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  5. Gegen einen 33-jährigen Mann aus Olfen wird vor dem Landgericht Münster wegen Kindstötung verhandelt

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Prozess am Landgericht Münster gegen 33-jährigen Olfener

Kind (3) stirbt nach "stumpfer Gewalt" gegen den Kopf

Körperverletzung mit Todesfolge: So lautet die Anklage gegen einen 33-Jährigen Mann aus Olfen. Dieser soll im Januar 2016 das Kind seiner Freundin mit dem Kopf gegen den Boden geschlagen haben, so dass der dreijährige Junge wenig später starb.

Von Sohrab Dabir

Vor dem Landgericht Münster kam es zum Prozess gegen den 33-Jährigen. Foto: Sohrab Dabir

Olfen – Irgendwann kamen die Tränen. Als die Geschädigte im Gerichtssaal die Stunden rekonstruieren sollte, an dem das Schreckliche geschah, brachen die Dämme bei der 28-Jährigen. Am 20. Januar 2016 fand sie ihren dreijährigen Sohn bewusstlos in der Wohnung ihres Lebensgefährten. Sie war nur eine knappe halbe Stunde aus dem Haus. Was war geschehen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstag (15. Mai) das Schwurgericht des Landgerichts Münster. Angeklagt war ein 33-jähriger Mann aus Olfen im Kreis Coesfeld. Ihm wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, den dreijährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin in ihrer Abwesenheit aus dem Kinderbett genommen und mit dem Kopf gegen den Boden geschlagen zu haben. Vier Tage später starb das Kind an seinen schweren Verletzungen.

Der Abend des 20. Januar 2016

Gegen 22.20 Uhr machte sich die Mutter des Kindes vom Haus des Angeklagten auf den Weg zu McDonalds. Ihr Sohn war zu der Zeit, so die Anklageschrift, im Kinderbett im Wohnzimmer und schlief. Kurz nachdem die Frau die Wohnung verließ, fing der Dreijährige an zu schreien. "Ich wusste nicht, was mit ihm war und dachte, er beruhigt sich gleich", schilderte der Beschuldigte die Szenerie. Der Junge habe nach der Mutter gerufen und gebeten, aufs Klo gehen zu dürfen. "Ich habe ihm gesagt, dass er gehen kann", so der 33-Jährige. Dabei soll das Kind laut Aussage des Angeklagten, aus dem Bett gefallen und mit dem Kopf auf den Boden gestoßen sein.

Daraufhin habe er Erste-Hilfe-Maßnahmen am Jungen unternommen, ihn ins Bad getragen und kalt abgeduscht, erzählte der Mann unter Tränen vor Gericht. Seiner Lebensgefährtin habe er daraufhin eine SMS geschrieben: "Komm schnell, Schatz! Dem Kind geht's nicht gut." Als die Mutter kurze Zeit später in der Wohnung war, sah sie ihren Sohn bewusstlos auf der Couch liegen, völlig durchnässt. Gemeinsam brachten die beiden den Jungen in die Notfallklinik nach Datteln. Von dort aus wurde er in die Uniklinik Essen verlegt, wo vier Tage später nur noch sein Tod festgestellt werden konnte.

Gutachten spricht gegen die Version des Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft zweifelte an der Version des Angeklagten. Laut gerichtsmedizinischem Gutachten sei der Dreijährige durch "stumpfe Gewalt" verletzt worden. Der Tathergang, so wie ihn der Beschuldigte beschrieb, sei demnach auszuschließen, so der Staatsanwalt. Dem Olfener legte dieser nahe, "über ein Geständnis nachzudenken". Stutzig machten Staatsanwaltschaft und Richter zudem die Tatsache, dass in der Nähe des Kinderbettes zwei Blutstropfen gefunden wurden. Blut des Kindes. Im Gerichtssaal führte der Angeklagte zudem aus, das Kind hätte sich am Kopf gestoßen, als der Mann es auf den Händen aus der Badewanne tragen wollte – ein Detail, das der Beschuldigte bei der ersten Vernehmung unerwähnt ließ. Dies sorgte ebenfalls für Skepsis am Wahrheitsgehalt der Aussagen des Mannes.

"Er war vor dem Unfall ein liebevoller und ruhiger Mensch. Das hat sich nach diesem Tag schlagartig geändert", erzählte die Mutter des Kindes vor Gericht. Der Mann sei danach immer aggressiver und eifersüchtiger geworden. Wochen nach der Tat habe er ihr gegenüber eingeräumt, das Kind am Abend des 20. Januar 2016 "geschubst" zu haben. "Er hat zuvor immer beteuert, dass es ein Unfall war. Ich hoffe, dass es stimmt", so die sichtlich aufgelöste 28-Jährige.

Was passierte mit dem Dreijährigen an diesem Abend? Der Prozess im Landgericht ist auf vier Verhandlungstage ausgelegt. Am 28. Mai wurde er in Münster fortgeführt. Am 19. Juni fiel das Urteil. Die Details gibt's hier.

Kürzlich fiel in der Domstadt außerdem das Urteil in einem dramatischen Prozess: Ein Mann tötete seine Frau und versenkte sie im Teich. Nun wurde er vor dem Landgericht Münster wegen Totschlags verurteilt. Außerdem ereignete sich vor Kurzem in der Nähe ein brutaler Vorfall: Als ein Ladendieb in Olfen erwischt wird, eskalierte die Situation – vier Menschen wurden bei der anschließenden Auseinandersetzung verletzt, einer musste ins Krankenhaus.

Derweil kam es neulich zu einer Schlägerei bei einem Ligaspiel: Bei einer Kreisligapartie in Olfen gab es acht Verletzte. Auslöser war eine Schiedsrichter-Entscheidung.

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