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Kindern den Umgang mit Geld beibringen

Irgendwann stellen unsere Jüngsten Erstaunliches fest: Die glänzenden Taler und bunten Scheine helfen beim Erfüllen kleiner und großer Wünsche. Doch die Einordnung des Wertes einzelner Münzen und Banknoten müssen Kinder erst lernen, ebenso den richtigen Umgang damit. Mit Hilfe unserer drei Grundregeln fällt es Erwachsenen leichter, sie dabei zu unterstützen.

von Aschendorff Medien

Foto: stock.adobe.com

1. Reden Sie über Geld!

Die wunderbare Geldvermehrung?

Ein Dreijähriger, der mit einer Zwei-Euro-Münze zum ersten Mal selbst eine Kugel Eis kaufen darf, wähnt sich im Märchen. Er bekommt für sein Geldstück nicht nur leckeres Eis, sondern noch eine Kinderhandvoll Münzen dazu. Seiner Logik nach müsste hier die Frage folgen, warum Papa überhaupt arbeiten geht, anstatt regelmäßig ein Eis zu essen. Das wäre ein wunderbarer Anknüpfungspunkt, um die unterschiedlichen Werte der Münzen zu erklären. Selbst wenn das Kind mit größeren und kleineren Zahlen noch nichts anzufangen weiß, kann es zumindest unterschiedlich große Geldstücke voneinander unterscheiden. Denn mit Ausnahme des Fünf-Cent-Stückes gilt: je größer, desto wertvoller. Das verstehen schon Kindergartenkinder und werden fortan gezielt um den "großen Taler" bitten. Diese Zwei-Euro-Münzen ab und zu können wir verschmerzen. Die Erfahrung des Kindes ist unbezahlbar.

Übrigens sollte sich niemand scheuen, mit seinem Kind "auf Augenhöhe" zu kommunizieren. Damit ist auf keinen Fall gemeint, dass Erwachsene sich klein machen, gar in Babysprache verfallen müssen, um von ihren Sprösslingen verstanden zu werden. Das Gegenteil ist der Fall - je "erwachsener" wir unsere Kinder behandeln, ohne sie zu überfordern, desto eher verstehen sie uns. Selbst die Welt der Aktienkurse, - gewinne und -verluste eröffnet sich einem Vorschulkind, wenn US-amerikanische Fast-Food-Ketten oder Trick-Film-Imperien als Beispiele dienen.

Geld regiert die Welt

Kinder beobachten genau und begreifen oft mehr, als wir vermuten. Sie sehen, wie wir beim Bäcker bar bezahlen, im Supermarkt die EC-Karte zücken und beim Entdecken eines Knöllchens unterm Scheibenwischer die Augen verdrehen. Werbespots in Radio, TV oder vor dem Kinofilm pflanzen Worte wie Preis, Schnäppchen oder Sparen in die kindliche Gedankenwelt. Da diese gern mit Begriffen wie Glück oder Familie gekoppelt werden, benötigen Kinder unsere Hilfe, um die Zusammenhänge richtig zu verstehen.

Dass Erwachsene zur Arbeit gehen, dort Geld verdienen, um Lebensnotwendiges zu bezahlen, ist für Junior eine wichtige Erkenntnis und Basis einer gesunden Wertschätzung dieser Dinge. Ganz nebenbei bietet diese dem Geldkreislauf innewohnende Logik den Eltern eine passende Argumentationshilfe, wenn es um die Erfüllung kindlicher Wünsche geht. Selbst wenn das Geld im Portemonnaie der Erwachsenen reichlich vorhanden ist und locker sitzt, sollte man überlegen, ob beispielsweise das neue Fahrrad für die Tochter wirklich "einfach so" gekauft werden muss. Oder ob der Zusammenhang Sparen - Warten - Vorfreude - Wertschätzung nicht gerade durch diesem praktischen Fall erlebbar werden soll.

2. Spielen Sie mit Geld!

"Klopf, Klopf"

Rollenspiele haben eine wichtige Funktion im kindlichen Begreifen von Prozessen und Zusammenhängen. Gestern Prinzessin, heute Römer, morgen Feuerwehrfrau ... die Welt unserer Jüngsten ist klein, bunt und lädt täglich zu neuen Abenteuern ein. Indem die Kleinen uns oder fiktive Personen nachahmen, sammeln sie Erfahrungen, lernen spielerisch dazu. Auch der Umgang mit Geld lässt sich auf diese Weise üben. Nicht ohne Grund steht der Kaufmannsladen in Zeiten großer Supermärkte und Online-Bestellungen immer noch ganz oben auf der Wunschliste der Kinder im Vorschulalter. Als Verkäufer hat das Kind die Macht, zu entscheiden, ob der Teddy, der Papa oder die Geschwister etwas kaufen dürfen. Ist der Laden überhaupt geöffnet? Reicht das Geld des kleinen Bruders für die Gummibärchen, die er gerne hätte? Dieser Perspektivwechsel erzeugt nicht nur ein gutes Gefühl des "Erwachsene-Dinge-tun-Dürfens", sondern fördert auch das Verständnis für die monetären Zusammenhänge.

Badstraße oder Schlossallee?

Dem Alter des Kindes entsprechend bieten sich viele Varianten des Spiels mit dem Geld an. Alternativ zum Kaufmannsladen funktionieren auch Kinderpost oder Kinderbank im Vorschulalter. Bei Schulkindern, die bereits lesen und schreiben können, sind Spiele wie Monopoly der große Renner. Wenn dabei die Achtjährige dem zehnjährigen Nachbarssohn die Gefängnisfreikarte für 5.000 EUR verkauft, ist das peinlich - für die Nachbarn, die mit ihrem Sohn nicht oft genug Monopoly gespielt haben.

Spätestens im Teenageralter sind Zockerspiele wie Poker voll angesagt. Eventuelle Gegenargumente wie "mein Kind soll behütet / ohne TV / ohne Zocken aufwachsen" entkräften sich irgendwann von selbst. Wenn das "behütete" Kind längst der Pokerkönig der Klasse ist. Oder eben der Loser, der die Gefängnisfreikarte zum Fünffachen ihres Wertes kauft. Wir leben in einer Welt, die käuflich ist. Darum sollten wir unsere Kinder rechtzeitig gut vorbereiten, sich darin zurechtzufinden.


3. Agieren Sie mit Geld!

Taschengeld

Irgendwann haben auch der geduldigste Sechsjährige und die anmutigste Kaufmannsladenprinzessin genug Monopoly gespielt oder Plastikzitronen an ihr Plüsch-Einhorn verkauft. Es wird Zeit, sich ins Leben zu stürzen. Das Zauberwort heißt Taschengeld. Es ist die erste Form regelmäßigen Einkommens, das unsere Kinder erzielen können. Und darum sollte Taschengeld:

·         regelmäßig und ohne vorherige Nachfrage gezahlt,

·         weder als Belohnung noch als Strafe verändert,

·         nicht von anderen Zuwendungen abhängig gemacht werden.


Ein Trick hilft, das Prinzip zu verstehen: Einfach das Wort "Taschengeld" durch die Worte "mein Gehalt (Lohn)" ersetzen und die obigen drei Punkte noch einmal durchdenken.

·         Wenn wir am dritten Tag jedes Monats unser Gehalt auf dem Konto haben, sollte spätestens dann dem Kind das Taschengeld gezahlt werden.

·         Kollege Y hat zum x-ten Mal das Wasser in der Kaffeemaschine nicht nachgefüllt. Bekommt er deswegen Gehaltsabzug? Nein. Also darf Junior auch das volle Taschengeld erwarten, selbst wenn er / sie dreimal die Spülmaschine nicht ausgeräumt hat.

·         Nur weil jemand einen Dreier im Lotto hatte, werden ihm keine 13,50 Euro vom Gehalt abgezogen. Genauso sollte das Taschengeld des Kindes nicht gekürzt werden, wenn Oma ihm einen Fünfer zugesteckt hat.

Fazit:
Ein Kind bekommt Taschengeld, weil es da ist. Ohne "Wenn", ohne "Aber" und ohne kleingedruckte Bedingungen. Für Vierjährige sind wöchentliche Zahlungen sinnvoll. Spätestens im Alter von zehn Jahren können Kinder monatliche Zahlungen erhalten. Parallel dazu hat sich ein Kinderkonto als sinnvoll erwiesen. Hier lernen Kinder, wie Banking funktioniert.

Zwischen Almosen und Krösus

Es ist nicht leicht, beim Taschengeld das richtige Maß zu finden. Keinesfalls sollte die Erinnerung an die eigene Kindheit und die damaligen Beträge als Richtschnur dienen. Heute kostet eine Streuselschnecke nicht mehr nur zehn Pfennig, und für eine Mark kommt kein Sechsjähriger mehr ins Kino. Zum Glück für alle zweifelnden Eltern gibt es heute Taschengeld-Tabellen, abgestuft nach Altersgruppen. Diese dienen als ungefährer Wegweiser, frei nach dem Grundsatz "Ausnahmen bestätigen die Regel." Falls wir, egal aus welchem Grund, die Empfehlungen nicht umsetzen können, hilft eine Besinnung auf Punkt 1 dieses Artikels: Reden Sie über Geld! Erwachsene sind immer wieder erstaunt, wie logisch Kinder reagieren, wenn sie ihnen besondere Umstände erklären. Weniger oder mehr zahlen als in der Tabelle aufgeführt? Kein Problem. Hauptsache regelmäßig und verlässlich. Was Taschengeld auf keinen Fall sein sollte: Machtinstrument getrennt lebender Elternteile. Geben Sie Ihrem Kind das gute Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein. Weil es morgens aufsteht, zur Schule geht, mit der Oma Rommé spielt, die Spülmaschine ausräumt. Oder zu spät kommt, beim Rommé schummelt, das Geschirr in der Maschine vergisst.

Wäre es nicht wundervoll, wenn wir alle so ein bedingungsloses Einkommen hätten? Vielleicht wird irgendwann einer der heutigen kleinen Taschengeldempfänger so viel Einfluss erlangen, dass er / sie diese Idee umsetzt? Darum sollten wir allen Träumern dieser Welt Mut machen, ihre Ideen zu verwirklichen. Ein eigenes Einkommen, auch wenn es "nur" Taschengeld genannt wird, ist der erste Schritt in eine finanziell unabhängige Zukunft.

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