1. www.hallo24.de
  2. >
  3. Region
  4. >
  5. Delbrueck: Wie ein Mann einen Bekannten zum Suizid gedrängt hat

  6. >

Mordkommission ermittelt

Dramatischer Fall in OWL: Wie ein Mann seinen Bekannten in den Suizid drängen wollte

Delbrück/Hilter

Die Mordkommission ermittelt in einem Fall, bei dem ein 69-Jähriger von einem Bekannten systematisch in den Suizid gedrängt werden sollte. Dies soll nicht die einzige Tat des Mannes gewesen sein.

Von Sohrab Dabir

Zwei ähnlich gelagerte Fälle beschäftigt derzeit die Mordkommission in Bielefeld. (Symbolbild) Foto: David Inderlied/dpa/Illustration

Es ist ein Fall, der fassungslos macht. Es geht um zwei Männer, die sich auf einer Dating-Plattform kennengelernt haben. Das spätere Opfer soll vom Täter in ein solches Abhängigkeitsverhältnis gedrängt worden sein, dass er sich auf Anweisung seines Bekannten das Leben nehmen wollte.

Es begann vor zwei Jahren, als ein 69-Jähriger aus Iserlohn im Internet einen Mann (43) kennenlernte und mit ihm eine platonische Beziehung einging. Beide hielten vor allem telefonisch Kontakt – trafen sich darüber hinaus hin und wieder. Im Laufe der Zeit habe der 43-jährige Verdächtige die Finanzen des Iserlohners übernommen. Doch dabei blieb es nicht.

43-Jähriger drängt Bekannten in Delbrück zum Selbstmord

Anfang März suchte der Verdächtige aus Hilter (Niedersachsen) den Iserlohner an dessen Wohnung auf und fuhr mit ihm anschließend zu sich nach Hause. "Über einen Zeitraum von zwei Tagen habe der Tatverdächtige dort auf sein Opfer eingewirkt, es geschlagen, beleidigt, fortlaufend erniedrigt und ihm Medikamente verweigert", heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Paderborn und der Polizei Bielefeld. Durch die dauerhafte körperliche und psychische Misshandlung sei der 69-Jährige nicht mehr in der Lage gewesen, rationale Entscheidungen zu treffen. So tat er alles, was der 43-Jährige ihm befohlen hatte.

Dies führte zu den Geschehnissen am 5. März dieses Jahres: Der Tatverdächtige habe an diesem Tag sein Opfer dazu aufgefordert, sich umzubringen. Dies habe der 43-Jährige in einem Waldstück in Delbrück (Kreis Paderborn) tatsächlich versucht. Glücklicherweise missglückte der Suizidversuch. Ein Passant hatte den stark geschwächten Iserlohner in einem am Wegesrand geparkten Auto gemeinsam mit seinem Peiniger entdeckt. Da sich das Opfer kaum noch bewegt hatte, wählte der Passant den Notruf.

Opfer offenbart sich im Krankenhaus

Der Täter versuchte dies noch zu verhindern, indem er den Zeugen zu vermitteln versuchte, dass es dem 43-Jährige gut gehe. Das Opfer wurde später von den Rettungskräften notfallmedizinisch versorgt und danach in ein Krankenhaus gefahren. Da zu diesem Zeitpunkt noch kein Tatverdacht gegen den Mann aus Hilter bestand, durfte dieser seine Fahrt fortsetzen. Nach wenigen Tagen offenbarte sich das Opfer im Krankenhaus und erzählte, was wirklich vorgefallen war. Am 10. März wurde der Tatverdächtige dann in Quakenbrück festgenommen.

Gegen den 43-Jährigen wurde zunächst Haftbefehl erlassen. Da er anschließend jedoch psychische Auffälligkeiten zeigte, wurde eine Unterbringung in eine psychiatrische Klinik angeordnet. Die Paderborner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann nun wegen versuchten Mordes aus Habgier in mittelbarer Täterschaft. Im Zuge der Ermittlungen stießen die Polizisten dann auf einen anderen, ähnlich gelagerten Fall.

Wie viele Männer wollte der 43-Jährige in den Suizid treiben?

So hatte nur wenige Wochen zuvor, am 23. Februar 2022, ein 77-Jähriger aus Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke) versucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem der Tatverdächtige auch auf ihn derart psychisch eingewirkt hatte. Dieser Suizidversuch gelang glücklicherweise ebenfalls nicht. "Das Opfer konnte aufgefunden und mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden", berichten die Ermittler.

Auch sein zweites Opfer soll der Mann zuvor über eine Online-Dating-Plattform kennengelernt haben. Zunächst habe es ein platonisches Verhältnis zwischen beiden Männern gegeben, das sich mit der Zeit in eine Vater-Sohn-Beziehung entwickelt habe. Nachdem sich der 43-Jährige zunächst fürsorglich um die Männer gekümmert habe, sei er mit der Zeit immer fordernder und aggressiver geworden. So habe er derart Druck auf seine beiden Opfer ausgeübt, dass er große Geldbeträge von ihnen ergaunerte und sich als Vormund oder Erbe benennen ließ. Ob dem Mann noch weitere Männer zum Opfer gefallen sind, ermittelt nun die Mordkommission "Testament".

*Hinweis der Redaktion: Generell berichten wir nicht über den Verdacht auf Suizid-Absichten, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die kostenfreie Telefonseelsorge: 0800/1 11 01 11. Hilfe bietet auch der Krisendienst der Stadt Bielefeld: 0521/3 29 92 85.

Startseite
ANZEIGE