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Netto Marken-Discount: Die günstige Edeka-Tochter

2019 war Netto mit 4273 Niederlassungen im Bundesgebiet der nach Anzahl der Filialen größte Discounter in Deutschland. Die rot-gelbe Billig-Kette ist eine Tochter der Edeka Zentrale Stiftung & Co. KG.  

Von Sven Haverkamp

Der nach Filialen größte Discounter Deutschlands: Netto. Foto: picture alliance / dpa
  • Netto wurde 1928 gegründet
  • Der Sitz des Discounters liegt in Maxhütte-Haidhof, Bayern
  • Das Unternehmen beschäftigt 75.000 Mitarbeiter in 4273 Filialen
  • Netto generiert einen Jahresumsatz von etwa 14,6 Mrd. Euro (2020)

Nicht verwechseln: Das gelb-rote Logo von Netto kennen die meisten Deutschen. Doch es gibt noch eine weitere Supermarkt-Kette, die ebenfalls Netto heisst. Diese hat jedoch ein schwarz-gelbes Logo mit einem Hund. Von 2005 bis 2012 gehörte Edeka ebenfalls ein Viertel dieser Handelskette. 

Die Geschichte vom Netto-Discount 

Das Unternehmen wurde von Michael Schels 1928 in Regensburg als Lebensmittelgroßhandel gegründet. Im Jahr 1971 wurde die erste eigene Einzelhandelsfiliale unter dem Namen SuDi (SuperDiscount) in Beilngries eröffnet, bis 1983 folgten weitere Filialen. 

Das Netto-Discountkonzept wurde 1983 entwickelt und in Regensburg in der ersten Netto-Filiale umgesetzt. Die damals bereits bestehenden 50 SuDi-Filialen wurden bis 1990 dann nach und nach an das neue Konzept angepasst. Zu dieser Zeit eröffneten auch die ersten Märkte in Mittel- und Ostdeutschland, und es wurde eine neue Niederlassung in Guteborn bei Meerane aufgebaut.

Ein neues Logistikzentrum entstand zwischen 1991 und 1992 in Ponholz in der Nähe von Regensburg direkt an der A93. In den folgenden Jahren expandierte Netto Marken-Discount weiter – unter anderem durch die Übernahme von 126 ehemaligen Prima-Märkten. Weitere Niederlassungen in etwa Worms, Hodenhagen, Dettingen am Albuch und Thiendorf entstanden. In den folgenden Jahren gingen bundesweit weitere Logistikzentren ans Netz.

Im November 2004 wurde Netto von der Tiwi Vermögensverwaltungsgesellschaft, einem Tochterunternehmen des Spar-Hauptaktionärs Les Mousquetaires-ITM Entreprises mit der Hauptmarke Intermarché, komplett übernommen. Netto wurde schließlich im April 2005 an Edeka verkauft. Die genossenschaftlich organisierte Edeka-Gruppe gehört zu den führenden Lebensmitteleinzelhändlern in Europa und ist Nummer eins in Deutschland.

Übernahme: Plus wird zu Netto

Im Winter 2006/2007 übernahm Netto nach und nach den Discounter Kondi. Das Warensortiment in noch bestehenden Kondi-Märkten wurde bereits Anfang 2007 auf das Netto-Sortiment umgestellt. 

Am 16. November 2007 wurde von Edeka und Tengelmann die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens mit Plus bekanntgegeben: Die Plus-Filialen sollten nach und nach in Netto-Filialen umgewandelt werden. Das Bundeskartellamt stimmte der Übernahme der Plus-Filialen durch Edeka am 9. Dezember 2008 zu.

Edeka musste allerdings 379 Plus-Filialen an die Konkurrenz abtreten. Edeka übernahm zum 1. Januar 2021 die vom Tengelmann Konzern gehaltenen Anteile und besitzt nun 100 Prozent am Unternehmen. Seit dem 1. Januar 2009 gehört Plus offiziell zum Netto-Marken-Discount und damit zur Edeka-Gruppe. Seit Mitte 2010 sind alle 2300 Plus-Märkte in das Netto-Filialnetz integriert worden.

Die Struktur der Netto-Discounter

Das ursprünglich auf Bayern begrenzte Vertriebsgebiet hat Netto durch die Übernahme der Plus-Märkte auf ganz Deutschland ausgeweitet. Neben der Zentrale und Niederlassung Ponholz gibt es Niederlassungen in Dettingen, Essen, Ganderkesee, Guteborn, Hodenhagen, Worms, Thiendorf, Coswig/Anhalt, Kitzingen, Bad Wünnenberg, Berlin, Bottrop, Hamm, Kerpen, Tuningen, Wörth am Rhein, Krefeld, Erharting, Erfurt und Henstedt-Ulzburg.

Kleinere Verkaufsflächen werden als Netto Marken-Discount City betrieben, welche sich in Büro- oder Wohnhäusern befinden und wegen des begrenzten Platzes keine Aktionsware aus dem Non-Food-Bereich anbieten. Im Sommer 2015 eröffnete Netto sein erstes vollautomatisches Lager in Erharting. Bei Vollauslastung werden von dort bis zu 250 Netto-Marken-Discount-Märkte in Südostbayern beliefert. Ende 2018 folgte Henstedt-Ulzburg als zweiter vollautomatischer Standort, und beliefert etwa 200 Filialen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Alles da: Das Sortiment von Netto

Netto bietet als Discounter die komplette Bandbreite an Artikeln in seinem Sortiment an. Dazu gehören die Bereiche: Lebensmittel, Drogerieartikel, Garten, Heimwerken, Wohnen, Freizeit/Mode, haushalt, Reisen, Fotos und wöchentlich wechselnde Angebote. Mit NettoKOM bietet der Discounter auch Telefontarife an. Einen Großteil des Netto-Sortiments ist auch online verfügbar.

Netto in der Kritik

Wie die meisten großen Supermarkt- und Discounterkletten blieb auch Netto in der Vergangenheit nicht von Kritik verschont. Das Unternehmen geriet seit der Plus-Übernahme immer wieder wegen des Betriebsklimas und Führungsstils in Verruf. So warfen beispielsweise Mitarbeiter einschließlich Führungskräften und Vertreter der Gewerkschaft Verdi dem Unternehmen vor, Mitarbeiter massiv unter Druck zu setzen. Das Unternehmen widersprach sämtlichen Vorwürfen.

Nachdem das Unternehmen wiederholt wegen Lohndumpings und Unterschreitung der Tariflöhne öffentlich kritisiert worden war, kündigte es im April 2011 einen Mindestlohn für Aushilfen von 7,50 Euro pro Stunde zuzüglich tariflicher Leistungen an. Im Jahr 2014 zahlte Netto 7,5 Millionen Euro Strafe für Schein-Werkverträge. Werkarbeiter wurden jahrelang wie Festangestellte eingesetzt, aber nicht so bezahlt.

Beim Supermarktranking von Greenpeace belegte Netto im Jahr 2011 bei 15 getesteten Supermärkten den letzten Platz bei der Umsetzung der Einkaufspolitik für Fischprodukte.

Netto: Die Öffnungszeiten

Pauschale Öffnungszeiten für die Netto-Märkte in Deutschland gibt es nicht. Die Filialen öffnen immer um 7 Uhr morgens. Je nach Region haben die Märkte dann bis 20, 21 oder 22 Uhr geöffnet. In Berlin haben einige Filialen sogar bis 24 Uhr oder Einzelfällen bis 2 Uhr morgens geöffnet.

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