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Kirchenasyl beschützt Flüchtling in Ahaus vor Abschiebung

Hetze im Netz: Dieser Abschiebungsfall sorgt für Aufruhr

Emanuel ist seit August 2017 in Deutschland. Der Asylantrag des Nigerianers wurde abgelehnt. Jetzt sollte er abgeschoben werden – doch der Mann fand einen Ausweg: das Kirchenasyl.

Von Stefanie Masuch

Fürs Erste heißt es Aufatmen: Das Kirchenasyl gewährt Emanuel Zuflucht. Foto: picture alliance / dpa

Ahaus – Es ist Donnerstagnacht (17. Mai) gegen 2.30 Uhr. In der evangelischen Freikirche an der Scheckenheide stehen vier Personen. Sie warten gespannt auf ein vorfahrendes Auto. Besonders aufgeregt ist Emanuel, denn für ihn sind die nächsten Minuten entscheidend.

Der 20-Jährige aus Nigeria müsste eigentlich in das Auto steigen, das draußen auf ihn wartet. Die Ausländerbehörde hatte ihn zwei Tage zuvor über seine geplante Rückführung nach Italien informiert. Laut dem Dublin-III-Abkommen müsste er dorthin abgeschoben werden, da dies das erste EU-Land war, in das er einreiste. Dort müsste er das Prozedere noch einmal durchlaufen. Ohne Gewissheit, ob er diesmal bleiben darf.

Kirche besteht auf ihr Hausrecht: Emanuel bleibt

Drei Leute sind in dieser Nacht anwesend, um Emanuel zu unterstützen: Die Pfarrerin der Gemeinde, ein Angestellter des Instituts für Theologie und eine Mitarbeiterin des Netzwerks Kirchenasyl Münster. Denn der junge Mann befindet sich seit Anfang Mai im Kirchenasyl. Das bedeutet, dass er ein Zimmer in der Gemeinde hat und die Kirche bei einer Abholung auf ihr Hausrecht pochen kann.

Und so kommt es dann auch: Der Beamte der Behörde steht zwar vor der Tür, kann den Flüchtling aber nicht mitnehmen. Die Ausländerbehörde respektiert das. In den letzten zwei Jahren wurden nur zwei Personen aus einem Kirchenasyl herausgeholt. Ein Fall davon war in Münster.

Wie es jetzt für Emanuel weitergeht, bleibt abzuwarten. Am 25. Mai ist die sechsmonatige Frist abgelaufen. Dann muss Emanuels Asylverfahren nicht mehr von Italien, sondern von Deutschland geprüft werden.

Fall sorgt für Hetze im Netz

Auf den Fall wurde auch der WDR aufmerksam und brachte am Donnerstagabend einen Beitrag in der Lokalzeit Münsterland. Doch der 2-Minüter sorgte für ordentlich Wirbel. Ein Twitter-User machte per Kurzmeldung die Polizei darauf aufmerksam, dass hier seiner Meinung nach das Kirchenasyl missbraucht werde.

Mit 100 Likes und 136 Retweets fühlte er sich schnell bestätigt und legte am Mittwochmorgen (23. Mai) noch mal nach: "Nach über 250 Twitter Erwähnungen hat die Polizei ganz sicher Kenntnis dieses möglicherweise strafbaren Sachverhaltes aus dem TV wegen Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt. Weiß man dort auch was Strafvereitelung ist?", fragt er auf Twitter.

Doch ganz so brisant ist der Fall gar nicht, eine Straftat liegt auch nicht vor. Das Kirchenasyls wird zwar häufig genutzt, um eine Wiederaufnahme oder erneute Prüfung des Verfahrens einzuleiten. Der Grund, einem Flüchtling einen solchen Schutz zu gewähren, ist aber, ihn aus Härtefallgründen vor der Abschiebung zu bewahren. Diese Gründe sind auch bei Emanuel gegeben, erklärte ein Mitarbeiter des Instituts für Theologie gegenüber der Münsterland Zeitung.

In Borken wurden vor einer Grundschule Hetz-Aufkleber angebracht – darunter befanden sich Rasierklingen.

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