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EM in England

«Mega unglücklich»: Tränen bei den DFB-Frauen in Wembley

London (dpa)

Den Europameisterschafts-Pokal können die DFB-Frauen beim Empfang in Frankfurt am Montag nicht präsentieren - aber ein glanzvolles Turnier vorweisen. Das 1:2 gegen England muss das Team erstmal verarbeiten.

Von Ulrike John und Philip Dethlefs, dpa

Die DFB-Frauen mussten eine knappe Niederlage hinnehmen. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Auch der Kanzler in der Kabine konnte die Fußballerinnen nicht trösten. Olaf Scholz sagte dem Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem so bitteren EM-Finale in Wembley, wie stolz man zuhause auf diese Mannschaft sei.

Dennoch verließen Alexandra Popp, Svenja Huth, Merle Frohms, Lena Oberdorf und all die anderen mit verweinten oder zumindest feuchten Augen Englands Fußball-Tempel. Am Ende eines großartigen Turniers verabschiedeten sich die DFB-Frauen aber auch mit viel Stolz. «Trotzdem glaube ich, dass wir heute Nacht wenig bis gar nicht oder wenn, dann schlecht schlafen werden», sagte Voss-Tecklenburg.

Ein dennoch stolzer Kanzler

Auf Twitter bescheinigte SPD-Politiker Scholz dem Vize-Europameister nach der 1:2-Niederlage nach Verlängerung im Finale gegen England eine «Weltklasse-Leistung in einem engen Spiel. Das war ein mitreißendes Turnier und ganz Deutschland ist stolz auf dieses Team!»

«Wir waren nah dran nach, vor allem nach dem 1:1. Wir sind schon mega unglücklich», räumte Voss-Tecklenburg ein. Svenja Huth, die die verletzte Torjägerin Alexandra Popp als Kapitänin vertrat, meinte ebenso niedergeschlagen wie unverblümt: «Tut einfach schweineweh, so kurz vor Schluss das 1:2 zu bekommen.»

Chloe Maggie Kelly sorgte mit ihrem Siegtreffer in der 110. Minute vor der EM-Rekordkulisse von 87 192 Zuschauern für ohrenbetäubenden Jubel und für den ersten internationalen Titel der Lionesses überhaupt. Lena Magull hatte zuvor in der 79. Minute die erstmalige Führung der Lionesses durch Ella Toone (62.) ausgeglichen und Deutschland vom Titel träumen lassen.

«Das müssen wir erstmal sacken lassen. Wir sind trotzdem froh und stolz, dass wir so viele Menschen erreicht haben», sagte die Wolfsburgerin Huth. «Ich finde einfach, dass wir als Mannschaft unfassbar gut funktioniert haben», sagte Voss-Tecklenburg. Die 54-Jährige war zwar als Spielerin viermal Europameisterin, aber als Trainerin verpasste sie ihren ersten Titel mit den DFB-Frauen.

Debatte um mögliches Handspiel

Die Verantwortlichen haderten nach dem verlorenen Finale auch mit den Videoassistenten. Dabei ging es um die Szene in der 26. Minute beim Stand von 0:0, als ein mögliches Handspiel von Englands Kapitänin Leah Williamson im Strafraum überprüft wurde. Einen Elfmeter gab es aber nicht. Voss-Tecklenburg sprach von einem «klaren Handspiel».

Auf die Frage, ob ihr Team da betrogen wurde, antwortete die 54-Jährige: «Das Wort will ich nicht in den Mund nehmen. Aber auf dem Niveau bei einem Finale bei der Europameisterschaft darf das nicht passieren.» Joti Chatzialexiou, Leiter Nationalmannschaften beim Deutschen Fußball-Bund, bemängelte die Arbeit der Videoassistenten generell bei der EM. «Das war jetzt das dritte oder vierte Mal bei diesem Turnier, dass nicht eingegriffen wurde. Das ist sehr enttäuschend. Wenn einem das so weggenommen wird, dann tut's weh», sagte er.

Die Spielerinnen allerdings thematisierten das nicht mehr groß, als sie zum Bus gingen. Nach der Nacht im Teamquartier in Watford nordwestlich von London war für Montagvormittag der Rückflug nach Frankfurt angesagt. Am Nachmittag wollen sich die Fußballerinnen auf dem Rathausbalkon im Römer den Fans präsentieren - auch wenn sie den Pokal nicht mitbringen.

«Ich würde mir sehr, sehr wünschen, dass wir das morgen in Deutschland hautnah spüren, was da ja anscheinend losgetreten wurde», sagte Voss-Tecklenburg, deren Team in den vergangenen vier Wochen enorm an Popularität hinzugewonnen hat.

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