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Entlastungspaket

Tankrabatt tritt in Kraft: Wird der Sprit sofort billiger?

Der Tankrabatt ist ein Teil des Entlastungspakets, der am 1. Juni in Kraft getreten ist. Wie wirkt sich dieser auf die Preise für Diesel und Benzin aus?

Von Dario Teschner

In den vergangenen Monaten sind die Energiekosten in die Höhe geschossen. Ein Liter Diesel oder Benzin sind aktuell an den Tankstellen in Deutschland nicht unter zwei Euro zu bekommen. Auslöser war der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der die Kosten an den Tankstellen in die Höhe getrieben hat.

Die Ampel-Koalition hat daher ein Entlastungspaket auf den Weg gebracht, um die Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher abzufedern. Ein Bestandteil ist der Tankrabatt und die damit verbundene Senkung der Energiesteuer, die dafür sorgen soll, dass es an der Zapfsäule ab Mittwoch (1. Juni) für drei Monate etwas günstiger wird.

Tankrabatt: Spritpreise im Mai noch einmal gestiegen

Ab Juni soll der Tankrabatt bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern für Entlastung sorgen. Doch kurz vor Inkrafttreten des Pakets sind die Preise für Benzin und Diesel vielerorts nochmal in die Höhe geschossen. Darüber hinaus ist von Engpässen die Rede.

Möglicherweise wollen die Mineralölkonzerne sich ein finanzielles Polster schaffen, indem sie die Spritpreise jetzt anziehen, berichtet der ADAC. Darüber hinaus nimmt der Verkehrsclub an, dass die Konzerne den Kraftstoff jetzt teurer machen, damit sie die Preise später weniger sinken müssen.

"Das Problem ist, dass der Steuerabzug an der Raffinerie stattfindet. Das heißt alles, was bis 31. Mai geordert wird, ist teurer und erst ab 1. Juni wird’s billiger", sagte Katrin van Randenborgh, ADAC Pressesprecherin. Deshalb geht das Bundesfinanzministerium davon aus, dass die Spritpreise nicht "von heute auf morgen", sondern schrittweise sinken werden.

Habeck: Tankrabatt könnte seine Wirkung verfehlen

Wirtschaftsexperten haben ihre Bedenken geäußert und glauben, dass der Tankrabatt seine Wirkung verfehlen wird. Schon vor dem 1. Juni warnen Tankstellenbetreiber vor Engpässen und langen Staus, weil sie einen riesigen Ansturm befürchten. Benzin könnte knapp werden und daher trotz beschlossener Preissenkung teurer werden. Dem ADAC zufolge könnte es besonders in grenznahen Regionen zu Problemen kommen, weil beispielsweise Autofahrerinnen und Autofahrer aus den Niederlanden den vergünstigten Sprit in Deutschland tanken wollen.

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat nicht ausgeschlossen, dass der Tankrabatt auch zu höheren Spritpreisen führen könnte, "wenn alle am 1. Juni zur Tankstelle fahren würden", wird er im "Stern" zitiert. Darüber hinaus würden einige Tankstellenbetreiber derzeit weniger Kraftstoff einkaufen, da sie diesen für weniger Geld wieder verkaufen müssten. Autofahrern wird daher empfohlen, vor dem Inkrafttreten des Tankrabatts mit ausreichend Sprit unterwegs zu sein, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten.

Tankrabatt: Kartellamt will Preisentwicklung beobachten

In den vergangenen Tagen wurden auch Stimmen laut, die befürchten, dass die Öl-Konzerne den Tankrabatt nicht oder nur zum Teil an den Kunden weitergeben würden. Das Bundeskartellamt kündigte daraufhin an, die Preisentwicklung genau im Blick behalten zu wollen. Seine Behörde schaue intensiv auf den 1. Juni, erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts in einem TV-Interview mit RTL und ntv und versprach, ein Maximum an Transparenz für die Öffentlichkeit und die Politik herzustellen. Man wollte sicherstellen, dass die Preissenkungen auch über den 31. August hinaus bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen.

Wann gibt es den Tankrabatt und wie funktioniert er?

Für den Zeitraum ab dem 1. Juni bis zum 31. August wird die Energiesteuer in Deutschland gesenkt. Das haben Bundestag und Bundesrat beschlossen und somit den Weg für den Tankrabatt frei gemacht, der dafür sorgen soll, dass die Preise für Benzin und Diesel an der Zapfsäule purzeln. Ziel sei es, dass ein Liter Kraftstoff wieder unter 2 Euro zu haben ist. Doch bis die Entlastung tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, könnte es ein paar Tage dauern. Es gibt sogar die Befürchtung, dass die Preise am Ende sogar wieder anziehen könnten, was wiederum Kreml-Machthaber Putin in die Karten spielen würde.

Russland ist weltweit der zweitgrößte Exporteur für Öl und wegen des Kriegs sind die Kosten für Rohöl so stark gestiegen, wie seit Jahren nicht mehr. Bis vor Kurzem hat Deutschland noch rund ein Drittel seines Öls aus Russland erhalten. Aktuell plant die EU jedoch ein Öl-Embargo, um ein neues Sanktionspaket gegen Putin auf den Weg zu bringen. Ungarn blockiert dieses Vorhaben aber noch, weil es rund 65 Prozent aus Russland bezieht.

Tankrabatt: Um so viel sinkt der Spritpreis

Der Preis für Diesel und Benzin besteht zu einem Großteil aus Steuern und Abgaben. Die Energie- beziehungsweise Mineralölsteuer pro Liter Superbenzin beträgt beispielsweise rund 65,5 Cent. Für dieselbe Menge Diesel sind es etwa 47 Cent, so der ADAC. Theoretisch könnte Diesel also circa 19 Cent günstiger sein als Benzin.

Die Realität an den Tankstellen sieht aber anders aus. Vor allem die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine sorgen für stark schwankende Preise. Seit 2022 kommt zudem der CO₂-Preis hinzu. Mit dem befristeten Tankrabatt soll der Preis für Benzin um rund 30 Cent und der Dieselpreis um etwa 14 Cent pro Liter günstiger werden, verspricht Finanzminister Christian Lindner (FDP).

Tankrabatt nur ein Teil des Entlastungspakets

Ob die Spritpreise an den Tankstellen in Deutschland flächendeckend tatsächlich wieder unter zwei Euro fallen werden, wird sich erst in ein paar Tagen zeigen. Der Tankrabatt ist aber nur ein Teil des Entlastungspakets 2022, das den Menschen zugutekommen soll. Folgende Punkte sind darin enthalten:

  • Einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige erhalten eine 300 Euro Energiepreis-Pauschale.
  • Einen Einmal-Bonus gibt es für Familien mit Kindern (100 Euro pro Kind).
  • Sozialleistungsempfänger werden mit 100 Euro unterstützt.
  • Die Kraftstoffsteuer wird für drei Monate gesenkt (1. Juni bis 31. August).
  • Bundesweit wird für drei Monate das 9-Euro-Monatsticket im ÖPNV eingeführt.

Kritiker bemängeln, dass Rentner bei dem beschlossenen Entlastungspaket der Ampel-Koalition vergessen wurden. Für sie wurden keinerlei Bonus-Zahlungen beschlossen. Steuerberater verrieten jedoch, wie Seniorinnen und Senioren doch noch profitieren könnten. Um einen Anspruch auf die Energiepreis-Pauschale in Höhe von 300 Euro zu bekommen, müssten sie lediglich für einen Tag einen Minijob annehmen, berichtete der Spiegel.

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