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Boost für das Immunsystem

Dritte Corona-Impfung: Darum sind Experten skeptisch

Wann und für wen ist eine Drittimpfung gegen das Coronavirus sinnvoll? Über diese Frage wird heftig gestritten. Gesundheitsexperten stört vor allem eines.

Von Dario Teschner

Bislang reichten zwei Impfungen aus, um sich effizient gegen das Coronavirus zu schützen. Doch weil sich die Delta-Variante des Erregers so stark verbreitet hat, kommt die Frage nach einer dritten Impfung auf, die wie ein Boost für das Immunsystem wirken soll. Die Gesundheitsexperten sind sich überwiegend darüber einig, dass die meisten Menschen in diesem Herbst noch keinen dritten Piecks benötigen.

Lediglich für ältere Menschen und Risikopatienten sei die Auffrischung wichtig, um sie vor einen schweren Krankheitsverlauf zu schützen. Obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) für diesen Vorgang noch keine Empfehlung ausgesprochen hat, wird eine dritte Impfdosis in einigen Bundesländern schon verabreicht. Mehrere Gesundheitsexperten sehen das jedoch kritisch.

Dritte Corona-Impfung: Lauterbach mit klarer Botschaft

Ärztepräsident Klaus Reinhardt steht einer Drittimpfung ohne entsprechender Stiko-Empfehlung skeptisch gegenüber. Er bemängelte, dass bislang noch keine aussagekräftigen Studien vorliegen würden. Aufgrund der aktuellen Datenlage könne man noch nicht sagen, ob, wann und für wen eine Impfauffrischung gut ist. "Ich halte es deshalb für einen Fehler, dass Bund und Länder in der Breite Auffrischungsimpfungen angekündigt haben, ohne eine entsprechende Empfehlung abzuwarten", so der Ärztepräsident. 

Reinhardt räumte ein, dass die dritte Corona-Impfung für manche Personengruppen sinnvoll erscheine. Für die meisten vollständig Geimpften erachtet er diese jedoch nicht für nötig. Die Kassenärzte von der Stiko haben bereits Klarheit darüber gefordert, für wen eine dritte Dosis genau empfohlen wird. Eine schnelle Stiko-Empfehlung für zielgenaue Auffrischungsimpfungen fordert auch Karl Lauterbach (SPD): "Ich befürchte, dass jetzt viele mit einer dritten Impfung versehen werden, die davon nicht profitieren, während diejenigen, die sie dringend benötigen würden, sie nicht bekommen" erklärte der Gesundheitsexperte der "Rheinischen Post" und in einem Tweet.

Dritte Corona-Impfung: Das fordern die Grünen

Für das Vorgehen bei den Auffrischungsimpfungen muss die Bundesregierung auch von den Grünen Kritik einstecken. Die Partei wirft den Verantwortlichen eine mangelnde Strategie vor. "Die Bundesregierung hat es verpasst, frühzeitig systematisch Daten für Deutschland zu erheben, für wen und wann sogenannte Boosterimpfungen zwingend sinnvoll sind", äußerte sich der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen in einem Interview. Alle Menschen, bei denen die Wirkung der Corona-Impfstoffe mutmaßlich stark nachgelassen hat, müssten seiner Auffassung nach einen dritten Piecks bekommen. 

Für die Drittimpfung seien die mRNA-Impfstoffe, beispielsweise der Wirkstoff von Biontech, am besten geeignet. Während in Deutschland bereits über die Impfauffrischung heftig diskutiert wird, sind einige Menschen noch gar nicht gegen das Coronavirus geimpft worden und die Infektionszahlen steigen. Dabei zeichnet sich ab, dass die Inzidenz der Ungeimpften bis zu 14 Mal höher als die der Geimpften sein könnte, wie Zahlen aus Bayern zeigen.   

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