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Deutscher Weinbau jetzt auch in NRW

Der deutsche Weinbau hat eine lange Tradition – spielte sich bislang aber vor allem südlich des 50. Breitengrades ab. Das ändert sich aufgrund des Klimawandels nun zunehmend und somit verbreitet sich der Weinbau jetzt auch in Nordrhein-Westfalen.

Aschendorff Medien

Foto: Adobe Stock

Dass deutscher Wein internationales Renommee genießt, liegt einerseits an seiner hohen Qualität. Andererseits spielt aber auch seine lange Geschichte eine Rolle. Bereits vor über 2.000 Jahren sollen die erste Weinreben in die heutigen deutschen Weinbauregionen gekommen sein. Damals handelte es sich noch vor allem um Wildreben, die teilweise mehr als 100.000.000 Jahre alt und damit die mitunter ältesten Pflanzen der Welt sind. Vor rund zwei Jahrtausenden war der Wein für die Römer daher längst unverzichtbar geworden, doch weil der Transport von schweren Amphoren über die Alpen schlichtweg zu beschwerlich gewesen wäre, haben sie kurzerhand die Reben mitgebracht und in den hiesigen Regionen angebaut. Schnell wurde dadurch deutlich: Die Anbauregion spielt für den Geschmack eine wichtige Rolle. Diese als nordisch bezeichneten Weine waren jedoch nicht qualitativ minderwertig – ganz im Gegenteil: Sie überzeugten durch ihren frischen Geschmack sowie ihre Vielfalt. Die deutsche Weinkultur war geboren und sollte sich über 2.000 Jahre hinweg immer weiter verfeinern.

Die deutschen Weinanbaugebiete im Überblick

Die Lage des Weinbergs, dessen Klima und Böden haben also erheblichen Einfluss auf die Weinqualität. Sogar zwischen den Hängen kann es je nach Höhe, Neigung und weiteren Faktoren geschmackliche sowie qualitative Unterschiede geben. Lange Zeit wurden aus diesen Gründen ausschließlich die südlichen Regionen in Deutschland für den Weinbau genutzt. Vor allem entlang der Mosel, in Rheinhessen sowie in Baden-Württemberg erstrecken sich große Weinregionen. Insgesamt werden heutzutage 13 Weinanbaugebiete in Deutschland unterschieden – allesamt südlich von Nordrhein-Westfalen: Das Ahrtal, Baden, Franken, die Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen und Württemberg. Lediglich das Weinanbaugebiet Mittelrhein schließt einige Orte in Nordrhein-Westfalen ein: Königswinter, Niederdollendorf, Oberdollendorf und Rhöndorf. Wenn bislang vom nordrhein-westfälischen Wein die Rede war, dann also von den dort gewonnenen Tropfen. Wer sich für den Weinbau des Landes interessiert, sollte sich deshalb einen Ausflug in die klassischen Anbaugebiete von NRW nicht entgehen lassen. Dort warten schließlich allerhand Highlights wie der Weinwanderweg Obderdollendorf, der Premiumwanderweg Rheinsteig, der Naturpark Siebengebirge, die Klosterruine Heisterbach oder natürlich das Weingut Sülz für eine Verkostung der heimischen Weine, welche auf diese Route ein Muss ist.

Besonderheiten der deutschen Weinregionen

An dieser Stelle ist bereits deutlich geworden, dass deutscher Wein eben nicht gleich deutscher Wein ist. Jedes Anbaugebiet, ja sogar jede Rebe kann stattdessen ein unterschiedliches Ergebnis hervorbringen und lockt mit ganz verschiedenen Besonderheiten. Über die lange Geschichte der deutschen Weintradition hinweg hat dabei deshalb Weinregion ihre ganz eigenen Traditionen entwickelt. Da wäre zum Beispiel die Pfalz mit ihren zahlreichen Weinfesten, die jedes Jahr unzählige Menschen in die Region locken – auch aus dem Ausland. Wein ist dort also nicht nur eine kulinarische Köstlichkeit, sondern zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens geworden. Da wäre das vergleichsweise kleine Weinbaugebiet Sachsen mit seiner unglaublichen Vielfalt an Böden wie Sandstein und verwitterter Granit. Sie sorgen für einen trockenen, aber dennoch überraschend fruchtigen Wein. Da wäre Rheinhessen mit seinem „Rauscher“, besser bekannt als Federweißer, der dort im Herbst in keinem Haushalt fehlen darf. Und dann wäre da noch der Rotling, ein edler Tropfen mit ungewöhnlicher Farbe, der ausschließlich in Franken, Rheinhessen sowie an der Mosel unter diesem Namen zu finden ist. Damit ist die Liste an Besonderheiten einer jeden deutschen Weinregion noch lange nicht zu Ende.

Was nordrhein-westfälischen Wein (bisher) ausmacht

Foto: Adobe Stock

Bleibt die Frage offen, was die bislang wenigen nordrhein-westfälischen Weine auszeichnet? Sie gehören, wie vorab erwähnt, dem Weinbaugebiet Mittelrhein an. Dieses erstreckt sich größtenteils auf rheinland-pfälzischem Boden und ist das zweitkleinste Anbaugebiet in Deutschland. Das bedeutet aber nicht, dass es in der deutschen Weinkultur eine untergeordnete Rolle spielt. Rund 150 Winzerbetriebe gibt es in dem etwa 462 Hektar großen, bewirtschafteten Gebiet. Hinzu kommt eine Vielzahl an „Feierabendwinzern“, wie sie liebevoll genannt werden, die dem Weinbau im Nebenerwerb oder als Hobby nachgehen. Für sie lohnt sich die Selbstvermarktung oftmals nicht, sodass sie über die Genossenschaft verkaufen – wenn überhaupt. Insgesamt werden dadurch in Mittelrhein mehr als 23.000 Hektoliter Wein pro Jahr produziert. Fast 85 Prozent davon sind Weißweine. Die Winzer haben hier zudem eine Vorliebe für klassische Rebsorten, sodass vor allem der Riesling, Weiße Burgunder und Müller-Thurgau angebaut werden. Bei den Rotweinen dominiert der Spätburgunder.

Bedingungen für den Weinbau immer besser

Dass sich Mittelrhein so gut für den Weinbau eignet, liegt an den klimatischen Bedingungen sowie den Böden. Dort herrscht nämlich ein gemäßigtes Klima mit vergleichsweise geringen Temperaturschwankungen, was auch am Rhein liegt, der als eine Art Wärmespeicher fungiert. Zudem gibt es sogar in den warmen Monaten ausreichend Niederschläge. Vor allem jene Hänge, die sich gen Sonne neigen und aus Schiefer- oder Grauwackeverwitterungsböden bestehen, bieten damit hervorragende Voraussetzungen für Qualitätsweine. Aber auch Böden mit vulkanischem Ursprung, wie sie weiter im Norden vorkommen, werden gerne für den Weinbau genutzt. Daran mangelte es Nordrhein-Westfalen also seit jeher nicht, wohl aber an dem milden Klima, das die Weintrauben für ihre Reifung benötigen. Durch den Klimawandel verändert sich dies nun zunehmend, sprich die klimatischen Bedingungen verbessern sich und gepaart mit den fruchtbaren Böden könnten sich dadurch in naher Zukunft ganz neue Weinregionen ausbilden – auch, oder vor allem, in Nordrhein-Westfalen.

Der Klimawandel bringt den Wein zurück nach Norden

Hierbei handelt es sich nicht nur um ein Zukunftsszenario, sondern schon jetzt lässt sich eine Ausdehnung der deutschen Weinbaugebiete beobachten. Vor einigen Jahren sind beispielsweise neue Anbauflächen im Sauerland sowie im Rhein-Sieg-Kreis bewilligt worden. Auch dort sollen fortan klassische Rebsorten wie der Riesling wachsen. Ebenso gibt es im Siegerland, in Westfalen und sogar im vergleichsweise nördlich gelegenen Dortmund mittlerweile soziale Projekte, durch welche neue Weinberge erschlossen werden. Viele von ihnen zählen bislang nur einige dutzend bis hundert Rebstöcke; doch das Wachstumspotenzial ist groß. Schließlich ist der Weinanbau bis zu einer Zahl von 700 Reben genehmigungsfrei und damit ein zunehmend beliebtes Hobby für Alt und Jung – und auch hier spielen Weinfeste eine durchaus wichtige Rolle. Das führt zumindest in NRW dazu, dass das Interesse am Weinbau wächst und mit ihm die Zahl der dort angepflanzten Weinreben. Mit einem Blick auf die Geschichte ist das eigentlich alles andere als überraschend: Bereits die Römer kultivierten einst rund um das heutige Köln ihren Wein. Erst mit dem Aufkommen der Reblaus verschwand der Weinbau langsam aus Nordrhein-Westfalen. Nun könnte er dafür umso schneller zurückkommen.

Ausblick in die Zukunft des Weinbaus in NRW

Eigentlich sind die Prognosen für das Bundesland also hervorragend, wenn es um den Weinbau geht. Allerdings könnten mit dem Klimawandel andere Probleme einhergehen: Trockenheit ist dabei ein wichtiges Thema, denn diese könnte die Anbaubedingungen in den kommenden Jahren erschweren und daher gilt es – nicht nur in NRW – schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Aber auch andere Naturkatastrophen wie Überflutungen sind nicht auszuschließen und welchen Schaden diese sowohl für die Menschen als auch für den Weinbau anrichten können, wurde erst vor kurzer Zeit auf tragische Weise im Ahrtal deutlich. Viele Winzerbetriebe werden sich von der Flutkatastrophe nicht mehr erholen, so die Befürchtung einiger Experten. Die größte Herausforderung wird somit darin bestehen, in einem Bundesland mit hoher Bevölkerungsanzahl und -dichte freie Flächen zu finden, die optimal für den Weinbau geeignet und von solchen Szenarien nicht oder nur geringfügig bedroht sind. Trotzdem wird die deutsche Weinbautradition zunehmend auch nach Nordrhein-Westfalen kommen, ist sich die Branche sicher…oder besser gesagt: zurückkommen.

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