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Edeka: Deutschlands größte Supermarkt-Kette

Seinen Ursprung hat die Einzelhandels-Kette Edeka bereits im Jahr 1898. Heute zählt sie zu den größten deutschen Lebensmitteleinzelhändlern. Alle Infos zur Geschichte, den Angeboten und Filialen des Unternehmens.

Von Sohrab Dabir

  • Die Edeka-Gruppe wurde 1907 in Leipzig gegründet.
  • Der Hauptsitz der Supermarkt-Kette liegt in Hamburg.
  • Deutschlandweit gibt es über 11.000 Edeka-Filialen.
  • Edeka steht für: "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin".

Edeka: Die Geschichte des Supermarkt-Riesen

Im Jahre 1898 entstand die erste Edeka-Genossenschaft. 21 Kaufleute des Deutschen Reichs schlossen sich im Halleschen-Tor-Bezirk in Berlin zur "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin" – kurz E. d. K. zusammen. 23 der Genossenschaften gründeten am 25. November 1907 die Zentraleinkaufsgenossenschaft des Verbandes deutscher kaufmännischer Genossenschaften eGmbH, aus der später die heute bekannte Edeka Zentrale AG & Co. KG wurde.

1912 entstanden unter dem Dach der späteren Supermarkt-Kette bereits die ersten eigenen Produkte, die mit dem Edeka-Logo versehen waren. Neben den Eigenprodukten wurden auch Kolonialwaren wie zum Beispiel Kaffee aus Brasilien, Tee aus Kenia, Zucker aus Kuba, Reis aus Vietnam, Kakao von der Westküste Afrikas oder Zigarren aus Indonesien verkauft. 

Edeka: Gleischschaltung im Dritten Reich und Wiederaufbau

Nach der Machtergreifung der Nazis stand die Edeka-Gruppe unter Druck, sich den Positionen der Nationalsozialisten anzuschließen. Nachdem Edeka-Mitbegründer Fritz Borrmann sich 1933 der NSDAP anschloss, schaltete sich die Edeka-Gruppe am 18. April 1933 freiwillig gleich. Ab 1936 wurde innerhalb des Unternehmens nach dem Führerprinzip gehandelt. Nach dem Anschluss des Saarlandes und Österreichs an das Deutsche Reich, wurden auch dort Filialen eröffnet. 

1937 übernahm Paul König die Geschicke der Edeka-Gruppe und führte den Wiederaufbau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an – die Unternehmenszentrale wurde nach Hamburg gelegt. 1951 erzielte Edeka mit einem breiten Sortiment einen Umsatz von 629 Millionen DM, im Jahr darauf waren es sogar 727 Millionen Mark. Schon damals gehörte der Konzern zu Deutschlands umsatzstärksten Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel. 

1953 wurde in Saarbrücken der erste Edeka-Markt mit Selbstbedienung eröffnet. Zwei Jahre später kamen Fruchtkontore in Hamburg, München und Frankfurt am Main hinzu. 45.000 Supermärkte zählte das Unternehmen deutschlandweit bis Anfang der 60er Jahre. 1970 konnte der Konzern erstmals ein prominentes Gesicht für sich gewinnen: Showmaster Rudi Carell machte Werbung für die Lebensmitte-Kette, 1977 erhielt der Niederländer einen Exklusivvertrag für Edeka. 

Edeka: Restrukturierung und Entwicklung bis in die Gegenwart

Nach dem Mauerfall 1989 schlossen sich viele Filialen der Konsum-Supermärkte und Handelsorganisationen der neuen Bundesländer der Edeka-Gruppe an. In den 90er Jahren übernahm der Konzern Märkte der VA- und Metro-Gruppe. 2001 wurde die Unternehmensstruktur erneuert und die Anzahl der Regionalgesellschaften von zwölf auf sieben reduziert, die in Form eines Großhandels agieren. Zu den sieben Regionalgesellschaften gehören:

  • Edeka Hessenring in Melsungen versorgt Nord- und Mittelhessen sowie Teile von Thüringen und Niedersachsen.
  • Edeka Minden-Hannover mit ihrer Zentrale in Minden (Ostwestfalen) ist die größte Regionalgesellschaft und für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg, Bremen und den nördlichen Teil Nordrhein-Westfalens zuständig.
  • Edeka Nord in Neumünster: in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und im Norden von Niedersachsen und Brandenburg vertreten.
  • Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen in Rottendorf konzentriert sich auf Franken, Teile der Oberpfalz, Sachsen und Thüringen.
  • Edeka Rhein-Ruhr mit Sitz in Moers ist für den größten Teil von Nordrhein-Westfalen sowie angrenzende Gebiete in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen zuständig.
  • Edeka Südbayern in Gaimersheim bei Ingolstadt ist für die südlichen Teile Bayerns zuständig.
  • Edeka Südwest mit Sitz in Offenburg bedient Baden-Württemberg (außer Tauberfranken und Landkreis Ravensburg), Teile von Unterfranken/Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Südhessen.

2005 übernahm die Edeka-Gruppe die Spar-Kette und gliederte damit den Discounter Netto  ein, zu dem 1250 Filialen gehören. Zu Edeka gehören seitdem folgende Discounter und Supermärkte:

  • diska: Kleinverbrauchermärkte von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen
  • Netto Marken-Discount: Nationale Discountschiene der Edeka mit Sitz im bayerischen Maxhütte-Haidhof
  • NP-Markt: Discounter von Edeka Minden-Hannover mit über 400 Filialen
  • Nah & Gut: Sogenannter Nachbarschaftsmarkt mit bis ca. 400 m², meist in kleinen Orten
  • EDEKA xpress: Nahversorgungsmarkt bis 600 m² Verkaufsfläche. Der Fokus liegt auf Artikeln des täglichen Bedarfs.
  • Ihr Frischmarkt: Nahversorgungsmärkte im Franchise-System der Lüning-Gruppe mit Verkaufsflächen <1000 m². Vertriebsschwerpunkt liegt in NRW.
  • Elli-Markt: Filialen der Lüning-Gruppe mit durchschnittlich 1000–1600 m² in Ostwestfalen-Lippe, NRW, an der die EDEKA Minden-Hannover zu 49 % beteiligt ist. Die Filialen verfügen über das EDEKA Sortiment, firmieren jedoch mit eigenständiger Werbung und als eigenständige Marke mit dem Zusatz „Partner der EDEKA“.
  • EDEKA: Zusammenfassung der Vertriebsformate Aktivmarkt und Neukauf mit einer Verkaufsfläche von durchschnittlich unter 1.000 bis 2.000 m², teilweise 2.500 m², die zum großen Teil privat, aber auch in Regie geführt werden.
  • EDEKA aktiv markt: Oftmals privat geführter Supermarkt mit ca. 400 bis 1.000 m², meist in Stadtteilen oder größeren Dörfern, teilweise unter Regie von Edeka
  • EDEKA neukauf: Sowohl privat als auch zentral geleiteter Verbrauchermarkt zwischen 1.000 und 2.500 m²
  • City Supermarkt: Filialen von Edeka Südwest
  • kupsch: Filialen der EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen, vor allem in Unterfranken zu finden
  • Super 2000: Markenlabel für Supermärkte

Hinzu kommen noch die SB-Warenhäuser Marktkauf, E-Center, Herkules-Center und Ratio. Daneben besitzt die Edeka-Gruppe noch einige Fachhandelsketten. Den Bäckerei-Filialen kommen dabei die größte Bedeutung zu. Diese beliefern die Edeka-Märkte, treten jedoch auch selbstständig auf. Alle Filialen zusammengenommen betreibt Edeka die größte deutsche Backshop-Kette. Zu den Fachhandelsketten gehören:

  • Neukauf-Reisen: 12 Reisebüros von Edeka Südwest
  • Edeka Städte- und Wellness-Reisen: Tochter von Edeka Rhein-Ruhr
  • Profi-Getränke-Shop: Getränkefachmärkte Edeka Südwest
  • K & U Bäckerei: Bäckereifilialen von Edeka Südwest
  • Dallmeyers Backhus: Bäckereifilialen von Edeka Nord
  • Bäckerhaus Ecker: Bäckereifilialien, als Tochter der K & U im Bereich Saarland mit Zentralsitz in Homburg.
  • Büsch: Bäckereifilialen von Edeka Rhein-Ruhr
  • Backstube Wünsche: Bäckereifilialen von Edeka Südbayern, Sitz in Gaimersheim bei Ingolstadt und ein weiteres Backzentrum in Kolbermoor bei Rosenheim, über 270 Filialen
  • Schäfer’s Brot- und Kuchen-Spezialitäten: Backwarenkette von Edeka Minden-Hannover, die auch unter den Linien Thürmann, Hilbig, Nowack, Semmel Brösel auftritt.
  • Sport-Treff: 26 Standorte, Tochter von Edeka Hessenring
  • Getränke-Treff
  • Technik-Partner: Elektro-Fachmarkt von Edeka Hessenring (Rheika-Delta Warenhandelsgesellschaft mbH)
  • Top-Getränke: Getränkefachmärkte von Edeka Rhein-Ruhr
  • Trinkgut: 230 Getränkefachmärkte in West- und Norddeutschland. 2010/11 übernommen durch Edeka Rhein-Ruhr
  • Trinkkauf: Top-Getränke übernahm zum 1. März 2009 die 18 Filialen der Getränkekette. Diese wurden 2009 auf Top-Getränke umfirmiert.
  • Fleischhof Rasting: Metzgerei von Edeka Rhein-Ruhr

Im Jahr 2015 übernahm die Edeka-Gruppe die Kaiser‘s Tengelmann-Supermärkte, womit die Umstrukturierung des Konzerns weiter fortgeführt wurde. Am 15. Februar 2018 löste eine Kooperation zwischen der Telekom und Edeka smart, der unternehmenseigenen Prepaid-Mobilfunkmarke, die Zusammenarbeit mit Vodafone und Edeka mobil ab. Das Unternehmen ist damit nicht mehr nur im Lebensmitteleinzelhandel und Großhandel tätig.

Über 11.000 Edeka-Filialen gibt es in Deutschland. Foto: Patrick Seeger/dpa

Das Sortiment bei Edeka

Im Sortiment der Edeka-Geschäfte sind hauptsächlich Nahrungs- und Genussmittel zu finden, die durch Drogerie-Waren und andere Non-Food-Artikel ergänzt werden. Die Eigenmarke Bio Wertkost wurde bereits 1999 ins Leben gerufen, unter deren Namen Produkte vertrieben werden, die aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen. 2001 nahm Edeka unter dem Namen "gut & günstig" Eigenprodukte zu Discounter-Preisen ins Sortiment. 

Das Vollsortiment in den Edeka-Märkten umfasst 12.000 bis 25.000 Artikel – neben Eigenmarken werden mittlerweile auch viele vegane und vegetarische sowie Bio-Produkte verkauft. Die Verkaufsflächen der Märkte variieren zwischen 800 und 2500 Quadratmetern. 

Edeka im Ausland

Auch außerhalb Deutschlands gibt es Edeka. Das Unternehmen ist mittlerweile in Dänemark unter dem Namen "Edeka Danmark" sowie in Tschechien ("CS-Edeka") vertreten. Mit den Supermarktketten Intermarché, Coop (Schweiz), Eroski und anderen hat sich Edeka zur Händlervereinigung Agecore zusammengeschlossen. Zudem ist Edeka am niederländischen Online-Supermarkt "Picnic" beteiligt. 

Kritik an Edeka

Wie viele andere Großunternehmen, blieb auch Edeka in den vielen Jahren seiner Existenz nicht von Kritik verschont. 2007 berichtete Greenpeace von einer hohen Pestizidbelastung im Obst- und Gemüse-Sortiment der Handelskette. Zwei Jahre später erstellte das Freiburger Öko-Institut eine Liste von Pestiziden, die den Obst- und Gemüsebauern empfohlen wurden, die Edeka beliefern. Das Ergebnis: Drei bis fünf der angewendeten Chemikalien galten als krebserregend, nur drei der 145 auf der Liste als "unbedenklich" markierten Stoffe waren in Deutschland überhaupt zugelassen.

Zudem wurde 2008 bekannt, dass Edeka seine Mitarbeiter illegal überwachen und über private Dinge aushorchen ließ. Das Unternehmen distanzierte sich danach von den beauftragten Detektiven. Die Gewerkschaft ver.di warf dem Unternehmen 2012 vor, einen Niedriglohn-Sektor gezielt aufzubauen. 140.000 der insgesamt 306.000 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile ohne jeglichen tariflichen Schutz oder Betriebsrat. Der NDR berichtete darüber hinaus im August 2014, dass Verbraucherschützer die mangelhafte Transparenz im Zusammenhang mit der Edeka-Marke Gutfleisch kritisieren. 

Die Tierrechtsorganisation Animal Equality wies kurze Zeit später auf die schlechten Bedingungen in den Schweinemastbetrieben hin, die Edeka beliefern. Daraufhin wurden die genannten Zuliefer-Betriebe vom Unternehmen gesperrt. 2020 wurde bekannt, dass Edeka Rückvergütungen von zwei Prozent des Umsatzes 2019 von Obst- und Gemüselieferanten verlange, um damit das 100-jährige Firmenjubiläum zu finanzieren. Im selben Jahr landete Edeka bei einem Supermarkt-Check von Oxfam von 16 analysierten Märkten auf dem letzten Platz.

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