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Corona

NRW mit höchster Inzidenz in Deutschland: Woran liegt das?

Die bestätigten Corona-Fälle in NRW steigen rasant an. Woran das liegt und wie die Politik darauf reagiert.

Von Sohrab Dabir

Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das wieder eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 vorweist. Am Donnerstag (26. August) liegt der Wert bei 122,3 – in Bielefeld sogar bei über 170. Noch vor wenigen Wochen hätte die Bundesnotbremse gegriffen. Seit Kurzem ist die Inzidenz nicht mehr relevant für Corona-Maßnahmen – die 3G-Regel wird in NRW nun angewendet.

Doch woran liegt es, dass in NRW die Zahlen derart in die Höhe steigen und die Inzidenz doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt (66) ist? Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie in Düsseldorf, führt dies auf die hohe Bevölkerungsdichte im Bundesland zurück. 

Hohe NRW-Inzidenz: Metropolen Schuld am Anstieg?

"Es gibt hier viele Metropolen und einen erheblichen Austausch zwischen den Städten. Besonders junge Leute gehen zum Feiern gerne mal nach Köln, Düsseldorf oder Bochum", sagt der Virologe gegenüber dem "Tagesspiegel". Dass das Feiern ohne Abstand risikobehaftet ist, zeigte sich auch jüngst in Ostwestfalen. Mehrere Disko-Besucher in Herford wurden nachträglich positiv auf Corona getestet. Das NRW-Gesundheitsministerium sieht jedoch noch andere Gründe für den Anstieg der Corona-Zahlen.   

Es sei davon auszugehen, so ein Sprecher des Ministeriums, "dass die frühen Ferien in NRW einen Anteil an den im Vergleich zu anderen bevölkerungsreichen Bundesländern frühen Anstieg der Infektionszahlen haben. Der Anteil der Fälle mit mutmaßlichem Infektionsort im Ausland lag in der letzten Woche bei knapp über 9 Prozent", betonte er gegenüber "Bild".  Die Inzidenz spielt für die Politik jedoch kaum noch eine Rolle. Erst kürzlich hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagen, die 50er-Inzidenz ganz aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. 

Karl Lauterbach kritisiert Corona-Politik der NRW-Regierung scharf

Deutliche Kritik an der Vorgehensweise der NRW-Regierung gibt es von Karl-Lauterbach (SPD). "Die steigenden Fallzahlen waren absehbar und überraschen mich nicht", betont er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und wirft der Regierung von Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) zudem vor, die geltenden Regeln kaum zu kontrollieren. "NRW verliert die Kontrolle. Wenn wir bis zur Bundestagswahl so weitermachen werden in den nächsten fünf Wochen zu viele Menschen schwer erkranken", warnt der Sozialdemokrat und fordert unter anderem, die 2G-Regel einzuführen. Also nur noch geimpften und genesenen Personen Zutritt zu Veranstaltungen und anderen Bereichen zu gewähren. Diesen Weg geht seit Kurzem bereits die Stadt Hamburg.

Virologe Jörg Timm sieht die Schuld für den hohen Anstieg der Fallzahlen indes weniger bei der NRW-Regierung. "In NRW gelten ähnliche Maßnahmen wie in vielen anderen Bundesländern", erklärt er und geht davon aus, dass auch im Rest des Landes die Inzidenz bald ansteigen werde. Der einzige Weg aus der Pandemie, so Timm weiter, sei die Corona-Impfung. "Die Menschen müssen sich darüber im Klaren sein, wie wichtig diese Impfung ist. Sie helfe nicht nur der kompletten Gesellschaft, sondern schütze jeden einzelnen Bürger. In NRW ist bislang jeder fünfte Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren sowie 62,2 Prozent der gesamten Bevölkerung komplett gegen das Coronavirus geimpft.

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