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Chronik

Bedrückendes Jubiläum: Ein Jahr Corona in Deutschland – das sagte Jens Spahn damals zur Lage

Ein Jahr Coronavirus in Deutschland. Lange hatte Jens Spahn gesagt, dass Deutschland gut vorbereitet sei. Nicht erst heute steht er dafür in der Kritik.

Von Lea Sarah Wolfram

Ein Jahr ist es nun her, dass das Coronavirus nachweislich auch in Deutschland angekommen ist: Am 27. Januar, einem Montag, gab das bayrische Gesundheitsministerium am spätabends bekannt, dass sich ein Mann aus Bayern mit dem neuartigen Erreger Sars-CoV-2 angesteckt hatte. Genau ein Jahr später ist die Zahl der Infektionen in Deutschland mittlerweile auf über 2,1 Millionen Fälle gestiegen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete. Wie lautete die Einschätzung der Lage von Jens Spahn damals?

Denn der Bundesgesundheitsminister musste sich im Nachhinein teils harscher Kritik stellen: Ihm wurde bereits kurz nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie vorgeworfen, die Lage nicht ernst genug genommen zu haben. Deutschland habe sich als weniger gut vorbereitet erwiesen als Jens Spahn (CDU) zuvor behauptet habe. Ein Blick zurück verrät, wie es damals ablief.

Name:Jens Spahn
Geboren16. Mai 1980 (Alter 40 Jahre), Ahaus
Größe:1,92 Meter
Ehepartner:Daniel Funke (verheiratet seit 2017)
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Ausbildung:FernUniversität in Hagen Regionalzentrum Hagen (2003 bis 2017), FernUniversität in Hagen Regionalzentrum Hagen

Schlechte Vorbereitung auf die Corona-Pandemie? Kritik an Jens Spahn wegen Mangel an Schutzkleidung

  • 31. Dezember 2019: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (CDC) werden über vermehrte Meldungen über schwere Lungenentzündungen in der chinesischen Region rund um Wuhan informiert. Die chinesischen Behörden teilten mit, dass der dafür verantwortliche Erreger noch nicht identifiziert werden konnte. Bis zum 4. Januar 2020 wurden der WHO insgesamt 44 dieser Krankheitsfälle aus Wuhan gemeldet.
  • 1. Januar 2020: Der Fischmarkt in Wuhan wird von örtlichen Behörden geschlossen und der Platz desinfiziert.
  • 7. Januar 2020: Chinesische Behörden geben bekannt, dass sie ein neuartiges Coronavirus bei den Erkrankten identifizieren konnten.
  • 23. Januar 2020: Jens Spahn sagt in den Tagesthemen, dass der Austausch über die Virus-Lage in der internationalen Gemeinschaft gut funktioniere – besser als bei der SARS-Epidemie 2003. Spahn zieht im Zusammenhang mit dem neuartigen Virus einen Vergleich mit der saisonalen Grippe, die jedes Jahr etwa 20.000 Tote fordere: „Auch das ist eben ein Risiko, das wir jeden Tag haben.“ Im Vergleich dazu sei die Erkrankung mit dem neuartigen Erregern milder.
  • 26. Januar 2020: Das Robert-Koch-Institut stuft die Region Hubei samt der Stadt Wuhan als erstes Risikogebiet in China ein.
  • 27. Januar 2020: In Bayern wird die erste Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Über den ersten Corona-Fall in Deutschland berichtete damals auch Judith Rakers in der Tagesschau.* Der 33-jährige Mitarbeiter vom Autozulieferer Webasto hatte am 20. Januar an einer Schulung mit einer Referentin aus Shanghai teilgenommen.
  • 28. Januar 2020: Jens Spahn sagt, Deutschland sei gut auf das Virus vorbereitet und mahnt zur „wachsamen Gelassenheit“. Der Nachweis von Infektionsketten würde funktionieren und die Gesundheitsgefahr, die von dem Virus ausgehe, sei gering, sagte der Bundesgesundheitsminister unter Berufung auf das RKI. „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund“, sagte er damals bei einer Presseerklärung, doch man nehme das Virus „sehr, sehr ernst.“
  • 30. Januar 2020: Die WHO ruft eine internationale Gesundheitsnotlage aus.
  • 3. Februar 2020: Jens Spahn hält Deutschland im Falle steigender Infektionszahlen weiterhin für gut gerüstet, zum Beispiel im ARD-Morgenmagazin: „Für diese Situation jetzt haben wir Intensivstationen, ausreichend Isolierstationen und -zimmer und die Ausstattung, die wir brauchen“, und: „Wir haben ja gelernt aus den letzten Jahren.“ Damit verweist der CDU-Politiker erneut auf die zurückliegenden SARS- und EHEC-Epidemien. Gleichzeitig wird über Personalmangel im Gesundheitssystem geklagt. Zudem sagte Spahn, dass man „noch lange nicht“ von einer Epidemie sprechen könne.
  • 12. Februar 2020: Im Gesundheitsausschuss bezeichnet Jens Spahn die Annahme, dass eine Virus-Pandemie ausbrechen könne, als „zurzeit irreale Vorstellung“, wie die Tagesschau berichtete.
  • 24. Februar 2020: Angesichts der Entwicklung in Deutschland schließt Jens Spahn weitere Maßnahmen nicht aus. Dabei stützt sich der Bundesgesundheitsminister auf das Infektionsschutzgesetz, das weitere Möglichkeiten vorsehe – zum Beispiel das Absagen von Großveranstaltungen oder Schul- und Kita-Schließungen. Über Maßnahmen müsse im Einzelfall sowie „angemessen und verhältnismäßig“ entschieden werden, sagte Spahn damals. Noch immer schätzte der CDU-Mann ein, dass Deutschland gut vorbereitet sei.
  • 26. Februar 2020: Mittlerweile sieht Jens Spahn Deutschland am Beginn einer Epidemie und bittet die Gesundheitsminister der Länder, ihre Pandemie-Pläne zu aktualisieren und, falls notwendig, in Kraft zu setzen. Zudem berät sich Spahn mit Ärzten, Vertretern von Krankenkassen, Kliniken und Apotheken sowie aus Pflegeeinrichtungen zum weiteren Vorgenen. Von der Absage von Großveranstaltungen distanziert sich Spahn zu diesem Zeitpunkt noch: Man könne nicht „das gesamte öffentliche Leben in Deutschland, Europa und der Welt beenden“, sagte der Gesundheitsminister im Gespräch mit der Tagesschau. Denn auch die Abriegelung ganzer Städte und Regionen würden das Infektionsgeschehen nicht stoppen, sagte der Minister mit Verweis auf die Wuhan-Region in China und der Lombardei in Italien (letztere wurde am 8. März komplett abgeriegelt).
  • 4. März 2020: In einer Regierungserklärung lobt Spahn, dass Deutschland die Corona-Krise bisher gut gemeistert habe. Das Virus stelle für die Bevölkerung eine große Herausforderung dar, sagte er weiter: „Die Folgen von Angst können weit größer sein als die durch das Virus selbst.“ Am selben Tag erließ der Bund kurz zuvor ein Exportverbot für Atemschutzmasken und Schutzkleidung, womit die Politik auf knapp werdende Vorräte reagierte. Zudem wurden die Personaluntergrenzen in Krankenhäusern gelockert, um Kliniken zu entlasten.
  • 9. März 2020: Während Jens Spahn an Veranstalter appelliert, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen abzusagen, spricht sich der Gesundheitsminister gegen die Schließung von Schulen und Kitas aus.
  • 10. März 2020: Jens Spahn schreibt einen Gastbeitrag in der Tageszeitung Bild und warnt, dass die Epidemie noch lange nicht ausgestanden sei: „Wir erwarten einen weiteren Anstieg der Infektionen“, schrieb der Minister. Während er weitere Einschränkungen im Alltag ankündigt, distanziert sich Spahn noch immer von Schul- und Kita-Schließungen.
  • 12. März 2020: Die WHO ruft eine Pandemie aus.
  • 14. März 2020: Der Bund wendet sich gegen angebliche „Fake News“ – es werde behauptet, dass die Regierung das Leben in Deutschland massiv einschränken werde. Dies weist das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn ausdrücklich über Twitter als falsch zurück.
  • 16. März 2020: Bund und Länder erlassen erste weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Unter anderem werden Bars, Restaurants, Diskotheken, Museen, Kinos, Zoos, Schwimm- und Spaßbädern, Fitnessstudios und viele Geschäfte des Einzelhandels geschlossen. Zudem werden Besuchsregelungen unter anderem in Pflegeeinrichtungen beschlossen.
  • (Erstellt unter anderem mithilfe des Faktenfinders der Tagesschau)

Auf die ersten Beschränkungen Mitte März folgten bald weitere Maßnahmen: Am 2. April riet das RKI zum Tragen von Masken. Am 3. April herrschte jedoch in ganz Deutschland ein eklatanter Mangel an Schutzkleidung, -masken und -handschuhen, die vor allem in Krankenhäusern und der Pflege für den Infektionsschutz dringend benötigt wurden. Auch der Nachschub, den das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn geordert hatte, deckte den Bedarf nicht. Mittlerweile sind ausreichend Materialien vorhanden. Es hatten auch einige inländische Hersteller ihre Produktion umgestellt, um den Bedarf an medizinischer Ausrüstung zu decken und gleichzeitig weiter produzieren zu können.

Corona-Impfungen in Deutschland: Weitere Kritik an Jens Spahn

Nach dem Mangel an Schutzkleidung im Frühjahr 2020 steht der Bundesgesundheitsminister heute erneut in der Kritik für die Handhabe des Bundes in Sachen Corona-Schutzimpfungen. Während andere Länder bereits viele Menschen geimpft haben, läuft der Impfstart in Deutschland schleppend an. Für die Impfstrategie räumte Jens Spahn bereits Fehler ein, nachdem er diese lange verteidigt hatte.

Zudem brachte der CDU-Politiker weitreichende Maßnahmen ins Spiel: So fordert Jens Spahn Export-Genehmigungen für EU-Impfstoffe. Damit soll sichergestellt werden, dass die hier produzierten Wirkstoffe nicht scharenweise exportiert würden, während in Europa zu wenig überbleibe. Zudem könnte Jens Spahn bald den Impfplan in Deutschland anpassen – denn der Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca sorgt möglicherweise für nur wenig Impfschutz bei Älteren. Demnach könnten bald in Deutschland auch jüngere Menschen viel früher als gedacht eine Schutzimpfung erhalten. (*Owl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

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