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Über 200 Verdachtsfälle

"Falsche Polizisten" sollen mehr als eine Viertel Million Euro erbeutet haben – Betrügerring festgenommen

Bocholt/Münster

Sie sollen ihre Opfer möglicherweise um 275.000 Euro gebracht haben. Die Polizei konnte nun eine Betrügerbande festnehmen, die ihre Beute in die Türkei transferiert haben soll.

Von Sohrab Dabir

Mehrere mutmaßliche Betrüger aus Bocholt wurden festgenommen. (Symbolbild) Foto: dpa

Die Masche ist bereits hinlänglich bekannt – dennoch fallen ihr noch immer Menschen zum Opfer. Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und berichten, dass in der Nachbarschaft Straftaten verübt worden seien. Dadurch gelingt es den Tätern immer wieder, Geld und andere Wertsachen von ihren zumeist älteren Opfern zu ergaunern.

Nun konnte eine sechsköpfige Ermittlungskommission der Kreispolizeibehörde Borken in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Münster mehrere Personen festnehmen. Sie sollen Boten des Betrügerrings gewesen sein, so der Vorwurf. Bei den Verdächtigen handelt es sich um zehn Personen aus Bocholt und Monheim am Rhein.

Hausdurchsuchung bei Betrügerring in Bocholt eskaliert

Neben Schmuck und Geld in vierstelligem Wert konnten die Ermittler auch einige Handys sicherstellen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sollen die Anrufe der Betrüger aus der Türkei erfolgt sein. Im Anschluss werden sogenannte "Abholer" zur Anschrift der Opfer geschickt, die ihnen weis machen, dass die Wertsachen zuhause nicht mehr sicher sind. Diese werden dann an die falschen Polizisten übergeben. Die Festgenommenen sollen Kontakt zum türkischen Callcenter gehabt, mit den geklauten EC-Karten Geld abgehoben und den erbeuteten Schmuck und Gold verkauft haben. Das Geld soll anschließend in die Türkei geschickt worden sein. 

Bei den Festgenommenen aus Bocholt handelt es sich um sechs Männer (18, 20, 25, 32, 44 und 47 Jahre) und drei Frauen (26, 27 und 37 Jahre). Der 25-Jährige leistete mit seinem Bruder bei der Hausdurchsuchung erheblichen Widerstand und schlug einem Polizisten ins Gesicht. Ihn erwartet noch ein gesondertes Strafverfahren. Zum Teil sind die Beschuldigten geständig. Vier Personen wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Münster einem Haftrichter vorgeführt und Haftbefehl erlassen. Sie befinden sich nun in Untersuchungshaft.  

Bocholt: Betrüger könnten fast 300.000 Euro erbeutet haben

"Der Vorwurf lautet gewerbs- und bandenmäßiger Betrug", heißt es im Polizeibericht. Dies wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren belegt. Die Inhaftierten aus Bocholt sollen 16 Taten begangen und dabei 96.000 Euro von ihren Opfern erbeutet haben. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass die Betrügerbande über 200 Taten begangen und dabei 275.000 Euro ergaunert haben soll.

In einem Fall sollen die Betrüger besonders perfide vorgegangen sein. Dabei wurde eine 95-Jährige von einer der Beschuldigten mit dem Auto zu ihrer Bank gefahren, um dort Geld zu erbeuten. Glücklicherweise war der Betrugsversuch nicht erfolgreich. Einige Senioren sollen zudem über Tage hinweg massiv unter Druck gesetzt worden sein. Ihnen soll angewiesen worden sein, sich niemandem anzuvertrauen, um angebliche polizeiliche Ermittlungen nicht zu gefährden. In dieser Zeit schöpften die Tatverdächtigen dann das jeweilige Tageslimit der Konten aus. 

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