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Fremdkörper oder Gift

Rückrufe in Deutschland: Darum wird immer wieder vor Lebensmitteln und Produkten gewarnt

In Deutschland kommt es trotz strenger Kontrollen immer wieder zu Rückrufen von Lebensmitteln und anderen Produkten. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig.

Von Dario Teschner

Bei Lebensmittelproben werden immer wieder Fremdkörper und andere giftige Substanzen entdeckt. (Symbolbild) Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Wenn von einem Produkt Gefahr ausgeht, ist der Hersteller zum Rückruf verpflichtet. 
  • Die Verbraucher haben bei einem Rückruf das Recht auf Umtausch oder Erstattung. 
  • In Deutschland wurden im Jahr 2019 insgesamt 297 verschiedene Produktrückrufe veröffentlicht. 

Erfüllt ein Produkt in Deutschland nicht die Sicherheitsvorschriften, muss es zurückgerufen werden. Sobald Lebensmittel oder Bedarfsgegenstände von einem Rückruf betroffen sind, werden die zuständigen Bundes-Behörden, die eigene Internetplattformen betreiben, tätig, um die Verbraucher zu informieren. 

Auf dem Portal  rueckrufe.de warnt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor gefährlichen Artikeln, die in den Verkauf geraten sind. Die Verbraucher erhalten hier wichtige Informationen zu den Gefahren, die von der Ware ausgehen. Das BAuA ist jedoch nur für Produkte zuständig, die nichts mit Lebensmitteln zu tun haben. Die Behörde bekommt es beispielsweise mit Rückrufen von Kraftfahrzeugen zu tun. Um den Ernährungssektor kümmert sich in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 

Rückruf von Lebensmitteln: Gesundheit geht vor

Ware, die gesundheitsgefährdend ist, wird auf der Internetseite lebensmittelwarnung.de veröffentlicht. Betrieben wird diese Plattform vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Hier informieren die Behörden der 16 Bundesländer über Warnungen sowie Rückrufe. Die Produkte müssen sich bereits im Handel und damit schon bei den Verbrauchern befinden. Auch auf der Website produktrueckrufe.de wird immer wieder vor Produkten gewarnt. Die Plattform wird jedoch von einer Privatperson betrieben und ist kein staatliches Angebot.

Nicht nur gesundheitsgefährdende Artikel, die beispielsweise durch Bakterien oder Pilze verunreinigt wurden, werden aus dem Verkehr gezogen. Auch Ware, die ekelerregend oder geeignet ist, die Verbraucher zu täuschen, muss aus den Regalen wieder verschwinden. Der Verstoß gegen Vorschriften im Anwendungsbereich des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuchs (LFGB) kann ebenfalls zu einem Rückruf führen. Die Zahl der Fälle hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, wie die Auswertung des Portals lebensmittelwarnung.de zeigt. 

Darum ist ein Lebensmittelrückruf für Händler Pflicht

Für den Rückruf von Lebensmitteln im Handel sind in der Regel Fremdkörper oder Verunreinigungen durch Listerien, Salmonellen, Bakterien oder Pilzen verantwortlich. Schon beim Produktionsprozess der späteren Verkaufsware  kann es zu Problemen kommen. Die Kontrolle fängt daher schon bei den Rohstoffen an. Sobald bei der Gefahrenanalyse auch nur ein Verdachtsfall auftritt, sind die zuständigen Unternehmen, wie zum Beispiel Aldi, Lidl, Rewe, Netto oder Edeka dazu verpflichtet, eine Rücknahme- oder Rückrufaktion zu veranlassen.

Grundsätzlich spielt bei Lebensmitteln besonders die Hygiene eine zentrale Rolle. Nicht nur für das Personal gelten strenge Regeln. Auch die Maschinen, die für den Produktionsprozess vonnöten sind, müssen sich ständig in einen ordnungsgemäßen Zustand befinden. Um die Gefahr von Kontaminationen zu minimieren, stehen den Herstellern eine Reihe von Hilfsmitteln wie Siebe, Filter, Magnete aber auch Röntgen- und Ultraschallgeräte zur Verfügung.

Die Lebensmittel werden regelmäßig von Laboren auf Keime, Pilze und die Menge verwendeter Zusatzstoffe überprüft und die amtliche Lebensmittelüberwachung führt Betriebs- und Produktkontrollen durch. Genaue Informationen über das Produkt, das zurückgerufen wird, bekommen Kunden auf den Onlineportalen oder über Aushänge, die in den Märkten zu finden sind. Um die Verbraucher schnell zu informieren, werden auch die Social-Media-Kanäle Twitter und Facebook genutzt.

Rückruf: Spielzeug, Kleidung und Lebensmittel problemlos zurückgeben 

Nicht nur bei Lebensmitteln kommt es zu Fehlproduktionen. Auch bei Kleidung und Spielzeug sind Rückrufe möglich. Immer wieder kommt es vor, dass diese Artikel mit Chemikalien vorbelastet sind. Da bei Färbe- oder Gerbprozessen hohe Konzentrationen entstehen, die die Gesundheit der Konsumenten, insbesondere Kinder, gefährden kann, muss die Ware aus den Regalen verschwinden und vom Hersteller oder Handel zurückgenommen werden. 

Wie bei den Lebensmittel ist das Bundesamt für Verbraucherschutz auch für Kosmetika und Produkte des täglichen Bedarfs zuständig. Zu den Bedarfsgegenständen zählen Artikel, die in engem Kontakt mit dem Menschen verwendet werden: 

  • Lebensmittelverpackungsmaterialien
  • Geschirr und Besteck
  • Spielzeug
  • Kleidung
  • Schmuck
  • Reinigungsmittel
Die Verbraucherzentrale weist Kunden immer wieder auf Gefahren hin und gibt wichtige Tipps, wie man sicher einkauft. Foto: Fredrik von Erichsen

Verbraucher, die in einem Produkt etwas finden, das dort nicht hineingehört, sollten dies beim Händler oder Hersteller umgehend reklamieren. Die Ämter für Lebensmittelüberwachung können hier ebenfalls Ansprechpartner sein. Wer einen Artikel zurückgeben möchte, der von einem Rückruf betroffen ist, kann dies in der Regel problemlos tun. Die Unternehmen verzichten in so einem Fall sogar auf die Vorlage des Kassenbons.

Rückrufe: Die Probleme beim Online-Kauf

Bei Online-Käufen kann es hingegen zu Problemen kommen, warnt die Verbraucherzentrale. Anstelle des Kaufpreises erhalten Kunden hier nicht selten nur einen Ersatzartikel oder einen Gutschein. Außerdem werden die Versandgebühren nicht immer erstattet und der Verbraucher bleibt auf den Kosten sitzen. Auch in Sachen Sicherheit treten beim Onlinehandel Probleme auf, sobald es sich um Ware handelt, die nicht in der EU zugelassen ist.

Warum sollten Rückrufe nicht ignoriert werden?

Verbraucher, die über die Warnung oder den Rückruf eines Produkts hinwegsehen, verlieren im Schadensfall sämtliche Ersatzansprüche, warnt die Verbraucherzentrale. Daher ist es nicht ratsam beispielsweise einen Lebensmittelrückruf zu ignorieren. 

Kunden, die von einer Rückrufaktion jeodch gar nichts erfahren haben, verlieren die Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller nicht, es sei denn der Hersteller hat seine Warnung über sämtliche Medienkanäle publik gemacht. 

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