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Unternehmer reagiert

"Moderne Sklaverei mitten in Deutschland“: Schwere Vorwürfe gegen Tönnies in Sat1-Reportage

Die schlechten Schlagzeilen wird Clemens Tönnies offenbar nicht los. In einer neuen Reportage werden schlimme Vorwürfe gegen den Schlachtbetreiber erhoben. Es geht um moderne Sklaverei, Mietwucher bis hin zu Prostitution.

Von Sohrab Dabir

Ist Clemens Tönnies ein Sklaventreiber? Dieser Vorwurf wird in einer neuen TV-Reportage laut. (Archivbild) Foto: David Inderlied

Der Name Tönnies wird spätestens seit vergangenem Jahr mit viel Negativem assoziiert. Ein großer Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück hatte damals die verheerenden Arbeitsbedingungen der meist osteuropäischen Gastarbeiter aufgedeckt. Nun wurden gegen den Milliardär in einer neuen TV-Doku weitere schwere Vorwürfe laut.

Die 90-minütige Reportage "Inside Tönnies", die am Dienstag (14. Dezember) bei Sat1 ausgestrahlt wurde, offenbarte, dass beim Schlachtbetrieb in Ostwestfalen offenbar neben Ausbeutung und Mietwucher auch Prostitution am Arbeitsplatz die Regel sind. Anwälte des einstigen Schalke-Bosses hatten wohl versucht, die Ausstrahlung der Dokumentation zu verhindern – jedoch vergebens.

Mietwucher und Prostitution bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück?

Nach dem Corona-Skandal bei Tönnies hatte das Unternehmen beteuert, die Arbeitsbedingungen verbessern zu wollen. Wie die Reportage nun aufdeckte, scheint dies nicht geschehen zu sein. Zwar hätten die Werkarbeiter nach dem aufgedeckten Skandal von Tönnies einen deutschen Vertrag mit verbessertem Gehalt bekommen, jedoch habe sich der Unternehmer das Geld durch eine gleichzeitige Mieterhöhung wieder zurückgeholt. Der gebürtige Rheda-Wiedenbrücker sei nämlich nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Vermieter der Angestellten.

Die Dokumentation "Inside Tönnies" deckte zudem auf, dass beim Fleischbetrieb in Ostwestfalen offenbar Prostitution betrieben werde. Weibliche Mitarbeiterinnen würden sich nach Schichtende im Parkhaus des Unternehmens prostituieren. "Der Unternehmer missachtet noch immer deutsche Gesetze", heißt es in der Reportage – es herrsche "moderne Sklaverei mitten in Deutschland". Auch aus der versprochenenen Verbesserung der Lebensumstände der Mitarbeiter sei nichts geworden.

Sat1-Doku: Tönnies wehrt sich gegen Vorwürfe

Noch immer seien Subunternehmen für die Arbeitsverträge bei Tönnies verantwortlich. Besuche bei den Mitarbeitern zuhause offenbarten zudem, in welch katastrophalen Zuständen sie leben – inmitten von verschimmelten Räumen. Eine von Sat1 beim Fleischunternehmen eingeschleuste Journalistin berichtete zudem, dass es den Angestellten nur zwei Mal am Tag erlaubt sei, auf die Toilette zu gehen. Des Weiteren berichtet eine ehemalige Notärztin bei Tönnies von Selbstmorden, abgetrennten Gliedmaßen und psychischen Erkrankungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Das Unternehmen hat die Sat1-Reportage scharf kritisiert und erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen die Macher der Dokumentation. Die Sendung sei "von Anfang an einseitig ausgerichtet, um gegen das Unternehmen und den Unternehmer Clemens Tönnies zu skandalisieren", heißt es in einer Stellungnahme. Zudem sei die verantwortliche Redakteurin zuvor negativ aufgefallen, nachdem sie Clemens Tönnies "mit dem Auto bis zum Privathaus verfolgt" habe. Es seien zudem Falschbehauptungen aufgestellt und ehemalige Geschäftspartner zu Falschaussagen gedrängt worden. Tönnies betont weiterhin, dass der Umbau des Unternehmens hin zu besseren Bedingungen vergangenes Jahr begonnen habe und noch nicht abgeschlossen sei.

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