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Corona-Maßnahme

Impfzertifikate sollen automatisch ihre Gültigkeit verlieren: Was Geimpfte beachten müssen

Bund und Länder wollen, dass Corona-Geimpfte ohne Booster nach einer bestimmten Zeit nicht mehr als "vollständig geimpft" gelten. Hier erfahren Sie, was geplant ist, was das für Sie bedeutet und was Sie tun müssen. 

Von Lea Wolfram

Corona-Impfung in einer Arztpraxis in Stuttgart. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Nach den neusten Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) vom Donnerstag (2. Dezember) soll auch bald eine neue Regelung auf den Weg gebracht werden, die die Booster-Impfungen voranbringen soll: Die Gültigkeit der Impfzertifikate vollständig Geimpfter soll nach einer festgelegten Zeitspanne automatisch auslaufen, sodass diese Personen wieder als ungeimpft gelten.

Denn mit der Zeit nimmt die Schutzwirkung der in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe deutlich ab und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 steigt. Die Booster-Impfung soll den Schutz wieder erhöhen und gilt damit gleichzeitig als dringend notwendige Maßnahme zum Brechen der vierten Welle, die in Deutschland aktuell überlastete Intensivstationen und mehrere Hunderte Tote täglich zur Folge hat.

Impfzertifikate sollen automatisch ablaufen – endgültiger Beschluss steht noch aus

Noch haben Bund und Länder die Einführung dieser neuen Zertifikatsregelung vertagt – doch die Anwendung der Maßnahme stellten die noch amtierende Kanzlerin Angela Merkel und die MinisterpräsidentInnen zum Jahresende hin in Aussicht.

Diese "Impfstatus-Befristung" wollen Bund und Länder vom Impffortschritt im Land abhängig machen, wie es in dem MPK-Beschluss heißt: "Bund und Länder werden sich unter Berücksichtigung der Impfkampagne und der zur Verfügung stehenden Impfstoffe bis zum Jahresende verständigen, ab wann und wie eine entsprechende Regelung in der Bundesrepublik Deutschland Anwendung finden soll."

So könnte der Beschluss aussehen: Geimpfte würden ihren Status als "vollständig geimpft" verlieren, wenn die zweite Impfung (mit BionTech, Moderna, AstraZeneca) länger als neun Monate zurückliegt. Es handelt sich dabei um eine Zeitspanne, die derzeit von der EU diskutiert wird. und die die MPK bereits aufgegriffen hat. Die Regelung dürfte auch für die einmalige Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson gelten, dessen Schutz vor einer Corona-Infektion ohnehin geringer ausfällt.

Somit würden ursprünglich vollständig Geimpfte nach Ablauf der neun Monaten wieder als ungeimpft gelten und müssten mit den dann geltenden Einschränkungen im gesellschaftlichen und beruflichen Leben rechnen – erst mit einer Booster-Impfung würden sie wieder den Status einer vollständigen Impfung zurückerlangen. 

Die SPD hatte zuvor die begrenzte Gültigkeit der Impfzertifikate in einem Sechs-Punkte-Vorschlag in der MPK eingebracht, wie die Rheinische Post am Dienstag (30. November) berichtete. Dabei habe die SPD eine Frist von sechs Monaten gefordert. Doch damit jeder Geimpfte die nötige Zeit bekomme, einen Termin für eine Booster-Impfung zu vereinbaren, solle es eine Übergangsfrist geben.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich ebenfalls schon vor der MPK für eine entsprechende Regelung ausgesprochen und plädierte dabei für eine Gültigkeit von neun Monaten für die Impfzertifikate. Vorbild hierfür sei Österreich gewesen, wo bereits ab dem 6. Dezember der vollständige Impfschutz nach rund 270 Tagen verfällt, wenn nicht nachgeboostert wird.

Bund und Länder wollen Impfkapazitäten ausbauen

Bund und Länder setzen in Deutschland bereits jetzt verstärkt auf die Booster-Impfungen. Allerdings mangelt es vielerorts an Kapazitäten, auch aufgrund der zuvor geschlossenen Impfzentren und einem zu geringen Impfstoffvorrat. So kam es bereits in vielen deutschen Städten zu langen Warteschlangen vor Impf-Standorten, oder Impfwillige wurden wieder nach Hause geschickt, weil vor Ort der Impfstoff bereits aufgebraucht war.

Deswegen kündigten Bund und Länder nach ihrem Treffen an, den Kreis derjenigen, die impfen dürfen, deutlich zu erweitern. So sollen bald auch Apothekerinnen und Apotheker sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte Corona-Impfungen verabreichen dürfen.

Wie sieht aktuell die Gültigkeit von Impfzertifikaten aus?

Vor dem neuen Beschluss des Bund-Länder-Treffens gab es in Deutschland keine Frist für die Gültigkeit von Corona-Impfzertifikaten und noch wurde auch noch keine eingeführt. Lediglich in der CoVPass-App gibt es ein rein "technisches Ablaufdatum". Dies bedeutet jedoch nicht, dass der tatsächliche Impfstatus mit diesem Ablaufdatum automatisch abläuft.

Informationen zur CoVPass-App vom Bund ("Zusammen gegen Corona, Stand: 24. November 2021)

Im zweiten Quartal des Jahres 2022 werden erste Zertifikate innerhalb der CoVPass-App auslaufen. Damit die App auch danach weiter von den betroffenen Personen genutzt werden kann, soll bereits vorher eine europäische Lösung getroffen werden, wie der Bund ankündigte.

Auch die EU plant einheitliche Grenze der Zertifikatsgültigkeit

Die EU plant, wie bereits erwähnt, eine einheitliche Regelung für die Gültigkeit von Corona-Impfzertifikaten. Wie die Rheinische Post berichtet, sei die erwähnte Dauer von neun Monaten geplant. Das Erlischen der Gültigkeit und die weitere Nutzbarkeit der Zertifikate in der CoVPass-App ist vor allem auch für Reisen innerhalb Europas von Bedeutung.

Warum soll der Impfstatus überhaupt verfallen?

Die Regelung soll nicht die bereits Geimpften unnötig einschränken, sondern dient zur Ankurbelung der Booster-Impfungen und somit zum Schutz der Bevölkerung vor einem starken Infektionsgeschehen.

Denn wer zweifach (BionTech, Moderna, AstraZeneca) oder einfach (Johnson & Johnson) geimpft ist, gilt zwar 14 Tage nach der letzten Verabreichung als vollständig geimpft. Da jedoch die Impfwirkung nach fünf bis sechs Monaten deutlich gesunken ist (bei Johnson & Johnson noch stärker), steigt bei den Geimpften auch entsprechend das Infektionsrisiko sowie das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. Dies hat auch Impfdurchbrüche zur Folge.

Dies betonte auch die Ständige Impfkommission (Stiko) in einer Pressemitteilung zur Booster-Impfung Mitte November: "Die Auffrischimpfung dient sowohl dem Selbstschutz als auch dem Schutz der Mitmenschen und lässt einen längerfristigen robusten Impfschutz erwarten."

Aus der Pressemitteilung der STIKO  vom 18. November 2021

Nicht nur angesichts der im November von südafrikanischen Forschern entdeckten Virusvariante Omikron setzen Virologen und Epidemiologen in Deutschland auf den Einsatz von Boostern – vor allem die Ansteckungen mit der hier vorherrschende Delta-Variante soll mit den Auffrischimpfungen verringert werden. Auch der Virologe und Corona-Experte Christian Drosten betonte die Bedeutung der Booster-Impfungen nach der Entdeckung von Omikron im Interview bei ZDFheute.

Virologe Christian Drosten im ZDFheute-Interview vom 28. November 2021

Vorbild Israel: Impfstatus-Verfall und konsequentes Boostern

Die Idee, den Impfstatus automatisch auslaufen zu lassen, ist nicht neu: Diese Regelung ist Teil der Corona-Maßnahmen in Israel. Alle dort bereits ausgestellten grünen Pässe der Bevölkerung, die den vollständigen Impfstatus der Inhaber belegen, liefen zum 3. Oktober 2021 aus. Einen neuen Pass bekommen seitdem nur noch diejenigen Personen, die dreifach geimpft sind oder innerhalb der vergangenen sechs Monate eine zweite Impfung erhalten hatten.

Wer nur zweimal geimpft wurde und wessen zweite Impfung länger als sechs Monate zurückliegt, bekommt somit keinen grünen Pass und muss mit gesellschaftlichen und beruflichen Einschränkungen rechnen, wie tagesschau.de berichtete. Es gelten jedoch Ausnahmen, zum Beispiel für Kleinkinder. Laut Experten gelang es Israel so, die dritte Corona-Welle mit dem konsequenten Boostern zu brechen.

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