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Von Astrazeneca bis Johnson&Johnson – die Coronavirus-Impfstoffe im Vergleich

Die Coronavirus-Impfstoffe von Biontech, Astrazeneca und Johnson&Johnson im Vergleich: Wie funktionieren sie? Wie hoch ist die Wirksamkeit?

Von Lea Sarah Wolfram

Im November erreichte die Welt eine Nachricht, die den Verlauf der Coronavirus-Pandemie entscheiden verändern würde: Als erste Unternehmen präsentierten Biontech und Pfizer gemeinsam einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Wirksamkeit wurde damals auf rund 94 Prozent eingeschätzt. Kurz nach der Bekanntmachung folgten die ersten Notzulassungen mit dem Vakzin, das seitdem weltweit verabreicht wird.

In der Zwischenzeit kamen weitere Impfstoffe gegen das Coronavirus auf den Markt: Vakzine von Moderna und Astrazeneca erhielten wenige Wochen nach Biontech/Pfizer eine Zulassung in der Europäischen Union durch die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur), weitere Mittel von Curevac dürften bald folgen – der Impfstoff von Johnson&Johnson wurde als Viertes zugelassen. Zudem ist auch der russische Impfstoff „Sputnik V“ im Gespräch für den Einsatz in Deutschland. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Corona-Impfstoffen? Bei msl24.de erfahren Sie mehr.

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer

  • Vakzin von Biontech/Pfizer
  • Impfstoffname: BNT162b2 / „Comirnaty“
  • Impfstofftyp: mRNA-Wirkstoff
  • EU-Zulassung: 21. Dezember 2020
  • Anzahl der nötigen Impfungen: zwei (etwa drei Wochen Abstand)

Der erste verwendete Coronavirus-Impfstoff stammt von den Pharma-Unternehmen Biontech aus Deutschland und Pfizer aus den USA. Das Vakzin „BNT162b2“, in der EU unter dem Namen „Comirnaty“ zugelassen, hat eine Wirksamkeit von bis zu 95 Prozent und schützt die Geimpften zudem, nach aktuellem Stand, vor der Coronavirus-Mutation, die zuerst in Großbritannien entdeckt worden war. Für den vollen Schutz vor einer Corona-Infektion müssen zwei Impfungen verabreicht werden.

Besonders ist der Biontech/Pfizer-Impfstoff nicht nur wegen seiner hohen Wirksamkeit, sondern auch, weil es sich dabei um einen mRNA-Wirkstoff handelt. Für die Immunisierung wird die „messanger ribonucleic acid“, also die Boten-Ribonukleinsäure verwendet. Diese werde, bildlich gesprochen, wie ein „Briefumschlag“ benutzt, der mit Eiweißbestandteilen des Coronavirus‘ gefüllt werde, erklärte Ingmar Hoerr, Curevac-Gründer und Erfinder der neuen Impftechnologie, bei seinem Auftritt bei der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ im November 2020. Wurden die Eiweißbausteine von Sars-CoV-2, die wie eine Bauanleitung des Virus‘ zu verstehen sind, durch die Impfung in den menschlichen Zellen „abgeliefert“, zerfalle die mRNA restlos. Die Einweißbestandteile würden dann in der menschlichen Zelle dafür sorgen, dass Antikörper gebildet würden.

Problematisch ist allerdings die Lagerung: Der Coronavirus-Impfstoff von Biontech/Pfizer muss bei Minus 70 Grad gekühlt aufbewahrt werden. Aufgrund dieser Umstände wurde das Vakzin auch nicht, wie geplant, von mobilen Teams bei pflegebedürftigen Menschen Zuhause eingesetzt, wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen ursprünglich geplant. NRW-Gesundheitsminister Karl Josef Laumann hatte im Dezember kurz vor dem Einsatz des Vakzins diesbezüglich zurückrudern müssen und konnte seine Ankündigung nicht umsetzen. Bei msl24.de lesen Sie mehr über die Nebenwirkungen und Impfreaktionen des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer.

Corona-Impfstoff von Moderna

  • Vakzin von Moderna
  • Impfstoffname: mRNA-1273
  • Impfstofftyp: mRNA-basierter Impfstoff
  • EU-Zulassung: 6. Januar 2021
  • Anzahl der nötigen Impfungen: zwei (etwa vier Wochen Abstand)

Als zweites Vakzin erhielt der Wirkstoff von Moderna die Zulassung in der EU. Seit Anfang Januar wird der Corona-Impfstoff in Deutschland eingesetzt. Bei „mRNA-1273“ handelt es sich ebenfalls, dies verrät bereits der Name, um einen mRNA-Wirkstoff. Die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19-Erkrankung wird mit dem Mittel von Moderna um 94 Prozent gesenkt, die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs bei einer Erkrankung mit Covid-19 um 100 Prozent. Dies ergaben Phase-III-Studien. Ähnlich dem Wirkstoff von BioTech/Pfizer muss der Moderna-Impfstoff bei niedrigeren Temperaturen von minus 20 Grad aufbewahrt werden.

Bei einer Impfung mit dem Moderna-Impfstoff sollte nach rund vier Wochen eine zweite Impfung erfolgen, um den vollen Schutz zu erhalten. Erste Tests deuten auch darauf hin, dass das Vakzin gegen die Coronavirus-Mutation B.1.1.7 wirksam sein solle, ebenso wie der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dies gaben die Hersteller bekannt. Allerdings falle die Immunantwort geimpfter Menschen auf die Variante B.1.351, die zuerst in Südafrika entdeckt worden war, bei beiden Vakzinen offenbar schwächer aus. Moderna wolle deswegen den Einsatz einer weiteren Impfung als „Auffrischung“ der Immunisierung testen, wie das Unternehmen ankündigte.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca

  • Vakzin von Astrazeneca
  • Impfstoffname: ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222)
  • Impfstofftyp: Vektorviren-Impfstoff
  • EU-Zulassung: 29. Januar 2021
  • Anzahl der nötigen Impfungen: zwei (zwischen vier und 12 Wochen Abstand)

Im Januar folgte die EU-Zulassung eines weiteren Vakzins: Das schwedisch-britische Unternehmen Astrazeneca produzierte einen Vektorviren-Impfstoff unter dem Namen „ChAdOx1 nCoV-19“ (AZD1222). In der Regel ist bei dem Wirkstoff einfach vom „Astrazeneca-Impfstoff“ die Rede. Anders als mRNA-Vakzinen arbeitet der Vektorviren-Impfstoff von Astrazeneca mit dem Bestandteil eines unschädlich gemachten Virus als Transporthülle.

Als Grundlage dient bei diesem Vakzin ein Adenovirus, das mit Bestandteilen des Coronavirus-Erbgutes bestückt wird. Adenoviren können sich in menschlichen Zellen nicht vermehren. In den Zellen bilden sich nach dem Kontakt mit dem Coronavirus-Erbgut Antikörper. Anders als die mRNA-Impfstoffe kann das Astrazeneca-Mittel bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

Der Impfstoff von Astrazeneca gilt jedoch als umstritten. Da bei der klinischen Studie zu wenige ältere Menschen teilnahmen, konnten erste Ergebnisse kein klares Bild der Wirksamkeit von Menschen über 65 aufweisen. Zudem sollte die Wirksamkeit bei 70 Prozent liegen – geringer also als bei den mRNA-basierten Impfstoffen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) entschied sich deswegen dafür, den Astrazeneca Impfstoff bei der Zulassung nur für Menschen unter 65 Jahren zu empfehlen. Nach dem Einsatz des Vakzins in Schottland stellte sich jedoch heraus: Gerade bei älteren Menschen wirkt der Impfstoff sehr gut. Mittlerweile hat die Stiko ihre Empfehlung für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca geändert.

Auch die Meldung über vermehrt auftretende Impfreaktionen hatte zur Folge, dass Krankenhäuser in Deutschland die Impfungen mit Astrazeneca aussetzten und vielerorts Impfstoffdosen nicht zum Einsatz kamen. Dabei liege die Wirksamkeit des Vakzins neueren Studien zufolge bei über 90 Prozent, auch bei Menschen über 80 Jahren, wie Mene Pangalos von Astrazeneca auf einer Pressekonferenz des Science Media Centers Deutschland berichtete. Zudem würden in neun von zehn Fällen schwere Krankheitsverläufe verhindert.

Der Corona-Wirkstoff bleibt jedoch umstritten. So hatte unter anderem Dänemark den Einsatz des AstraZeneca-Impfstoffes ausgesetzt, nachdem es zu gesundheitlichen Problemen bei Geimpften durch Blutgerinnsel gekommen war. Auch einen Todesfall hatte es in dem Land gegeben. In Österreich wurde der Einsatz des Wirkstoffes ebenfalls gestoppt. Allerdings ist bisher kein direkter Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin nachgewiesen worden. Laut EMA liege die Anzahl der gemeldeten Gerinnungsstörungen vollkommen im Normbereich und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keinen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den gemeldeten Todesfällen. Bei msl24.de erfahren Sie mehr zu den Nebenwirkungen bei der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff.

Corona-Impfstoff von Johnson&Johnson

  • Vakzin von Johnson&Johnson
  • Impfstoffname: Ad26.COV2-S
  • Impfstofftyp: Vektorviren-Impfstoff
  • EU-Zulassung: 11. März 2021
  • Anzahl der nötigen Impfungen: eine

Mitte März erhielt auch der Wirkstoff von Janssen, ein Tochterunternehmen von Johnson&Johnson, eine Zulassung in der EU. Das Vakzin mit dem Namen „Ad26.COV2-S“ ist ein Vektorviren-Impfstoff. Ebenso wie beim Wirkstoff von AnstraZeneca wird bei „Janssen“ ein inaktiver Trägervirus genutzt, um Teile des Coronavirus-Erbguts in die menschlichen Zellen zu transportieren, damit sich dort Antikörper bilden.

Der größte Vorteil des Vakzins besteht jedoch darin, dass es nur eine Impfung erfordert. Bereits dann soll die Wirksamkeit groß genug sein, um einen effektiven Schutz vor einer Infektion oder einem schweren Krankheitsverlauf aufzubauen. Zudem kann der Impfstoff von Johnson&Johnson bei normalen Kühlschrank-Temperaturen gelagert werden.

„Ad26.COV2-S“ wird von der Stiko für Menschen ab 18 Jahren empfohlen. Die Wirksamkeit liegt laut Johnson&Johnson vier Wochen nach der Impfung bei etwa 66 Prozent, schwere Verläufe konnten zu 85 Prozent verhindert werden. Auch gegen die Mutationen, die zuerst in Südafrika und Brasilien entdeckt worden waren, sei die Wirksamkeit ähnlich hoch wie bei dem Wildtyp. Dies hatten Studien des Unternehmens in den Ländern gezeigt (Brasilien: 68,1 Prozent, Südafrika: 64 Prozent). Das Vakzin wird voraussichtlich im April in Deutschland zum Einsatz kommen.

Corona-Impfstoff von Curevac

  • Vakzin von Curevac
  • Impfstoffname: CVnCoV
  • Impfstofftyp: mRNA-basierter Impfstoff
  • EU-Zulassung: noch in Phase III-Studien
  • Anzahl der nötigen Impfungen: noch nicht bekannt

Das Unternehmen Curevac wurde unter anderem von Ingmar Hoerr gegründet, dem Entdecker beziehungsweise Erfinder der mRNA-basierten Impfstofftechnik. Curevac forscht ebenfalls an einem Coronavirus-Impfstoff, der sich derzeit noch in der Phase-III-Studie befindet (Erprobungsphase mit 10.000 bis 60.000 Freiwilligen und im Vergleich mit einem Placebo-Mittel). Der Zulassungsantrag wurde aber bereits im Februar 2021 bei der EMA eingereicht. Bei dem Vakzin handelt es sich ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff.

Anders als die mRNA-basierten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna kann der Wirkstoff „CVnCoV“ von Curevac drei Monate lang bei Plus 5 Grad gelagert werden. Bei Raumtemperatur bleibt er 24 Stunden stabil. Da sich das Produkt derzeit noch in der Phase-III-Studie befindet, konnte das Unternehmen noch keine Aussagen über die Wirksamkeit des Impfstoffes treffen. Eine Zwischenanalyse könnte jedoch noch vor April 2021 veröffentlicht werden.

Corona-Impfstoff von Novavax

  • Vakzin von Novavax
  • Impfstoffname: NVX-CoV2373
  • Impfstofftyp: Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen (Nanopartikel-Technologie)
  • EU-Zulassung: noch in Phase III-Studie
  • Anzahl der nötigen Impfungen: noch nicht bekannt

Ebenfalls wie das Präparat von Curevac befindet sich auch der Coronavirus-Impfstoff von Novavax in der Phase-III-Studie. Anders als die anderen Vakzine arbeitet das Unternehmen Novavax mit genetisch hergestelltem Virus-Antigen. Kurz gesagt bedeutet dies, dass die Antikörper nicht mehr selbst in den menschlichen Zellen produziert werden müssen, sondern bereits mit der Impfung verabreicht werden. Das Vakzin wird als „Totimpfstoff mit Virusprotein“ bezeichnet.

Offenbar ist die Entwicklung dieser Impfstoffart von Erfolg gekrönt: Wie Novavax bekannt gab, zeigte eine erste Studie aus Großbritannien eine Wirksamkeit von 96 Prozent. Bei 86 Prozent der Fälle sei das Mittel zudem gegen die Virus-Mutation B.1.1.7 wirksam. In den USA wird eine Notzulassung im Mai 2021 erwartet. Wann das Mittel in der EU einsetzt werden wird, ist noch unklar. Der Antrag auf Zulassung bei der EMA laufe aber bereits.

Coronavirus-Impfstoff „Sputnik V“

  • Vakzin vom Nationalen Gamaleya-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie (Russland), Gesundheitsministerium von Russland sowie R-Pharm
  • Impfstoffname: Gam-COVID-Vac / „Sputnik V“
  • Impfstofftyp: Vektorviren-Impfstoff
  • EU-Zulassung: noch in Phase III-Studie
  • Anzahl der nötigen Impfungen: zwei (mit je unterschiedlichen Adenoviren)

Bei „Gam-COVID-Vac“, auch „Sputnik V“ genannt, handelt es sich um einen Coronavirus-Impfstoff aus Russland. Der Vektorviren-Impfstoff nutzt, ebenso wie Astrazeneca, inaktive Adenoviren als Erbgutträger. Obwohl sich das Vakzin noch immer in der Phase-III-Studie befindet, wurde es bereits während der Phase-II-Studie im Winter 2020 in Russland als Impfstoff eingesetzt, ebenso in Belarus und Argentinien. Ungarn nutzt „Sputnik V“ seit Januar 2021 ebenfalls für die Immunisierung seiner Bevölkerung.

Im Januar 2021 wurde bei der EMA ein Zulassungsantrag für den Wirkstoff eingereicht. Laut erster Zwischenergebnisse soll der Coronavirus-Impfstoff eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent aufweisen. Doch das Mittel ist umstritten: So äußerte eine Gruppe von 40 Wissenschaftlern Zweifel an der Korrektheit der Studienaussagen zur Wirksamkeit von „Sputnik V“, wie der Spiegel berichtete. Dennoch werde der Einsatz des Präparates auch in der EU in Deutschland diskutiert. Die EMA prüft derzeit die Studienergebnisse der Phase-III-Studie.

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