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Apothekerin aus Tecklenburg berichtet

Sorge um Patienten: Apotheker beklagen Mangel an Medikamenten

Die Apotheker des Münsterlandes sind derzeit in Sorge um ihre Patienten, denn bei der Lieferung von Medikamenten kommt es zu Engpässen. Schuld sei der Spardruck im Gesundheitswesen.

Von Lisa Fraszewski

Engpässe bei der Lieferung von Medikamenten: Die Apotheker im Münsterland sorgen sich um ihre Patienten. Foto: Pexels

Münsterland – Elke Balkau macht sich Sorgen. Die Apothekerin aus Tecklenburg muss ihre Patienten derzeit regelmäßig vertrösten. Der Grund: Engpässe in der Lieferung von Medikamenten.

"Es sind ausgerechnet die Sartane (Blutdrucksenker), die bei mir vor Ärger die Adern schwellen lassen", erklärt sie. Denn insbesondere diese Wirkstoffe, mit denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden, sind derzeit von den Lieferengpässen betroffen.

Mangel an Medikamenten – Lieferengpässe auch im Münsterland

Insgesamt ist die Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die aktuellen Lieferengpässe aufführt, derzeit rund 200 Zeilen lang. Dazu gehören:

  • Sartane (Blutdrucksenker)
  • Schmerzmittel wie Ibuprofen in höherer Dosierung und mit Langzeitwirkung
  • Tropfen gegen erhöhten Augeninnendruck
  • Antidepressiva
  • Mittel gegen Epilepsie

Lieferangepässe: Welche Folgen hat der Mangel an Medikamenten?

In den meisten Fällen können die Lieferengpässe durch andere Präparate überbrückt werden. Dafür muss Elke Balkau die Patienten, die ein Rezept einlösen wollen, aber meist zurück zum Arzt schicken, damit er die Medikation umstellt. "Das kostet uns Zeit, weil wir viel erklären müssen, ist aber vor allem für die Patienten äußerst ärgerlich – und manchmal auch riskant", warnt die Vorsitzende der Bezirksgruppe Steinfurt des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL).

Denn bei Patienten, die mehrere Medikamente zugleich einnehmen müssen, bestünde eine regelrechte Gefahr: Sie könnten das neue, ungewohnte Präparat mit einem ihrer anderen Mittel verwechseln und zur falschen Tageszeit oder in der falschen Dosierung einnehmen. Elke Balkau sieht zudem das Risiko, dass die Patienten – durch das nicht vertraute Präparat verunsichert – die Therapie ganz abbrechen.

Wenn es zu Engpässen in der Lieferung von Medikamenten kommt, müssen Patienten auf Präparate zurückgreifen. Doch damit steigt das Risiko, dass sie ihre Therapie abbrechen. Foto: dpa

Gefährlich wird es auch, wenn Präparate fehlen, die in akut lebensbedrohlichen Situationen helfen. So zum Beispiel im vergangenen Sommer, als die Medikamente gegen einen anaphylaktischen Schock für Insektengift-Allergiker ausblieben.

Darum kommt es zu Lieferengpässen von Medikamenten

"Grund für die Engpässe ist der Spardruck im Gesundheitswesen", erklärt Dr. Klaus Michels. Die Krankenkassen handeln mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus. Diese lassen dann Wirkstoffe kostengünstig im Ausland –meist Asien – produzieren. Aufgrund von Konzentrationsprozessen gebe es dort nur noch wenige, für manche versorgungsrelevanten Wirkstoffe sogar nur zwei Hersteller.

Wenn bei einem davon Produktionsprobleme entstehen, komme es zu den Lieferengpässen. Ferner sei es für Hersteller meist lukrativer, ihre Medikamente in andere Länder zu liefern, in denen höhere Preise als in Deutschland gezahlt werden. "Der Kostendruck ist mittlerweile so hoch, dass die Versorgungsqualität und -sicherheit nicht immer gewährleistet sind", warnt der Vorstandsvorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe.

Derzeit ist noch nicht bekannt, wie lang der Lieferengpass von Medikamenten – von dem auch das Münsterland betroffen ist – anhält. Von einem Notstand kann bislang allerdings nicht die Rede sein, sodass betroffene Patienten derzeit nicht selbstständig reagieren müssen.

/pm

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