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  5. Tönnies droht Sat.1 nach Doku: Sender lässt sich "nicht einschüchtern"

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Unterlassungsforderung abgewiesen

"Lassen uns nicht einschüchtern": Streit zwischen Tönnies und Sat.1 geht weiter

Rheda-Wiedenbrück

Eine Dokumentation auf Sat.1 über den Tönnies-Konzern hatte im Dezember für viel Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen wollte gegen die Veröffentlichung vorgehen. Nun hat sich der Sender geäußert.

Von Sohrab Dabir

Deutschlands größtes Fleischwerk und der Stammsitz des Tönnies-Konzerns in Rheda-Wiedenbrück. Für die Sat.1-Reportage wurde eine Arbeiterin eingeschleust, die im Werk mit versteckter Kamera filmte. Foto: dpa

Von moderner Sklaverei war in der Dokumentation "Inside Tönnies" die Rede, die Sat.1 Mitte Dezember ausgestrahlt hatte. Ausbeutung der Mitarbeiter, Mietwucher und gar Prostitution wurden beim Unternehmen in Rheda-Wiedenbrück aufgedeckt. Der Konzern hatte bereits im Vorfeld versucht, die Ausstrahlung juristisch zu verhindern. Nun legte er mit einer Unterlassungsforderung nach.

Sat.1 hat in einer Pressemitteilung das Vorgehen von Tönnies scharf kritisiert. "Jetzt sollen wieder mal Juristen Kritiker zum Schweigen bringen", beginnt das am Donnerstag (13. Januar) veröffentlichte Statement. Der Fleischkonzern versuche, weitere Ausstrahlungen der Doku juristisch zu verhindern – in einem 28-seitigen Schreiben sei der Sender dazu aufgefordert, zentrale Punkte seiner Reportage nicht mehr auszustrahlen.

"Nerv getroffen": Sat.1 wehrt sich gegen Tönnies

Sat.1 kündigte an, die Unterlassungserklärung nicht abzugeben. "Mit der Investigativ-Reportage über die Zustände von Wohnungen und unvorstellbare Arbeitsbedingungen in und um das Fleischimperium Tönnies haben wir offensichtlich einen Nerv getroffen. Wir lassen uns juristisch nicht einschüchtern", erklärte Sat.1-Chefredakteurin Juliane Eßling. Schon während der Dreharbeiten in Rheda-Wiedenbrück habe Tönnies mit rechtlichen Schritten gedroht, "anstatt auf die simple Frage der Reporter:innen zu antworten: Wie viele Menschen im Tönnies-Werk sind zum Mindestlohn beschäftigt?"

Weiter erklärt Sat.1-Sprecher Christoph Körfer, dass der Sender nach der Ausstrahlung am 14. Dezember viele Anrufe von Menschen bekommen habe, "die unter dem System Tönnies leiden". Daher sei es eine gesellschaftliche Verpflichtung, die Reportage weiter jedem zugänglich zu machen (hier abrufbar). Weiteren juristischen Auseinandersetzungen mit dem Fleischkonzern sehe man "sehr gelassen entgegen", endet die Pressemitteilung des Senders.

Die Sat.1-Reportage war nicht das erste Mal, dass der ostwestfälische Konzern in die Kritik geriet. 2020 hatte es bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück einen großen Corona-Ausbruch gegeben. Im Zuge dessen wurde erstmals öffentlich über die Arbeitsbedingungen beim Unternehmen des ehemaligen Schalke-Bosses debattiert.

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