet, das Angebot überarbeitet.

Aldi Süd (ab 2016)

  • Bis 2021 werden 1900 Filialen in Deutschland für rund 3,5 Milliarden Euro renoviert.
  • Ende der "Lagerhallenatmosphäre"
  • Neue Regale, keine Holzpaletten mehr
  • Preisschilder nicht mehr über dem Regal sondern direkt am Artikel
  • SB-Backtheke mit Selbstbedienung
  • Kaffeeautomaten
  • Kundentoiletten
  • Maximale Produktpalette von 1200 Artikeln (zum Vergleich: Ein Rewe bietet fast das Zehnfache an)

Aldi Nord (ab 2017)

  • Bis 2019 wurden 2250 Filialen in Deutschland für 5,2 Milliarden Euro renoviert.
  • Renovierung von 2400 Filialen im eurpäischen Ausland.
  • Modernisierung der Verkaufsflächen
  • Kühlwandregale, Hängekühlschränke über den Tiefkühltruhen
  • Farbige Regale und große Schilder zur besseren Orientierung
  • Kaffeeautomat im Eingangsbereich
  • Maximale Produktpalette von 1400 Artikeln
  • 2020 übernahm Aldi Nord 547 Filialen und drei Zentrallager der französischen "Groupe Casino" für 717 Millionen Euro.
Geteilter Discount-Riese: Aldi Nord und Aldi Süd. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Nord und Süd: Wo verläuft der Aldi-Äquator

Der Aldi-Äquator, also die Grenze in Deutschland zwischen Aldi Nord und Süd, verläuft vom Westmünsterland über Mülheim an der Ruhr, Wermelskirchen, Gummersbach (hier gibt es Nord- und Süd-Filialen), Siegen (auch in Siegen gibt es Nord- und Süd-Filialen, weil zum Zeitpunkt der Aufteilung die selbstständige Gemeinde Eiserfeld, in der diese Filiale liegt, Aldi-Süd zugeschlagen wurde), Marburg, nach Osten bis nördlich von Fulda. Die neuen Bundesländer sind (bis auf eine Filiale im thüringischen Sonneberg, die aus Bayern beliefert wird) vollständig Aldi-Nord-Gebiet.

Aldi international: Wo gibt es Filialen des Discounters? 

Aldi ist schon lange nicht mehr nur in Deutschland vertreten. Die Discounter-Kette gibt es mittlerweile in 19 Ländern, wobei Aldi Nord und Süd verschiedene Länder übernehmen: 

  • Polen (Nord)
  • Dänemark (Nord)
  • Niederlande (Nord)
  • Belgien (Nord)
  • Luxemburg (Nord)
  • Frankreich (Nord)
  • Spanien (Nord) 
  • Portugal (Nord)
  • USA (Nord als "Trader Joe's" und Süd)
  • Schweiz (Süd)
  • Österreich (Süd als "Hofer")
  • Italien (Süd)
  • Slowenien (Süd als "Hofer")
  • Ungarn (Süd)
  • UK (Süd)
  • Irland (Süd)
  • China (Süd)
  • Australien (Süd)

Die Produktpalette von Aldi

Die früher übliche Preisbindung für Markenartikel hinderte die Albrecht-Brüder daran, ihren Kunden die Artikel günstiger zu verkaufen. Deshalb setzte man von Anfang an auf No-Name-Produkte. Aldi suchte Hersteller, die ihre Artikel unter anderem Namen in die Regale stellten, um so die Preisbindung zu umgehen. Zunächst hielt sich die Begeisterung der Hersteller über dieses Vorgehen in Grenzen, jedoch wurde Aldi im Laufe der Zeit so groß, dass sich immer mehr Hersteller dazu bereit erklärten. Die Folge war, dass viele Aldi-Produkte fast ebenso bekannt wurden wie die Markenartikel. 

Die Produkte folgender Marken hat Aldi mittlerweile unter echtem Namen ins Sortiment aufgenommen: Schneekoppe, Storck, Ferrero, Coca-Cola, Freixenet, Gerolsteiner und Beiersdorf AG (u.a. NIVEA).

Aldi am Markt: Vergleich mit der Konkurrenz

Was den Umsatz im gesamten Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland betrifft, muss sich Aldi der Konkurrenz geschlagen geben. Der Ur-Discounter liegt heute auf Platz vier hinter Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe (Lidl u.a.). 2007 ging der Umsatz um 1,5% erstmalig überhaupt zurück und lag bei brutto 27 Milliarden Euro. 

Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen: Aldi in der Kritik

Schon lange wird Aldi Süd vorgeworfen, die Gründung einer gewerkschaftlichen Organisation aktiv zu behindern. Es gibt keinen Gesamtbetriebsrat und laut ver.di will Aldi unabhängige Mitarbeitervertretungen verhindern. 2004 berichtete die Süddeutsche Zeitung über "schikanöse Arbeitsbedingungen" bei Aldi. 

Daraufhin kündigte der Discount-Riese die einmal wöchentlich erscheinende ganzseitige Anzeige in der Zeitung. Für die SZ bedeutete dies einen finanziellen Verlust von 1,5 Millionen Euro. Auch bei den Zulieferern aus China und Indonesien wurden Arbeitsrechtsverletzungen aufgedeckt. Dazu zählen unter anderem das Zurückhalten von Löhnen und Kinderarbeit. 

Der Spiegel berichtete 2013 über Misshandlungen von Auszubildenden bei Aldi. Demnach sollen die Azubis mit Frischhaltefolie an Pfosten gebunden und dann mit Filzstiften bemalt worden sein. Vorgesetzte hätten die Taten gesehen und gebilligt. Aldi zeigte sich entsetzt.

Ebenfalls 2013 berichtete auch ein ehemaliger Ladendetektiv dem Spiegel, dass er neben seiner regulären Tätigkeit auch über private Angelegenheiten der Aldi-Angestellten Bericht erstatten sollte. Die Mitarbeiter sollen auch mit versteckten Kameras überwacht worden sein. Aldi bestreitet die Vorwürfe.

Immer wieder stolpert Aldi auch über Kritik an der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz. Das Schwarzbuch Markenfirmen wirft dem Konzern Ausbeutung in der Rohstoffgewinnung und Umweltzerstörung vor. Einige Beispiele von Fällen, in denen Aldi in die Kritik geraten ist: 

  • Angebot billiger Garnelen auf Kosten der Mangrovenwälder
  • 2010: Mangrovenholz in zwei Büchern aus dem Aldi-Sortiment
  • 2004: Verkauf von Gartenmöbeln aus Meranti-Holz
  • Kritik in der Schweiz: Aldi würde Lebensmittel samt Verpackung in Biogasanlagen entsorgen und so Mikroplastik auf den Feldern verteilen.

Doch der Discount-Riese scheint sich die Kritik zu Herzen zu nehmen und geht in Sachen Nachhaltigkeit neue Wege: 

  • Aldi Süd hat rund 1250 Filialen und seine Logistikzentren mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet. An 50 Filialen gibt es für den Nutzer kostenfreie Stromtankstellen für Elektroautos und Elektrofahrräder. Kunden können hier kostenfrei und ohne Registrierung ihre Elektrofahrzeuge aufladen.
  • Seit 2017 ist Aldi Süd der erste klimaneutrale Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland.
  • Im Jahr 2018 startete Aldi nach eigenen Angaben sein Projekt namens „Verpackungsmission“: Bis Ende 2025 soll gegenüber 2015 der Materialeinsatz für Eigenmarken-Verpackungen im Vergleich zum Umsatz um 30 Prozent reduziert werden. Ende 2022 sollen alle Aldi-Eigenverpackungen recyclebar sein.
  • Bis 2030 will Aldi sogenanntes Billgfleisch, also Fleisch der Haltungsstufen 1 und 2 komplett aus seinem Sortiment nehmen. Da dies aber weder für Eier, Milch, Wurstwaren oder Spezialitäten gilt, sehen Tierschützer den Schritt kritisch. Auch, weil die Haltungsstufen 3 und 4 noch immer kein Tierwohl garantieren.
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