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Gerichtsprozess

Wegen Vergewaltigung von Patientinnen – Anklage gegen Arzt erhoben

Gegen einen früheren Arzt des Sankt-Elisabeth-Krankenhauses in Gütersloh hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Ihm wird Vergewaltigung vorgeworfen.

Von Dario Teschner

Gütersloh – Am Donnerstag (16. April) teilte die Staatsanwaltschaft Bielefeld mit, dass sie die Anklage gegen einen früheren Anästhesisten des Gütersloher Sankt-Elisabeth-Krankenhauses fertiggestellt habe. Die Behörde erhebt gegen Nils T. (43) aus Oelde (Kreis Warendorf), schwerwiegende Vorwürfe. Die Liste ist lang: Vergewaltigung in zwei Fällen, sexuelle Übergriffe in zwei Fällen, Beleidigung in drei Fällen und Besitz kinderpornografischen Materials. Seine Opfer soll der Arzt unter anderem im Aufwachraum der Klinik in Gütersloh betäubt und missbraucht haben.

StadtGütersloh
Einwohner100.861 (31. Dezember 2019)
BundeslandNRW

Gütersloh: Vergewaltigungen im Krankenhaus – erster Fall wurde im Dezember bekannt

Mitte Dezember 2020 geriet der erste Vergewaltigungsverdacht an die Öffentlichkeit. Eine 36-jährige Frau, die als Patientin im Sankt-Elisabeth-Krankenhaus in Gütersloh behandelt worden war, informierte nach ihrer OP das Klinikpersonal und erhob gegen ihren damaligen Anästhesisten schwere Vorwürfe. Die Leitung der Klinik entschied sich dazu, die Polizei zu verständigen. Der verdächtige Nils T. wurde daraufhin verhaftet und sitzt seit dem 16. Dezember in Untersuchungshaft.

Ein weiteres mutmaßliches Missbrauchsopfer meldete sich bei der Polizei Gütersloh, nachdem der erste Fall bekannt geworden war. Die Patientin sagte aus, im Oktober 2020 von dem beschuldigten Arzt vergewaltigt worden zu sein. Öffentlich wandte sich das Krankenhaus an die Geschädigten und bot ihnen Hilfe an. Auch die Polizei suchte nach weiteren Personen, die in dem Krankenhaus in Gütersloh möglicherweise Opfer einer Vergewaltigung wurden. Von wie vielen Frauen in der Anklage der Staatsanwaltschaft Bielefeld die Rede ist, ist nicht bekannt.

Gütersloh: Vorwurf der Vergewaltigung – Landgericht Bielefeld muss Anklage noch zulassen

Das Landgericht Bielefeld muss über die Zulassung der Anklage noch entscheiden. Der 14. Juni wurde als erster Prozesstag bereits reserviert, denn andernfalls würde die Sechsmonatsfrist, nach der ein Untersuchungsgefangener in der Regel spätestens vor Gericht gestellt werden muss, ablaufen. Rechtsanwältin Anne Patsch übernimmt die Verteidigung von Nils T. aus Oelde. Eine Sprecherin des Sankt-Elisabeth-Hospitals geht von einer erdrückenden Beweislast aus: „Die Vorstellung, dass ein ehemaliger Assistenzarzt aus unseren Reihen zu solch einer niederträchtigen Tat fähig ist und auch das Vertrauen seiner Kolleginnen und Kollegen massiv missbraucht hat, ist schwer zu verkraften“, wurde sie in einem Bericht des Westfalen-Blatts am Freitag (16. April) zitiert.

Man verurteile jegliche Form von Übergriffen. Um intern alle Mitarbeiter noch stärker dafür zu sensibilisieren, führe das Sankt-Elisabeth-Hospital in Gütersloh nun Schulungen zu einem Verhaltenskodex ein. Ermittler der Polizei haben im Dezember das Haus des Arztes durchsucht. Dabei waren sie auf Drogen gestoßen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld nahm deshalb auch den Vorwurf des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz mit auf. Dieser Anklagepunkt richtet sich auch gegen die Ehefrau des Mediziners.

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